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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 18/2021
Aus dem Gerichtssaal
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Gerade noch die Kurve gekriegt

Ein Bauunternehmer soll auf der Heimfahrt mit seinem Sprinter samt Anhänger auf der Autobahn ein Warndreieck und eine Blitzlampe, die einen Unfallort kennzeichneten, demoliert haben und anschließend einfach weiter gefahren sein. Die Hermeskeiler Feuerwehr war hier gerade dabei, einen Fahrzeugbrand zu löschen. Gegen den Strafbefehl über 900 €, mit dem ihm unerlaubtes Entfernen vom Unfallort - im Volksmund Fahrerflucht - vorgeworfen wird, hat er Einspruch eingelegt und sitzt nun neben seinem Verteidiger auf der Anklagebank. Er sei „ziemlich gut weggekommen", bemerkt Richterin Buchenberger zu Beginn, weil kein Fahrverbot verhängt worden sei.

Er habe zwar den Unfall auf der Autobahn wahrgenommen, aber nicht gemerkt, dass er irgendetwas überfahren habe, behauptet der Angeklagte und bleibt auch auf mehrmaliges Befragen durch den Vertreter der Staatsanwaltschaft, Oberamtsanwalt Herz, dabei. Er habe auch keine Schäden - weder am Sprinter noch am Anhänger - festgestellt. Vielleicht sei ja bei seiner Vorbeifahrt etwas „vom Luftzug umgefallen".

Die Anklage hat fünf Zeugen - alles junge Feuerwehrleute, die an dem Einsatz beteiligt waren - aufgeboten. Der erste - damals für die Absicherung der Unfallstelle zuständig und nah am Geschehen - schildert den Vorfall deutlich: Es sei viel Verkehr gewesen und schnell gefahren worden. Er habe gesehen, wie der Sprinter in die Absperrung gefahren und danach ruckartig nach links ausgewichen sei. Auf Nachfrage der Anklage sagt er, dass es ein lautes Geräusch gegeben hat, als der Sprinter mit der vorderen rechten Fahrzeugseite das Faltdreieck und die Blitzlampe erfasst habe. Den Fahrer hat er nicht erkannt, aber die Kollegen haben das Kennzeichen notiert.

Es ist zu erwarten, dass die übrigen vier Zeugen den Vorgang so bestätigen werden. Deshalb regt Ankläger Herz schon jetzt an, über die Erledigung des Verfahrens durch Einstellung gegen eine Auflage von 600 € nachzudenken. Dem Angeklagten hält er dabei zugute, dass er immerhin nicht bestritten hat, den Sprinter gefahren zu sein, sondern sich nachträglich gemeldet und als Fahrer identifiziert hat. Richterin Buchenberger erleichtert dem Mann die Entscheidung, indem sie darauf hinweist, dass bei einer Verurteilung vielleicht ein Fahrverbot im Raum stehen würde.

So endet der Fall ohne Urteil, die vier weiteren Zeugen müssen nicht mehr aussagen. Der Angeklagte, der außer der Geldauflage natürlich den angerichteten Schaden begleichen muss, ist offenbar froh über diesen Ausgang, denn er bedankt sich am Ende für die Entscheidung.