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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 20/2026
3 - Aus den Hochwaldgemeinden
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Bewegendes Gedenken in Hinzert

Gepackte Koffer, starre Blicke: Das junge Ensemble bringt die Angst und Ungewissheit der Deportationen eindrucksvoll auf die Bühne.

 

„Wir sind ganz junge Bäumchen“ berührt Publikum zutiefst

Am Tag der Befreiung, dem 9. Mai, wurde die Gedenkstätte Hinzert zum eindringlichen Ort lebendiger Erinnerung: Gleich zweimal führte ein deutsch-französisches Jugendensemble das Theaterstück „Wir sind ganz junge Bäumchen“ auf – und hinterließ ein tief bewegtes Publikum.

Bereits zu Beginn machte Sabine Arend, Leiterin der Gedenkstätte, in ihrer Begrüßung die historische Dimension des Tages deutlich. Sie erinnerte an die nationalsozialistischen Pogrome vom November 1938 und spannte den Bogen zur Deportation von rund 6.500 Jüdinnen und Juden aus dem Südwesten Deutschlands in das Internierungslager Gurs im Oktober 1940. Zugleich verwies sie auf die anhaltende Verantwortung der Erinnerungskultur – gerade vor dem Hintergrund eines wieder erstarkenden Antisemitismus. Es sei ermutigend, so Arend, dass junge Menschen aus verschiedenen Ländern gemeinsam ein Zeichen gegen das Vergessen setzten.

Länderübergreifendes Projekt

Das Theaterprojekt, initiiert vom länderübergreifenden Kuratorium „Gedenken an die nach Frankreich deportierten Juden aus Baden und der ehemaligen Saarpfalz“, bringt Schülerinnen und Schüler aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Baden-Württemberg und Frankreich zusammen. Unter der Leitung von Paul Barone entwickelte die Junge Theaterakademie Offenburg gemeinsam mit den Jugendlichen eine Inszenierung, die auf historischen Recherchen und individuellen Biografien basiert.

Szenen der Deportation

Kaum verklangen die letzten Worte der Begrüßung, riss das Stück das Publikum mitten hinein in die Geschehnisse: Militärische Kommandos durchbrachen die Stille, „Ihr habt eine Stunde zum Packen“ – eine Szene, die sich wie ein Schock in den Raum legte. Koffer, persönliche Gegenstände und fragmentarische Erinnerungen bestimmten das minimalistische Bühnenbild. In eindringlichen Einzelszenen erzählten die jungen Darsteller von Abschied, Angst und Entrechtung.

Individuelle Schicksale

Besonders eindrucksvoll war die Darstellung individueller Biografien. Jeder der rund 30 Mitwirkenden hatte sich im Vorfeld mit einer realen Person auseinandergesetzt – symbolisiert durch Gegenstände wie eine Geige, ein Hut oder ein Notizheft. So entstand ein vielschichtiges Mosaik aus Geschichten: von der Modistin, der angehenden Musikerin, dem Kind mit seinem Teddy. Szenen des Packens wechselten sich mit Momenten des Lageralltags ab – Menschen, die sich die Haare kämmten, Zähne putzten, musizierten oder versuchten, ein Stück Normalität zu bewahren.

Kunst im Lager

Das Lager Gurs, am Fuße der Pyrenäen gelegen, wurde dabei als Ort des Leidens, aber auch der Menschlichkeit sichtbar. Über 8.000 Menschen lebten dort zeitweise unter katastrophalen Bedingungen, viele starben. Und doch entstand selbst dort Kunst: Musik, Theater, Zeichnungen. Zentraler Bestandteil der Inszenierung war das Lied „Wir sind ganz junge Bäumchen“, das 1941 im Lager entstand. Die chorisch vorgetragenen Gesangspassagen, getragen von der eigens komponierten Musik Leonard Küßners, sorgten für Gänsehautmomente im Publikum.

Reduzierte, eindringliche Inszenierung

Die Inszenierung verzichtete bewusst auf explizite Gewaltdarstellung und setzte stattdessen auf starke Bilder, reduzierte Sprache und eindringliche Tableaus. Deutsche und französische Texte wechselten sich ab, verdichteten sich zu einem emotionalen Gesamtbild. Die Zuschauer wurden so nicht nur Zeugen historischer Ereignisse, sondern erlebten diese aus der Perspektive der Betroffenen.

Austausch und Wirkung

Im Anschluss an die rund 45-minütige Aufführung hatten die Besucher Gelegenheit zum Austausch mit den jungen Darstellerinnen und Darstellern. Viele berichteten, wie prägend die intensive Auseinandersetzung mit den Biografien gewesen sei – verstärkt durch eine Führung durch die Gedenkstätte am selben Tag. 

Das Publikum reagierte mit langanhaltendem Applaus – und spürbarer Ergriffenheit. „Man muss erst einmal Luft holen“, war mehrfach zu hören. Umso bedauerlicher erschien es, dass bei der ersten Vorstellung am Mittag nicht alle Plätze besetzt waren – denn diese Aufführung war mehr als Theater: Sie war eindrucksvolle Erinnerungsarbeit, getragen von einem erstklassigen Ensemble, das Geschichte greifbar machte. (LeWe)