Titel Logo
Rund um Hermeskeil
Ausgabe 24/2018
1 - Titelseite
Zurück zur vorigeren Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe
-

Fluglärm statt Windenergie in Grimburg

Dunkle Wolken ziehen auf

Saarländischer Windradbau auf Kosten des Landesnachbarn

Am vergangenen Donnerstag sorgten in Grimburg die Lärmbelästigung und der Schattenwurf der Windräder, die von den saarländischen Nachbarn mit 800m zu nah an den Ort gebaut wurden, für hitzige Diskussionen in der Sitzung des Gemeinderates. Die Anwohner der Neustraße, die zum großen Teil der Sitzung beiwohnten, sprechen vom Lärmpegel wie auf einem Flughafen. Gemeinsam mit den Anwohnern will der Ortsrat weiter dagegen vorgehen und jetzt gerichtliche Schritte einleiten.

Zu Beginn der Sitzung wurde der Beauftragte der VG Hermeskeil Hartmut Heck erfreut von Bürgermeister Weber begrüßt. Heck, der nach eigenen Angaben gerne die Gemeinderatssitzungen als Antrittsbesuch nutze, erklärte sich mit dem Satz: „Die Verwaltung soll die Schreibstube der Ortsgemeinden sein!“

Informationen

Nach Mitteilung Webers schreiten die Maßnahmen im zweiten Sanierungsgebiet Grimburg voran. Er machte darauf aufmerksam, dass sich der Plan, der in Rund um Hermeskeil veröffentlicht wurde, durchaus noch ändern könne. Es seien noch nicht abschließend alle Abgrenzungsfragen geklärt.

Mit Breitbandverkabelung und Digitalisierung könne Grimburg noch in diesem Jahr rechnen, wenn der Bewilligungsbescheid für den Bundeszuschuss endlich vorläge. Der Grimburger Hof wird durch seine Außenlage direkt an die Leitung angeschlossen. Den Häusern an der Verlegestrecke bietet Innogy diese Möglichkeit - nach Rücksprache - ebenso an.

In vergangenen Wochen wurden private Häuser und das Bürgerhaus von zwei jungen Männern aus der sozialen Einrichtung „Haus Jägerhof“ durch Graffiti beschmiert. Da die Männer nicht in der Lage sind, die Kosten einer Schadensregulierung zu tragen und die Einrichtung ebenfalls die Haftung für den Vorfall ablehnt, beschließt der Gemeinderat im Falle des Bürgerhauses in Vorlage zu treten. Die Eigentümer der privaten Häuser müssen den Schaden selbst regulieren. Die Gemeinde wird hierzu eine Fachfirma beauftragen und anschließend die Möglichkeit geben durch gemeinnützige Arbeit die Vorleistungen abzuarbeiten.

Windkraftpolitik Saarland

Im Gegenzug zu der Gemeinde Grimburg, die es selbst noch nicht geschafft hat eine Ausnahme vom Tötungsverbot der Mopsfledermaus zu erhalten und ihr Windkraftvorhaben auf der Gemarkung Grenderich umzusetzen, sind die saarländischen Nachbarn erheblich weiter. Die Nachbarbehörden haben die Befreiung nach Vorlage eines Artenschutzgutachtens gegeben, welches besagt, dass die Tiere nicht durch die Rotoren der Windkraftanlagen gefährdet seien. Ortsbürgermeister Weber ist sichtlich verärgert: „Obwohl Landrat Schartz mehrfach darauf angesprochen wurde, hat er uns die Genehmigung nicht erteilt, sondern es ignoriert.“ Zu dem Ärger, dass man selber immer noch kein WKAs bauen darf, muss zusätzlich noch das ignorante Verhalten der Landesnachbarn verkraftet werden. Trotz zweimaligen Eingaben der VG-Hermeskeil, die einen Mindestabstand von 1000 m für den Ort Grimburg und 1500 von der Burg selbst vorsah, steht eine Anlage nur 800m vom Ort weg. Der Einwand wurde mit Berufung auf Planungshoheit im Rat der Stadt Wadern schlichtweg abgelehnt. Jetzt müssen die Bewohner der Neustraße in Grimburg unter dem Lärm und dem Schattenwurf der Rotationsräder leiden.

