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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 15/2019
Aus dem Gerichtssaal
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Dieses war der zweite Streich...

Wir erinnern uns (RuH von letzter Woche): Weil die Verteidigung noch weitere Zeugen hören will, wird ein neuer Verhandlungstermin angesetzt. Doch auch diesmal findet die Sache noch kein Ende, weil die wichtigste Zeugin - die Ehefrau des Angeklagten - fehlt. Sie ist, wie Richterin Michels erklärt, zurzeit „geschlossen untergebracht“. Gemeint ist damit eine psychiatrische Einrichtung im Saarland; die Frau hat psychische Probleme. Eine Pflegekraft, die sie zum Gericht begleiten müsste, steht an diesem Tag nicht zur Verfügung und die saarländische Polizei zeigte sich nicht kooperativ.

Der Angeklagte sitzt derweil wieder neben seiner Kölner Verteidigerin. Von drei Justizbediensteten ist er wieder in Handschellen aus der JVA Wittlich gebracht worden. Und es wirkt schon ein wenig martialisch, als er zur Toilette muss und für diesen kurzen Gang innerhalb des Gerichtsgebäudes wieder gefesselt und an der Kette abgeführt wird. Ob der Wachtmeister ihn auch bis „aufs Häuschen“ begleitet, bleibt offen.

Eine beim letzten Mal nicht erschienene Zeugin ist jetzt da, sie war in Urlaub und hat das auch nachgewiesen. Sie hat im Bus von Trier in Richtung Hermeskeil gesessen. Auch ein dunkelhäutiger Mann ist im Bus, wo der Angeklagte - nach Schilderung der Zeugin - anfängt, über Ausländer zu schimpfen. Die „Neger“ nähmen uns die Arbeit weg und hätten in unserem Land nichts zu suchen, soll er unter anderem gesagt haben. Als die junge Frau ihn auffordert damit aufzuhören, wird er aggressiv, entreißt ihr die Handtasche, wobei der Tragriemen abreißt, und wirft sie zu Boden. Er sagt, sie soll still sein und ihn „ausreden“ lassen. Auch die Ohrhörer, sie sie demonstrativ angelegt hat, reißt er ihr ab. Sie ist froh, als sie aussteigt und zeigt den Mann bei der Polizei an.

Danach steht wieder der Abend, an dem der Angeklagte seine Frau geschlagen haben soll, auf dem Programm. Der Mann bleibt dabei, dass die Polizeiaktion gegen ihn „nicht gerechtfertigt“ war. Zwei Zeugen, die damals im gleichen Haus gewohnt haben, sollen das bestätigen, doch so ganz gelingt das nicht. Der frühere Nachbar sagt, er hat Hilferufe gehört, seine Wohnungstür geöffnet und gesehen, dass der Angeklagte vor seiner Wohnung auf dem Boden gelegen hat. Polizisten hätten ihn hochgehoben und abgeführt. Mehr hat er nicht mitbekommen. Die Frau bestätigt, dass es bei dem Angeklagten und seiner Frau laut gewesen ist, aber das sei bei denen „nichts Außergewöhnliches“ gewesen. Als ihr Partner die Wohnungstür öffnet, sieht sie nur die Polizei, nimmt ihren kleinen Sohn - „Das Kind muss sowas nicht mitbekommen“, sagt sie - und zieht sich in ihre Wohnung zurück.

Den zweiten Zeugen, der beim letzten Mal nicht erschienen war, lässt Richterin Michels von der Polizei zuhause abholen, er hat nicht weit bis zum Gericht. Er war zur Zeit der Polizeiaktion in der Wohnung des Angeklagten, weil die Frau ihn zu Hilfe gerufen hat. „Das kam öfter vor, ich bin oft genug dazwischen gegangen“, berichtet er. Während er sich um die Frau im Wohnzimmer gekümmert hat, hat er die Polizeiaktion aber nur akustisch mitbekommen, „jede Menge Geschrei“, sagt er und bestätigt auf Frage des Staatsanwalts, dass da „auch Schmerzensschreie“ dabei waren.

Der Mann auf der Anklagebank gibt den Streit im Bus zu. Die Aktion am Donatusplatz (s. RuH von letzter Woche) bestreitet er, er ist an dem Tag angeblich überhaupt nicht im Bus von Hermeskeil nach Trier gewesen, wofür seine Verteidigerin noch einen weiteren Beweisantrag stellt. Er bleibt am Ende auch dabei, dass die Polizisten ihn in seiner Wohnung brutal angegangen sind. Eine „übertriebene Aktion“ und eine „rechtswidrige Diensthandlung“ sei das gewesen, sagt seine Anwältin. Dem Staatsanwalt wirft der Angeklagte wörtlich vor: „Sie schützen doch nur die Polizeibeamten!“ Nächster Termin: 26. April. (WIL-)