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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 2/2019
Aus dem Gerichtssaal
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Nochmal glimpflich davongekommen

Ganz oft muss sich Direktorin Corinna Diesel als Strafrichterin am Amtsgericht Hermeskeil mit Drogendelikten junger Menschen befassen. Meistens sind die Angeklagten noch im Heranwachsendenalter, sodass in der Regel das Jugendstrafrecht zum Zuge kommt. Hier geht es in erster Linie nicht um Bestrafung; vielmehr steht, wie Staatsanwältin Heister im jüngsten Fall erklärte, der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Die Mädchen und Jungen einer Schulklasse von der IGS Hermeskeil verfolgen die Verhandlung im Zuhörerraum aufmerksam.

Der junge Mann, ein Lehrling aus einem Nachbardorf, sitzt nicht zum ersten Mal auf der Anklagebank. Schon vor drei Jahren ist er mit den gleichen Delikten im gleichen Freundeskreis - Erwerb, Besitz und Verkauf von Betäubungsmitteln - aufgefallen. Diesmal hat ihn sein Smartphone überführt: Insgesamt acht Einzeltaten sind aus den WhatsApp- und Messenger-Nachrichten ersichtlich. Und er ist vernünftig genug, schon bei der Polizei alles zuzugeben. Auch in der Verhandlung ist er nun voll geständig und sieht ein, dass er die Finger von dem Zeug lassen sollte: „Es war mir nicht wirklich bewusst, was das für Folgen hat, das ist mir jetzt so im Nachhinein aufgegangen“, erklärt er. Aus Sicht der Jugendgerichtshilfe neigt der junge Mann dazu, viele Dinge schleifen zu lassen. Weil er oft unsicher und überfordert ist, gelingt es ihm nicht, sich von den anderen in seinem Freundeskreis abzugrenzen.

Die Anklägerin meint, die nun zu verhängende Strafe „sollte ein Stück weit spürbar sein“ und findet eine Geldbuße von 200 Euro angemessen. Ansonsten fordert sie eine Verwarnung und als Auflage vier Urinkontrollen, bei denen der Angeklagte eine drogenfreie Lebensführung dokumentieren soll. Verteidiger Küppers bittet um ein „mildes Urteil“. Auch wenn er „nicht der typische Kandidat dafür ist“, so Richterin Diesel - der 20-jährige Mann hat einen Schulabschluss und befindet sich in einer Ausbildung - wendet sie noch Jugendstrafrecht an und folgt in ihrem Urteil der Staatsanwältin und verwarnt den Angeklagten. Die 200 Euro soll er an eine gemeinnützige Einrichtung in seinem Heimatdorf zahlen. „Ich hoffe, dass wir uns weder als Jugendlicher noch als Erwachsener hier noch einmal sehen“, gibt sie dem jungen Mann, der das Urteil akzeptiert, mit auf den Weg. (WIL-)