Planung mit neuer Vorsicht

Dies ruft nun Widerstand und Vorsicht bei den Bauvorhaben von weiteren WKAs um Grimburg hervor. In der Nachbargemeinde Sitzerath steigen nämlich Räder empor, die ebenfalls den im Landesentwicklungsplan vorgesehenen Abstand von 1200 m nicht einhalten. Da deren Erbauer aber derselbe ist wie bei den geplanten Grimburger Anlagen, wurden als Sachverständige noch einmal Herr Wiemann und Frau Eckel von der Firma Geres geladen. Sie berieten den Ortsrat zum einen in Sachen Beauftragung eines Gegengutachtens bei der Frage der Lärmemission der WKAs; zum anderen informierten sie über ihre eigenen Anlagen im Bezug auf Lärm, Abstand und Schattenwurf. Dass die getriebelosen WKAs von Enercon beispielsweise insgesamt leiser sind und einen Null-Wurf Schatten machen, konnte die Gemüter der Zuhörer und des Rats zwar etwas beruhigen, aber man entschied sich bei der Diskussion um die Abstandsfrage zu einem weiteren öffentlichen Informationsabend mit der Firma Geres.

Neustraße: „Lärm wie auf Ramstein“

Um in der untragbaren Lärmbelästigung der Einwohner der Neustraße voranzuschreiten, will Grimburg ein eigenes Gutachten in Auftrag geben. Das errechnete Gutachten der VSE ermittelte zwar, dass in der Neustraße die Grenzwerte von 37,2 dB (A) tags und 40 dB (A) nachts nicht überschritten seien, maßgeblich sei aber nach einem Jahr Inbetriebnahme ein empirisches Gutachten. Dies müsse von Seiten der VSE schon erstellt sein und wurde von Bürgermeister Weber bereits angefordert. Allerdings nach den Lärmerfahrungen mit den VSE-Anlagen und der mangelnden Einsicht des Betreibers ist die Sorge, dass das Gutachten mit falschen Messzeiten manipuliert werde groß. Daher wurde beschlossen den Sachverständigen für Immissionsschutz „Uppenkam und Partner“ einzuladen und gegebenenfalls ein eigenes Gutachten in Auftrag zu geben. Ebenso versucht die Ortsgemeinde den Bebauungsplan von 1964 durchzusetzen, der besagt, dass die Neustraße ein reines Wohngebiet ist. Damit wären die Grenzwerte bei Lärm erheblich geringer, lägen tagsüber nur bei 35 dB (A).

Der Widerspruch, den die Ortsgemeinde bereits beim Umweltministerium eingelegt hatte, wurde zurückgewiesen. Die Begründung sehe das Ministerium in der Verstreichung der Vierwochenfrist nach Veröffentlichung des Bauvorhabens und darin, dass die Anwohner selber den Widerspruch hätten einreichen müssen. Dies will OBM Weber so nicht stehen lassen. Für ihn gilt die Jahresfrist des Widerspruches, da er den Aufsteller in der Bringschuld der Bekanntmachung sieht: „Der Betreiber hätte in den regionalen Blättern veröffentlichen müssen.“ Der Gemeinderat beschließt hier weiter dran zu bleiben und den Rechtsweg vor dem Verwaltungsgericht zu beschreiten. Dazu wird zusätzlich ein Anlieger der Neustraße gebeten Widerspruch mit Unterstützung von Weber einzulegen. Außerdem sucht man Hilfe von der SGD- Nord in dieser Sache.

Weiter Beschlüsse

Als Schöffe wurde Heinz Bohnerts einstimmig benannt. - Der „Rentnerband“ wurde ein Zuschuss von 1500 Euro zur Dachsanierung Grillhütte gewährt. - Die Kirmes Grimburg erhält 1000 Euro Zuschuss. (Subi)