Wer am Bahnhof unterwegs ist, rechnet wohl kaum damit, hier auf einen Geheimtipp für Kaffee zu stoßen. Doch genau das könnte sich seit Jahresbeginn geändert haben: Im „Mon Ami“-Shop, bislang vor allem bekannt für E-Zigaretten und Shisha-Zubehör, gibt es inzwischen auch hochwertige Kaffeespezialitäten und Matcha – frisch zubereitet und zum Mitnehmen.
Hinter dem ungewöhnlichen Konzept steht Raymond „Ray“ aus Trier. Gemeinsam mit einem Freund eröffnete er den Tabak-Shop im November 2021 – mitten in der Corona-Zeit. Ursprünglich lag der Fokus klar auf dem Einzelhandel, insbesondere auf E-Zigaretten. „Unser Ziel ist es, Menschen beim Umstieg vom klassischen Rauchen zu helfen“, erklärt Ray. Die Nachfrage sei groß, viele Kundinnen und Kunden wollten bewusst auf weniger schädliche Alternativen wechseln.
Doch mit der Zeit entwickelte sich eine zweite Leidenschaft: Kaffee. „Ich war schon immer Kaffeetrinker“, sagt Ray. Parallel dazu entdeckte er Matcha für sich – das fein gemahlene Grünteepulver aus Japan. Mit selbstgemachten Sirups und viel Experimentierfreude entstand zunächst ein Hobby. „Freunde haben irgendwann gesagt: Dein Matcha schmeckt besser als in der Stadt.“
Aus der Idee wurde ein Testlauf: Seit Kurzem bietet das „Mon Ami“ nun auch Kaffee und Matcha-Getränke an – zunächst als To-Go über den „Café-Zweig im Laden“. Die Resonanz ist beachtlich: Viele der rund 1400 Kundinnen und Kunden pro Monat nutzen das Angebot inzwischen.
Besonderen Wert legt Ray auf Qualität. Die Kaffeebohnen stammen von einer kleinen Rösterei aus Trier, zubereitet wird an einer Siebträgermaschine mit eigener Mühle – der Mahlgrad wird exakt abgestimmt. „Kaffee ist für uns kein Mittel zum Zweck, sondern ein Genussprodukt“, betont er. Auch beim Matcha wird nichts dem Zufall überlassen: Das Pulver wird klassisch mit dem Bambusbesen angerührt, die Wassertemperatur genau kontrolliert, um die feinen Aromen zu erhalten.
Das Angebot reicht von Espresso und Cappuccino bis hin zu kreativen Matcha-Variationen. Besonders gefragt: der Iced Matcha Latte mit Erdbeersirup und Vanillemilch – aktuell ein echter Kassenschlager. Alle Sirups werden selbst hergestellt, bei der Milch haben Kundinnen und Kunden die Wahl zwischen klassischen und pflanzlichen Alternativen wie Hafer, Mandel oder Kokos.
Mit seinem Konzept trifft Ray offenbar einen Nerv – vor allem bei jüngeren Menschen. „Viele treffen sich hier, gerade nachmittags. Das kennt man sonst eher aus größeren Städten wie Trier“, sagt er. In Hermeskeil habe es bislang vor allem Treffpunkte für ein älteres Publikum gegeben, etwa in Bäckereien.
Langfristig denkt Ray bereits weiter: Sollte die Nachfrage stabil bleiben, kann er sich ein eigenständiges Café in der Innenstadt vorstellen. „Es wäre schön, einen Ort zu schaffen, an dem sich junge Leute treffen können.“ (LeWe)