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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 24/2018
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Waldleidenschaft

Ein Reh, auf neu angelegter Äsungsfläche

Jagd

In Wiese, Feld und Wald weist die nicht geringe Zahl der landläufig als „Jägersitze“ bezeichneten Hochsitze auf eine Leidenschaft hin, die in der Öffentlichkeit aufgrund des Waffenbesitzes und der Tötung von Wildtieren weniger auf Verständnis stößt: Die Jagd. Dabei ist ihr Beitrag zur Forst- und Landwirtschaft enorm wichtig.

Die Jagd, egal ob staatlich oder privat, ist das wichtigste Instrument einen artenreichen und gesunden Wildbestand in einem ausgewogenen Verhältnis zu erhalten. Eine notwendige Wildregulation, damit Wildschäden und eine Ausbreitung von Tierseuchen verhindert werden. „Wildschäden verursachen enorme Kosten im Forst“, weiß die Forstwirtin und Jägerin Sandra Sasse. Sie spricht dabei schon von einer Wildschadensproblematik: „Die Wildbestände nehmen in unserer Region zu, da der naturnahe Waldbau mit Naturverjüngung die Lebensbedingungen des Reh- und Rotwild verbessert, aber die Jagdbedingungen verschlechtert. Die Schälschäden an den Nadelbäumen sind häufig markant. Daher ist zum Erhalt der Vielfalt an Baumarten und zum Schutz der jungen Pflanzen und Triebe eine konsequente Jagd erforderlich.“ Nicht anders ergeht es den Landwirten mit dem zunehmenden Wildschweinbestand - dem sogenannten „Schwarzwild“. Zumal der natürliche Feind, wie der Wolf oder Luchs, in touristisch und wirtschaftlich erschlossenen Kulturlandschaften keine Alternative bietet. In einer forstbehördlichen Stellungnahme werden daher die Wildschäden zusammengefasst und je nach Ergebnis die Abschusshöhe, die in jedem Jahr von den Jägern und Jägerinnen zu leisten ist, festgelegt.

Die Hege des Reviers

Wer im Sommer jagdlich erfolgreich sein will und diese in Verantwortung gegenüber Tier und Umwelt ausübt, muss im Frühjahr einer disziplinierten Hege nachgehen. Liegen z.B. Wiesen im Revier - insbesondere solche die spät gemäht werden - ist an Maßnahmen der „Kitzrettung“ zu denken. Des Weiteren muss der Jäger oder die Jägerin in Erfahrung bringen, wo sich das Wild wann aufhält und mit einer Karte eine Strukturierung des Jagdbereichs schaffen. So kommen Sichtbeobachtungen, wie Wildkameras zum Einsatz und wichtig ist eine gute Kommunikation mit allen Interessensgruppen, um einen aktuellen Ist-Zustand des Reviers über das Wild zu bekommen und Konflikte zu vermeiden. Im Hinblick auf Wildtiere unterscheiden sich nämlich oftmals die Interessen von Verpächtern, der Land- und Forstwirtschaft, des Straßenverkehrs, des Naturschutzes, und der Erholungssuchenden. Die Hochsitze sollten rechtzeitig freigeschnitten, gewartet, neue errichtet und alte abgebaut werden. Ebenso bedarf eine sorgsame Hege des Wildbestandes einer guten und langfristigen Planung, die fünf bis zehn Jahre umfassen sollte, denn ein Revier lebt von Veränderungen. Dabei stellt sich nicht nur die Frage, wo kann Wild bejagt, sondern wo kann ihm geholfen werden? Braucht es Bruthilfe, Fütterung, Wildacker, Lichtungen oder gar Baumaufforstungen? Es wird deutlich, dass zur Jagd, neben dem Umgang mit der Büchse zuvor noch viel Wissen über Tier- und Naturschutz, Tierarten, Land und Waldbau und den daraus resultierenden Gesetzmäßigkeiten u.v.m. gehört. Nicht umsonst wird der Jagdschein das grüne Abitur genannt.

Naturerleben und Facettenreichtum

Bis ein Schuss fällt ist eben viel Vorbereitung und Geduld notwendig. Und trotz Ansitzzeiten von mehreren Stunden führen diese nicht immer zum Erfolg. Einen „schussreifen“ Bock vor die Büchse zu bekommen und diesen zu erlegen ist schon ein besonderes Erlebnis und wird dann gerne kameradschaftlich gefeiert. Doch nicht allein der Abschuss, sondern gerade das Facettenreiche rund um die Jagd und die Nähe zur Natur macht sie zunehmend attraktiver. So zeigen es die ansteigenden Zahlen der Jäger und insbesondere der Jägerinnen im Landesjagdverband Rheinland-Pfalz, der immerhin 86% aller Jagdscheinbesitzer vereint. Im Verband Kreis Trier-Saarburg jagen zur Zeit rund 1100 Mitglieder.

Thomas Lichtmess, der Leiter des Hegerings Hochwald gibt an, dass sich alle Berufs- und Altersklassen sich zum Jagdschein anmelden. „Die Begegnung mit Mitjägern und die Ruhe beim Ansitz in der Natur sind die größte Motivation. Gerade in einer Stress-Gesellschaft die sich immer mehr vom Umgang mit der Natur entfernt. „Stress und Jagd vertragen sich nicht.“ gibt der erfahrene Waidmann an. Sein Hobby in der Jagd ist das Führen von Jagdhunden. „Es gehören so viele Bereiche mit zur Jagd, die sich miteinander verzahnen und man kann es noch im höheren Alter ausüben“, schwärmt Lichtmess. Sicherlich ist auch ein Stück selbst erjagtes Biowild aus heimischen Wäldern nicht der letzte Grund, vernimmt man die amtierende rheinland-pfälzische Jagdkönigin.

Hohes Maß an Verantwortung

Doch es gilt nicht zu vergessen: es wird scharf geschossen und gerade große Jagdeinsätze verlangen ein umfassendes Sicherheitsdenken. Ebenso bleiben „die im Begriff der Waidgerechtigkeit verankerten Grundsätze der Fairness gegenüber den Wildtieren bei der Jagdausübung und die Einhaltung der Grundsätze des Tierschutzes“ nicht verhandelbar. Dies gilt insbesondere, wenn - wie zur Zeit – durch die Bedrohung der Wildschweinseuche ASP hohe Abschusszahlen von den Jägern und Jägerinnen gefordert werden, die eventuell so nicht zu leisten sind. Gerade hier zeigt sich das hohe Maß an Verantwortung neben dem finanziellen Aufwand, welcher dieser oftmals nur in der Freizeit ausgeführten Leidenschaft zukommt. Eine Leidenschaft, immer im Bewusstsein der eigenen Grenzen und im Einklang mit Tier, Natur und Mensch. (Subi)