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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 20/2026
3 - Aus den Hochwaldgemeinden
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Zuhause im Hochwald: Heute mit Matthias Klemens

Ein ganzes Leben für die Kirchenmusik

Er ist elf Jahre alt, als er zum ersten Mal in der damaligen Pfarrkirche St. Trinitatis in Bescheid am Harmonium die Messe begleitet. Matthias Klemens ist seit über 70 Jahren Organist und inzwischen nicht nur in seiner Heimatgemeinde, sondern im gesamten Pastoralen Raum unterwegs. In der Pfarrei St. Franziskus im Hochwald hat er schon in allen Kirchen außer in Malborn und Thalfang die Orgel gespielt; hin und wieder hilft er auch noch in der Pfarrei Herz Jesu im Hochwald aus.

Dass er inzwischen 84 Jahre alt ist, sieht man ihm beim besten Willen nicht an: Den großen schlanken Mann, der sich geschmeidig bewegt und meistens ein Lächeln auf den Lippen hat, schätzt man auf höchstens Mitte siebzig. Geboren ist er 1942 in Bescheid und hat großes Glück, als die Amerikaner drei Jahre später - kurz vor Kriegsende - unter Panzerbeschuss ins Dorf einrücken. Das traumatische Erlebnis, als seine „God“ nach einem Treffer im Haus mit ihm auf dem Arm und einem weißen Handtuch in der anderen Hand auf die Straße flieht, ist eine seiner frühesten Kindheitserinnerungen.

Matthias Klemens ist in einem musikalischen Haus aufgewachsen: Sein Großvater mütterlicherseits hat 20 Jahre lang den Kirchenchor geleitet. In den Kriegsjahren und danach hat seine Mutter, die auch hervorragend Geige spielte, das übernommen. „Die Proben fanden bei uns zuhause in der Küche statt und ich war als kleiner Junge immer dabei“, berichtet er. Das hat ihn wohl für sein weiteres Leben tief geprägt, denn für ihn sind Kirchenlieder „heute noch die schönsten“, wie er sagt.

Als er zehn Jahre alt ist, entdecken auch seine Eltern sein musikalisches Talent, denn sie kaufen ihm ein kleines Harmonium, auf dem er seine ersten musikalischen Versuche unternimmt. Der Dorflehrer Loewen, der in Bescheid auch die Kirchenorgel spielt, hört davon und lädt ihn zum Vorspielen ein, als seine Versetzung an einen anderen Ort ansteht. Das Lied „Gelobt sei Jesus Christus“, das der Junge auf dem großen Piano spielt, beeindruckt den Lehrer so, dass er ihn dem Kirchenvorstand als Nachfolger empfiehlt: „Der Matthias kann’s“, ist er überzeugt.

Wie Recht der Lehrer damit hat, zeigt die weitere Entwicklung: Schon 1953 begleitet Matthias ab und zu die Messe mit Pastor Klein. Und ein Jahr später, mit zwölf, wird er vom Kirchenvorstand – gegen Gotteslohn - fest angestellt und mit 30 Mark Weihnachtsgeld belohnt. Die Älteren unter uns erinnern sich: Zu jener Zeit ist am Sonntagmorgen um 7.30 Uhr noch die Frühmesse, um 9.30 Uhr folgt das Hochamt und am frühen Nachmittag noch eine Andacht. Dass es dem jugendlichen Matthias nicht immer leichtfällt, zu so vielen Gottesdiensten stets pünktlich präsent zu sein, versteht sich von selbst. Doch die Mutter duldet keine Unzuverlässigkeit und „zeigt ihm immer wieder den Weg zur Kirche und zur Orgel“, erzählt er heute schmunzelnd.

In den Jahren 1964 und 1965 – unter Pastor Schäfer – erfüllt sich für Matthias Klemens ein Traum: Die Bescheider Kirche erhält eine echte Orgel, die am 4. Adventssonntag 1965 eingeweiht wird. Das erste Lied ist „Meine Seele auf und singe“, erinnert er sich. Schon in den 1960er Jahren wird er als Organist auch auswärts, z.B. in Büdlich und in Beuren, eingesetzt. Als er in Beuren Pastor Schwarz nach der Liedauswahl fragt, hat der kurz und bündig gesagt: „Egal, spiel einfach, dass die Heide wackelt.“ Das lässt er sich nicht zweimal sagen. „Ich ging zur Orgel und konnte mein ganzes Können in Töne umsetzen und in die Tasten greifen“, weiß er noch zu erzählen. In den folgenden Jahrzehnten sieht Matthias Klemens Geistliche kommen und gehen: die Patres Hein (1967), Janssen und Anastasius (1975), die Pastöre Schuler (1987), Wilhelm (1989) und Hornschuch (bis 2000), danach Pater Lutwin aus dem Klösterchen und später noch Pastor Flach.

Besonders beeindruckt – wie zahlreiche andere Katholiken im Hochwald - hat Matthias Klemens offenbar Pater Matthias Utters vom Franziskanerkloster Hermeskeil, der in den Jahren 1974/75 unter anderem dafür sorgt, dass die Küsterin und der Organist in Bescheid vom Kirchenvorstand entlohnt werden. Noch heute hängt ein Bild dieses charismatischen Franziskaners bei ihm an der Wand. „Zu seiner Zeit wurden auch die ersten ‚neuen‘ Lieder gesungen, durch welche die Messe für jüngere Gläubige wieder attraktiv wurde“, erinnert sich Klemens.

Woran er auch gerne zurückdenkt: ein Ausflug der Ehrenamtlichen mit Pastor Hornschuch nach Cochem (1990) mit Orgelspiel, Wein und Gesang, und eine Pilgerreise nach Rom (2006) mit Audienz bei Papst Benedikt auf dem Petersplatz und Orgelbegleitung bei einer Vesper in der Hauskapelle der Unterkunft. „Ich durfte in Rom Orgel spielen!“, verkündet er heute noch stolz.

Auch mit 84 Jahren hat seine Begeisterung für das Orgelspiel nicht nachgelassen – ganz im Gegenteil. Mit Dekan Christian Heinz macht es ihm noch mehr Spaß. „Er bringt so viele neue Ideen in den Gottesdienst ein und nimmt die Leute mit“, sagt Matthias Klemens. Das motiviere ihn als Organist sehr und er freue sich jedes Mal, wenn er etwas dazu beitragen könne: „Dann ist für mich der Tag gerettet!“ Auf die Frage, wie lange er noch die Orgel spielen will, hat er klare Antworten: Er wolle gerne für die netten und freundlichen Menschen im Hochwald noch viele Lieder im Gottesdienst spielen. Übers Aufhören habe er noch nicht nachgedacht: „Das kann ich nicht sagen. Das weiß nur der liebe Gott.“

Auch in anderen Bereichen der Musik ist er seit Jahrzehnten unterwegs gewesen: zum Beispiel mit dem Akkordeon auf Hochzeitsfeiern und seit mehr als 60 Jahren mit der Trompete im örtlichen Musikverein. Vor zwei Jahren hat Matthias Klemens, der „im Zivilberuf“ 42 Jahre lang als Fernmeldetechniker tätig war, sein 70-jähriges Dienstjubiläum als Organist gefeiert – eine Lebensleistung, die ihm vermutlich niemand jemals nachmachen wird. (WIL-)