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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 24/2018
2 - Hermeskeiler Stadtnotizen
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"Aus so einem Quatsch muss man auch lernen"

An Selbstbewusstsein mangelt es dem jungen Mann auf der Anklagebank nicht. Das sieht man ihm an, wie er da sitzt, mit auffälligem Ohrschmuck verziert und einer kurzen Hose bekleidet – ein deutlicher Kontrast zu Richterin, Staatsanwältin und Protokollführer in ihren Roben. Früher hätte er so gar nicht vor Gericht erscheinen brauchen, aber die Zeiten haben sich geändert. Angeklagt ist er, weil er eine Straftat vorgetäuscht haben soll. Er will zu einem Festival und hat über das Internet ein Ticket für einen Shuttle-Bus gebucht. Ein paar Wochen später überlegt er sich das anders, weil er wohl mit Freunden fahren kann, und storniert die Buchung. Kurz darauf erhält er von dem Busunternehmen eine Rechnung über die Stornokosten. Die Idee, die er - so die Staatsanwaltschaft – dann hat, um diese Kosten zu vermeiden, ist aber nicht nur ungewöhnlich, sondern strafbar: Er geht zur Polizei und zeigt den Unternehmer wegen Betrugs an, weil er – so behauptet er – das Ticket überhaupt nicht gebucht hat und von dem Unternehmer abgezockt werden soll. Dabei bleibt er nun auch vor Gericht und vermutet, dass sich ja jemand in seinen Computer eingehackt und auf seinen Namen gebucht haben könnte.

Aber damit kommt er nicht weit. "Lebensfremd" nennt die Staatsanwältin die Aussage des Angeklagten. Sie hat keinen Zweifel daran, dass er das war, zumal der ermittelnde Kripobeamte als Zeuge ausgesagt hat, dass die Buchungsseite des Unternehmens klar strukturiert und gut verständlich aufgebaut und der junge Mann nicht dumm ist. Er hat Fachabitur und eine klare Orientierung, was er werden will, so die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe, die unter anderem deswegen auch keinen Grund für die Anwendung des Jugendstrafrechts bei dem zur Tatzeit 20-Jährigen sieht.

Auch Amtsgerichtsdirektorin Corinna Diesel ist in ihrer Urteilsbegründung davon überzeugt, dass sich der Sachverhalt so wie in der Anklage geschildert abgespielt hat. Die Idee des Angeklagten, jemand anderes hätte auf seinen Namen gebucht, sieht sie widerlegt: "Wenn sich jemand in sein System eingehackt hätte, hätte er das schon damals bei der Polizei gesagt und nicht erst heute", stellt sie fest. