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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 14/2026
3 - Aus den Hochwaldgemeinden
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Der Streit um den richtigen Ostertermin

Warum Ostern im März oder April gefeiert wird

von Hans Georg Rosar

Ostern ist als Feier der Auferstehung Jesu Christi das wichtigste Fest der Christen. Nach seinem Datum richten sich fast alle anderen beweglichen Feiertage im Kirchenjahr. Auf Grund neutestamentlicher Überlieferung wurde der Ostertermin im Jahre 325 auf dem Konzil zu Nicäa, festgelegt als erster Sonntag nach dem Frühlingsvollmond. Vereinbartes Datum für den frühesten Frühlingsvollmond ist der 21. März, so dass der früheste Ostersonntag auf den 22. März fällt. Das späteste Osterdatum ist der 25. April.

Manche Forscher führen Ostern noch auf alte heidnische Feste zurück. So ziemlich alle Kulturen feierten die Auferstehung der erstarrten schlafenden Natur aus der klirrenden Kälte des Winters. Der eigentliche Ostertermin hat aber damit nichts zu tun. Jesus und seine Jünger verwendeten als Juden den jüdischen Kalender. Der Ursprung des Osterfestes geht tatsächlich auf das jüdische Passah zurück. Alle vier Evangelien nennen für die Kreuzigung Jesu denselben Termin, den 14. Nissan, den ersten Tag des jüdischen Passahfestes, das erst am Abend dieses Tages beginnt. Der Nissan ist der erste Monat des hebräischen Lunakalenders und er fängt mit dem Neumond an, dieser liegt der Tagundnachtgleiche des Frühlings am nächsten. Diese Orientierung an den Mondphasen hatte zur Folge, dass Passah ein bewegliches Fest und der 14. Nissan zudem keinem bestimmten Wochentag zugeordnet ist. Für die Kreuzigung Jesu ist der Wochentag allerdings bekannt, der Tag vor dem Sabbat, also ein Freitag. So ist das christliche Ostern in Verbindung mit dem jüdischen Passahfest zu sehen und nicht mit altgermanischen Bräuchen.

Der Osterterminstreit ist schon uralt

Streit gab es bald unter den Christen um den richtigen Ostertermin und wie eng Ostern mit dem Passahfest verknüpft werden sollte. Die ersten Christen feierten die Auferstehung Christi nicht nur einmal jährlich, sondern in jeder Woche. Der Tag nach dem Sabbat wurde der neue Wochenfeiertag. Hatte man in Jerusalem den Ostertermin ursprünglich noch am jüdischen Passah-Termin gefeiert, so war im Westen die jüdische Prägung weniger stark entwickelt. Hier dominierte der Aspekt der Auferstehung am dritten Tag nach der Kreuzigung. Während in Syrien und Kleinasien Ostern am Tag des Passahfestes gefeiert wurde, verlegten die römischen Christen es auf den Sonntag danach. Bereits um das Jahr 195 fanden mehrere Synoden statt, ohne eine Einigung zu erzielen. Auch das Konzil zu Nicäa 325 befasste sich mit dem Ostertermin. Mittlerweile war es kirchliches Gebot, dass Ostern nicht mit dem Tag des Passahfestes zusammen falle durfte. Um dies zu erreichen wurde in Nicäa der Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond bestimmt und der Frühlingsbeginn, der Termin der Tagundnachtgleiche auf den 21. März festgelegt. Zunächst eine einfache und sinnvolle Lösung, bei der Ostern auf einen Sonntag zwischen dem 22. März und dem 25. April fallen konnte. Aber genau da begannen die Probleme, denn es mussten nun drei Zyklen in Einklang gebracht werden, die gar nichts miteinander zu tun hatten, nämlich die Woche, der Mondmonat und das Sonnenjahr. Es wurden komplizierte Berechnungen aufgestellt, die den Zeitabstand zwischen zwei Vollmonden ermitteln sollten, die aber Abweichungen um bis zu drei Tagen zur Folge hatten. So lag im Jahre 387 z.B. 35 Tage zwischen dem Ostertermin des ägyptischen Alexandrias und dem Ostertermin in Frankreich. Im 7. Jahrhundert tobte ein heftiger Streit zwischen Rom und der britischen und keltischen Kirche um das Osterdatum. Auch die Gregorianische Kalenderreform änderte nichts daran. Sie bewirkte sogar das Gegenteil. Da diese Reform vom Papst ausging, wurde sie in römisch-katholischen Gebieten sofort übernommen, von den evangelischen Christen aber nicht. Im Jahre 1699 wurde eine andere verbesserte Variante verbindlich. Der Unterschied aber blieb. So feierten 1744 die evangelischen Christen Ostern am 29. März, die katholischen Christen aber erst am 5. April. Mittlerweile feiern die evangelischen und katholischen Christen in Deutschland zur gleichen Zeit Ostern. In den orthodoxen Kirchen wird das Osterdatum nach wie vor nach anderen in sich wiederum differenzierten Kriterien berechnet. 1997 lagen die Termine zwischen Ost und West um vier Wochen auseinander. Eine Einigung um einen gemeinsamen Ostertermin scheiterte bislang am Traditionsbewusstsein der orthodoxen Kirchen. Diese bestimmen noch den Frühlingsanfang nach dem julianischen Kalender (nach Julius Cäsar). Jedenfalls ist eine Einigung um einen einheitlichen Ostertermin noch nicht in Sicht. Auch der Weltkirchenrat bemüht sich hier um eine Einigung auf einen Ostertermin. Danach soll das Osterdatum mit modernsten astronomischen Berechnungen von Jerusalem aus bestimmt werden. Eine Einigung ist aber noch nicht erzielt worden. Es gab aber er auch schon gemeinsame Ostertermine. Sie sind zwar sehr selten, aber es gibt sie. Jedenfalls konnten am 15. April 2001 alle christlichen Kirchen gemeinsam Ostern feiern.

Quellen: „Feiern – Feste – Jahreszeiten, Lebendige Bräuche im ganzen Jahr, Manfred Becker Huberti, Freiburg im Breisgau 1998, „Der unerklärliche Meister Lampe, Der kleine Hasenbegleiter Hartmut Schickert Piper Verlag München. „Osterdatum“, Wikipedia, 2013.