Die Fassade des Hallenbades wird über Kurz oder Lang aus dem Stadtbild von Hermeskeil verschwinden, dem Gebäude droht der Abriss
Das Bild zeigt die großen Schäden an Beton- und Stahlteilen. (Foto: VGV, D. Bredel)
Bauamtsleiterin Stefanie Schömer hatte in der Sitzung des VG-Rates eine unschöne Botschaft zu verkünden. Das Hallenbad, bei dem man bisher noch von einer, wenn auch teuren Sanierung ausging, ist aufgrund gravierender Mängel in der Substanz bautechnisch ein Totalschaden. Eine Sanierung scheidet nach ihren Worten aus, auch wenn das endgültige Fachgutachten eines vereidigten Prüfingenieurs, der in den letzten Tagen das Gebäude in Augenschein genommen hat, noch aussteht. Zu groß sind die Mängel an den tragenden Betonteilen, der Decke und im Bereich des Beckens. Aus diesen Gründen wurde das Bad auch Ende März auf nicht absehbare Zeit geschlossen.
Bei genauem Hinsehen hat sich herausgestellt, dass es in den tragenden Betonteilen der Decke etliche Risse gibt. Des Weiteren sind wichtige Metallhalterungen massiv verrostet. Das sei ein allgemeines Problem bei Hallenbädern, da Wärme, Feuchtigkeit und chemische Reaktionen im Beton, verursacht durch Kohlenstoffdioxid, der Bausubstanz massiv zusetzen.Nach den Worten von Stefanie Schömer können die genannten Betonkonstruktionen noch lange halten, ein sogenanntes Spontanversagen kann aber heute oder morgen dazu führen, dass diese kollabieren und das Gebäude zusammenstürzt. Anhand von Bildern zeigten sie und Bauamtsmitarbeiter Daniel Bredel, wie es um das Hallenbad bestellt ist, massive Schäden, soweit das Auge reicht. Doch nicht nur die Decke und deren tragenden Teile sind betroffen, auch im Bereich des Beckens sind die Schäden massiv, hier sind Leckagen und Setzungen vorhanden, ein Teil des Beckenkonstrukt mit seinen Stützen ist instabil. Aus diesem Grund hat man das Wasser aus dem Becken abgelassen und außen Stützen angebracht. Von den Schäden ist nur das Hallenbad betroffen, so Daniel Bredel, die anderen Gebäude, z. B. die Sporthalle und das Restaurant, haben andere Dachkonstruktionen und sind intakt. Als man das Hallenbad in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts zusammen mit dem Schulzentrum gebaut hat, ging man von einer Lebensdauer von 50 Jahren aus, und diese Zeit ist inzwischen vorbei, so die Bauamtsleiterin. Nach Aussage von Bürgermeister Stefan Ding wird das Hallenbad im Herbst nicht mehr geöffnet werden. Eine Sanierung scheidet aus, eine solche wäre total unwirtschaftlich. Man steuere auf die Planungsphase Null hin, d. h., Rückbau/Abriss des jetzigen Hallenbadgebäudes und Bau eines neuen, wann und wo auch immer. Auf die Fragen aus dem Rat, warum man die Schäden nicht schon bei einer früheren Kontrolle bemerkt habe, teilte Stefanie Schömer mit, dass man seinerzeit noch nicht die Deckenabhängung entfernt hatte und so die Schäden nicht sichtbar waren. Die Schäden am Gebäude haben auch Auswirkung auf den Bereich des Freibades. Dessen Bereiche, die an das Hallenbad angrenzen, werden aus Sicherheitsgründen gesperrt, weil dort die erwähntenStützen angebracht werden. Weil das Hallenbad für den Badebetrieb auf Dauer ausfällt, wird das Freibad bereits Mitte Mai geöffnet. Nach den Worten von Stadtbürgermeister Christoph König müsse man sich um das Fachpersonal kümmern, man müsse verhindern, dass dieses verloren geht. Für bezahlte Dauerkarten soll es eine Lösung im Hinblick auf eine Rückerstattung geben, die begonnenen Schwimmkurse werden im Freibad fortgesetzt. Wie geht es weiter? Für den Sommer steht das Freibad für den Schwimmsport zur Verfügung, allerdings auch nur dann, wenn die Witterung es zulässt. Ab Herbst gibt es dann in Hermeskeil keine Schwimmmöglichkeiten mehr, ein Dilemma für die schwimmbegeisterten Menschen, die Vereine, die DLRG, die Schulen und für die Kinder, die Schwimmen lernen sollen, immerhin haben in der letzte Badesaison rd. 33.000 Menschen das Hallenbad besucht. Das Thema Hallenbad wird in den nächsten Monaten noch viele Gespräche auf verschiedenen Ebenen erfordern, so Stefan Ding, und in den Beratungen des VG-Rates Dauerthema sein. Wie das Ganze sich entwickeln wird, bleibt abzuwarten, RuH wird in seiner Berichterstattung die Thematik zeitnah begleiten. bb
Das Hallenbad ist marode und nicht mehr zu sanieren, da beißt keine Maus einen Faden ab. Geahnt hat man das schon länger, nur wollte man es nicht so recht wahrhaben. Das Gebäude, Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts zusammen mit dem Schulzentrum gebaut, ist mehr als 50 Jahre alt, und gilt bautechnisch als verbraucht. Wasser, Feuchtigkeit, Wärme, Chemie und der Zahn der Zeit haben dem einst schmucken Hallenbad den Rest gegeben. Daran haben auch zwischenzeitliche Reparaturen und Sanierungsmaßnahmen nichts geändert. Eine vollumfängliche Sanierung hat man in der Vergangenheit nicht durchgeführt, vielleicht, weil sie nicht notwendig war oder man die hohen Kosten scheute. Wie dem auch sei, nun bleibt nur noch der Rückbau, eine Sanierung ist zum heutigen Zeitpunkt aus technischen und finanziellen Gründen völlig sinnlos und unwirtschaftlich. Und nun fragen sich einige Zeitgenossen, ob man das Ganze nicht hätte vor 4 Jahren erkennen können. Konnte man nicht, denn die Schäden lagen im Verborgenen und waren erst nach intensiver Nachschau zu erkennen. Nur gut, dass man noch nicht mit der doch recht teuren Sanierung begonnen hat, denn dann hätte man viel Geld für die Katz ausgegeben, um letztendlich doch die Reißleine zu ziehen. Der Rückbau/Abriss wird wegen der Komplexität des Gesamtbaus nicht nur technisch recht kompliziert, sondern wird auch viel Geld kosten. Noch teurer wird ein evtl. Neubau, ob dieser kommt, steht derzeit in den Sternen. Die jetzige Situation ist für Hermeskeil und den Schwimmsport eine mittlere Katastrophe, da gibt es nichts zu beschönigen. Und heute zu sagen „Hätte, hätte“ nutzt rein gar nichts.
Bernd Backes