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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 20/2019
2 - Hermeskeiler Stadtnotizen
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Mit Null Euro ein Millionenprojekt geplant

Betrugsprozess gegen Initiatoren des gescheiterten „Dorf Hochwald“

Erinnern Sie sich noch? Groß war der Katzenjammer, als die Bundeswehr nach 40 Jahren die Hochwaldkaserne verließ. Das war 2006. Einige Jahre und etliche Tränen später, nämlich im Jahr 2010, flammte in Hermeskeil Hoffnung, ja sogar eine Art „Goldgräberstimmung“ auf, als ein (heute muss man sagen: angeblicher) Investor aus der Eifel den ehemaligen Kasernenbereich in ein El Dorado für Touristen namens „Dorf Hochwald“ verwandeln wollte.

Eine Gesellschaft war schnell gegründet, ein Kaufvertrag mit dem Bund abgeschlossen und als äußeres Zeichen des Starts pflanzten der Eifeler und örtliche Politgrößen auf dem Gelände unter großem Pomp ein Bäumchen.

Der Ausgang ist bekannt: Von dem vereinbarten Kaufpreis (1,6 Mio. €) hat der Bund keinen Cent gesehen und die für die Investition eingeplanten, aber nicht vorhandenen 26 Millionen blieben aus, weil sie niemand finanzieren wollte. Im Sommer 2011 meldete man Insolvenz an. Was blieb, waren offene Rechnungen über mehr als 800.000 €, unter anderem von zwei Firmen, die mit der Planung beauftragt worden waren. Wegen Betrugs saßen die beiden Initiatoren vorige Woche im Landgericht Trier auf der Anklagebank.

Weil sie geständig waren, gab es „kurzen Prozess“: Das Verfahren gegen einen der Angeklagten wegen Beihilfe zum Betrug wurde gegen eine Geldauflage eingestellt, das Betrugsverfahren gegen den anderen wurde vermutlich vorgestern (nach Redaktionsschluss für diese RuH-Ausgabe) mit der Verurteilung zu einer Geldstrafe abgeschlossen. Vor Gericht hatten beide erklärt, sie hätten damals die Situation falsch eingeschätzt und es tue ihnen aufrichtig leid, andere geschädigt zu haben.

Zwar ist aus dem „Dorf Hochwald“ - so schön es für Hermeskeil gewesen wäre, wenn es zustandegekommen wäre - nichts geworden. Aber nachdem ein anderer Investor die ehemalige Kaserne gekauft hat, herrscht dort wieder reger Betrieb. Außer der Aufnahmeeinrichtung für Asylsuchende (AfA) haben dort zahlreiche Firmen und auch Einzelpersonen Räumlichkeiten angemietet. Unter anderem befinden sich in einem der ehemaligen Kasernengebäude auch die Arbeitsräume und das vom Kulturgeschichtlichen Verein aufgebaute Hochwald-Archiv. (WIL-)