Kürzlich stellte der Kulturgeschichtliche Verein Hochwald seine neueste Veröffentlichung vor: eine ausführliche, fast 100 Seiten umfassende Darstellung der Geschichte des Klosters Wüstenbrühl am Zusammenfluss der Großen und der Kleinen Prims östlich von Hermeskeil. Heute befindet sich an der Stelle, wo dieses Kloster und die dazu gehörigen Gebäude standen, die Gemeinde Thiergarten, deren Entstehung eng mit der Geschichte verknüpft ist.
In „Heft 1“ beschreibt Autor Dittmar Lauer chronologisch die Geschichte des Siedlungsplatzes von der keltischen Frühlatènezeit (ab 400 v. Chr.) über die römische Zeit und das Mittelalter bis in die Neuzeit, wobei auch die Gründung und Entwicklung der heutigen Wohngemeinde Thiergarten (der Name geht auf einen Mitte des 17. Jahrhunderts angelegten „churtrierischen Thiergarten“ zurück, der mit „starken Planken“ umzäunt war) umrissen wird.
Der Name Wüstenbrühl setzt sich aus den Wortteilen „wüst“ (in den ehemaligen Bedeutungen „öde“, „unbebaut“, „leer“ oder „menschenleer“) und „Brühl“ (feuchtes, sumpfiges Wiesenland) zusammen. Ob dort schon zu Lebzeiten des austrasischen Diakons Adelgisel Grimo, dessen Testament von 634 die älteste Urkunde der Rheinlande ist, ein mit Tholeyer Mönchen besetzter Klosterhof stand, bleibt im Dunkeln. Fest steht allerdings, dass ein solches Kloster schon zu Beginn des 13. Jahrhunderts nicht mehr existiert haben kann, denn in einer Beschreibung der Grenzpunkte des erzbischöflichen Forstes aus dem Jahr 1214 wird der Ort bereits „pratum quod vulgo desertum vocatur“ genannt. Im 14. Jahrhundert werden ein Hofgut und eine Kapelle, die dem Heiligen Nikolaus geweiht wird, errichtet. Im Jahr 1448 gründet Erzbischof Jakob von Sierck, Kurfürst und Reichskanzler, auf dem inzwischen wohl wieder verlassenen Hofgut Wüstenbrühl ein kleines Kloster, in das er Franziskaner beruft.
Der Grenzlage zur sponheimischen Herrschaft, die sich über Birkenfeld bis in den Raum Züsch erstreckt, verdanken wir die Tatsache, dass die Quellenlage recht umfangreich ist, denn im 1408 beginnt ein mehr als 300 Jahre anhaltender Streit zwischen dem Kurfürsten und Erzbischof von Trier und den Grafen von Sponheim, der letztlich zu Gunsten von Kurtrier ausgeht. Die Gerichtsakten befinden sich im Landeshauptarchiv in Koblenz. Ein weiterer Prozess ist im Stadtarchiv Trier dokumentiert: Im Jahr 1468 behauptet die Benediktinerabtei St. Marien in Trier, Grundherrin von Malborn, dass auch Wüstenbrühl auf Malborner Bann gelegen sei. In dem Verfahren findet eine umfangreiche Zeugeneinvernahme statt; auch diese Sache geht für das Bistum gut aus.
Die Sponheimer versuchen rund 50 Jahre später erneut ihr Glück mit dem Ziel, die Franziskaner mit ihren Viehherden von den angeblich ihnen gehörenden Weiden fernzuhalten, jedoch ohne Erfolg. Im Jahr 1520 führt das zu einem ganz besonderen Ereignis. In dem jetzt erschienenen Heft schreibt Dittmar Lauer: „Der für das Kloster günstig ausgegangene Prozess ist Anlass für ein längeres Gedicht in Hochwälder Mundart unter der Bezeichnung ‚Nicolaus in Brül‘“. Als Verfasser vermutet Lauer den Rektor des Franziskanerklosters, Johannes Schonck; die Urfassung des Gedichts hat er im Britischen Museum in London ausgemacht, wohin es 1853 von einem deutschen Buchhändler und Antiquar verkauft worden ist.
In dem Gedicht beschreibt der Mönch in 233 Zeilen die wechselvolle Geschichte von Wüstenbrühl. Schon Pfarrer Mertens nannte in seiner „Geschichte der Herrschaft Züsch“ (1904/1905) dieses Gedicht, von dem seinerzeit nur einige teils fehlerhafte Abschriften existierten, einen „eigenartigen und besonders sprachgeschichtlich wertvollen dichterischen Erguss“. Aufgrund dieser Einzigartikeit hat sich der Kulturgeschichtliche Verein zu einer neuen Edition des Urtextes entschlossen und diese gleichzeitig mit der Geschichte des ehemaligen Franziskanerklosters als „Heft 2“ veröffentlicht. (WIL-)
Die mit zahlreichen Abbildungen versehenen, nicht nur für geschichts- und heimatkundlich interessierte Leserinnen und Leser hochinteressanten Hefte im A4-Format sind erhältlich bei Schreibwaren Theis in Hermeskeil und bei Dittmar Lauer (E-Mail Dittmar.Lauer@t-online.de). Heft 1 (96 Seiten) kostet 15 €, Heft 2 (28 Seiten) 10 €.