Lisa und Marcel Eggert betreiben nun schon im zweiten Jahr ihre Schäferei mit rund 600 Schafen in Gusenburg.
Seit dem 9. April 2024 bewirtschaftet die Familie Eggert ihren Hof am Ortsrand von Gusenburg. Rund 600 Schafe weiden auf den umliegenden Grünflächen, dazu kommen eigene Ackerflächen für Getreide und Futter. Die Schafzucht hat in der Familie Tradition: Schon der Großvater war Berufsschäfer, heute führt die dritte Generation einen Betrieb im Haupterwerb.
Die Wurzeln der Familie liegen in der Region Stuttgart. Im Januar 2024 sah sich die Familie den Hof erstmals an, innerhalb von nur drei Monaten stand das Konzept für den Umzug nach Rheinland-Pfalz. Ausschlaggebend waren ausreichend Grünland, eine passende Umgebung und die Infrastruktur vor Ort: Kindergarten, Grundschule, ärztliche Versorgung und Einkaufsmöglichkeiten im nahen Hermeskeil überzeugten die Familie.
Merinolandschafe und Coburger Fuchsschafe
Die Herde besteht überwiegend aus Merinolandschafen, ergänzt durch Coburger Fuchsschafe. Letztere alte Landschafrasse steht auf der Roten Liste der gefährdeten Nutztierrassen, ein Großteil der Tiere ist im Herdbuch eingetragen. Mit der Zucht leisten die Eggerts bewusst ihren Beitrag zum Erhalt dieser Rasse – Fördermittel gibt es dafür kaum. Geschlachtet wird in Kooperation mit dem nahegelegenen Eichhof in Reinsfeld, die Wege bleiben bewusst kurz.
Die Schafe stehen fast ganzjährig auf den Weiden rund um den Hof, nur zur Lammzeit und bei extrem kalter und nasser Witterung kommen die Schafe in den Stall. Das Klima im Hochwald spielt der Weidetierhaltung in die Karten: Mehr Niederschlag und weniger Hitze sorgen für ausreichend Grünfutter über weite Teile des Jahres. So können die Tiere ihr natürliches Verhalten ausleben, was der Gesundheit und dem Tierwohl zugutekommt.
Die Schur
Einmal im Jahr, meist im März, werden die Schafe geschoren – nötig, damit die Tiere im Sommer nicht unter der dicken Wolle leiden. Die anfallende Wolle wird nach Baden-Württemberg zu einer Wollerzeugergemeinschaft gebracht, wo sie zu Wolldünger-Pellets verarbeitet wird. Weil europäische Wolle für die Textilindustrie oft als zu grob gilt und wenig Erlös bringt, ist die Nutzung als Dünger für die Eggerts ein sinnvoller Weg, den Rohstoff zu verwerten. Die Pellets bestehen aus reiner Schafwolle, wirken als natürlicher Langzeitdünger ohne Zusatzstoffe, speichern Wasser und eignen sich besonders für Tomaten, Topfpflanzen, Gemüse und den Garten – erhältlich sind sie auch im Hoflädle.
Direktvermarktung
Ein wichtiges Standbein ist die Direktvermarktung von Lammfleisch, Wurstwaren und Fellen. Ende Dezember 2025 kam das „Hoflädle“ hinzu, ein Selbstbedienungsladen, der täglich von 6 bis 22 Uhr geöffnet ist – auch an Sonn- und Feiertagen. Dort finden sich neben hofeigenen Produkten wie Rohesser und Salami vom Gusenburger Lamm sowie Eiern der freilaufenden Hühner auch Wurstwaren vom Eichhof Reinsfeld, Ziegenkäse vom Ulmenhof in der Vulkaneifel, Kartoffeln aus Gusenburg sowie Butter, Marmelade und Brotaufstriche. In einem Ort ohne sonstige Einkaufsmöglichkeiten wird das Angebot aus Gusenburg, Hermeskeil und den Nachbargemeinden sehr gut angenommen.
Getragen wird die Schäferei von der ganzen Familie: Marcel und Lisa Eggert arbeiten im Haupterwerb, die drei Kinder sind mit eigenen Lieblingsaufgaben eingebunden. Dass der Hof im Dorf angekommen ist, zeigt sich nicht zuletzt bei Arbeitseinsätzen – zur letzten Schafschur halfen rund 20 Menschen aus Gusenburg mit und auch die beiden Brüder Johannes und Edmund Nickels stehen ihnen das ganze Jahr über besonders zur Seite: ein deutliches Signal, dass die geleistete Arbeit gesehen und wertgeschätzt wird. Mit ihrer Herde erhalten Eggerts nicht nur eine gefährdete Schafrasse und pflegen artenreiches Grünland, sie sichern auch kurze Wege bei Fleisch, Eiern und Wolle. So ist aus einem zugezogenen Betrieb in kurzer Zeit ein landwirtschaftlicher Anker im Ort geworden. (LeWe)