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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 14/2026
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Gegen die Einsamkeit

 

Kar- und Ostertage

Immer mehr Menschen in Deutschland fühlen sich einsam. Das heißt, sie haben den Eindruck, dass sie zu wenige soziale Kontakte haben oder dass, die die sie haben, keine wirkliche Qualität haben; dass sie nicht ausreichen, um sich geborgen zu fühlen.

Auch in unserer Verbandsgemeinde wird die Zahl der sich einsam fühlenden Menschen größer. Ländlicher Raum und eine alternde Bevölkerung wie bei uns sind nach dem Einsamkeitsbarometer der Bundesregierung Faktoren, die Einsamkeit begünstigen.

Christinnen und Christen haben sich in dieser Woche erinnert, was Jesus in der letzten Woche seines Lebens durchgemacht hat: Angefangen vom Bejubeltwerden beim Einzug in Jerusalem an Palmsonntag, über den Verrat durch einen Freund, das Abschiednehmen von geliebten Menschen beim Abendmahl, die Erfahrung,dass selbst die treuesten Freunde untreu werden bis hin zum verletzt werden durch andere: mit Schlägen und Folter, mit Spott und Hohn. Das Tragen der Last des Kreuzes, das Zusammenbrechen und Nichtmehrkönnen, das Verzweifeln an Gott, „warum nur hast du mich verlassen?" und schließlich das Grab, all das aus den letzten Tagen im Leben Jesu bedenken Christinnen und Christen in der Karwoche, die ins Osterfest mündet.

Warum eigentlich? Für mich ist all das auch ein Programm gegen Einsamkeit: Jesus, von denen Christinnen und Christen behaupten, er sei Gott selbst, durchlebt so ziemlich alle Situationen eines Menschenlebens: Vom Hosianna bis hin zum Verrat, Sterben und Grab. Damit will mir und dir gesagt werden: Du bist niemals allein, da ist immer einer, der bei und mit dir ist; selbst dann, wenn du dich von Gott verlassen fühlst, ist er da und mit dir. Auch dieses Dunkel hält er mit dir aus.

Zu den Ostererzählungen der Bibel, dass Jesus seinen Freundinnen und Freunden erscheint, sie sammelt und in die Welt sendet, um allen zu sagen: Das Leben siegt. Die Liebe ist stärker als die Mächte des Todes, Gewaltlosigkeit ist der Weg zum wahren und echten Frieden. Geschwisterlichkeit und nicht Nationalismus, offene und nicht verschlossene Türen sind das, was der Auferstandene verkündet haben will. Ein Programm zu Gemeinschaft und Frieden und gegen Einsamkeit.

Jesus hat die Einsamkeit, die ein menschliches Leben bringen kann durchlitten und zeigt zugleich so echte und wahre Solidarität, die anstecken soll, damit auch wir niemanden allein lassen.

Ostern ist das Fest gegen die Einsamkeit. Überall da, wo Menschen für andere da sind, mit ihnen leiden und helfen, dass sie aus ihrer Isolation finden, da ist für mich der auferstandene Christus, da ist Leben.

Der Blick auf Jesu Leiden, Sterben und Auferstehen ist deshalb für unsere Pfarrei St. Franziskus Im Hochwald ein Grund, mit dem Mehrgenerationenhaus in unserer Trägerschaft uns genau dafür einzusetzen: dass Menschen Angebote haben, in denen sie anderen begegnen.

Das Mehrgenerationenhaus ist deshalb nicht irgendein Anhängsel für unsere Pfarrei, es ist die gelebte Fortsetzung der Osterbotschaft. Ob es Mittagstisch, Frühstück oder Frühschoppen sind, ob es verschiedenen Bewegungsangebote, das Tanzcafé, der Strickkreis oder die Krabbelgruppe sind: Das MGH will Raum zur Begegnung, zum Leben gegen Einsamkeit geben. Dass Jugendliche den Jugendraum wieder beleben und sich treffen können, das gleich zwei Bands im Johanneshaus Probenräume finden, dass sich Parteien, Vereine, Initiativen im MGH treffen, für mich ist das alles Ostern: Auferstehung. Da ist das MGH das Galiläa von dem der Auferstandene in der Bibel sagt, dass man ihn dort finden könne.

Viele Beratungsangebote, der Fairteiler und Fairschenker, ein Gesprächskreis für queere Menschen, die noch zu oft Diskriminierung ausgesetzt sind, das Lerncafé zeigen, dass auch die Herausforderungen des Lebens angenommen werden. Das Projekt Zeitschenker will bewusst Menschen, die nicht mobil sind, Zeit schenken.

Dass in unmittelbarer Nähe zum Johanneshaus ins Pfarrhaus das Ambulante Hospiz einzieht, ist für mich ein weiteres Zeichen des Auferstandenen. Die Menschen, die sich in der Begleitung Sterbender und ihrer Familien engagieren, sind ein Segen und machen auch hier deutlich: auch das letzte Dunkel bleibt nicht dunkel, wenn wir wie Jesus aus Solidarität mit anderen durch es hindurch gehen.

Über das MGH und das Ambulante Hospiz gibt es noch viele Menschen und Initiativen rund um Hermeskeil, die sich gegen Einsamkeit engagieren. Mir fallen unzählige Vereine und Personen in unseren Dörfern ein.

Neben dem Suchen von Ostereiern könnte das doch auch eine schöne österliche Bewegung sein: auf der Suche nach Menschen, die mit und für andere da sind und dafür sorgen, dass niemand alleine ist. Sie wahrzunehmen und ihnen ausdrücklich zu danken, das nehme ich mir für die Osterzeit vor! Diese dauert übrigens 50 Tage bis Pfingsten, also Zeit genug.

Aber nicht nur das: Im Blick auf die, die sich für andere engagieren, wird auch mein Blick geschärft auf die ein oder andere Situation, in der Menschen sich einsam fühlen und vielleicht werde auch ich motiviert noch mehr als bisher mit anderen für andere zu da zu sein. Auch das hilft gegen die Einsamkeit: der anderen aber auch, wenn ich mich einsam fühlen sollte.

Ich wünsche allen Frohe Ostern und eine gesegnete Osterzeit und hoffentlich viele Begegnungen mit dem Auferstandenen überall dort, wo Menschen sich für andere einsetzen!

Dekan Christian Heinz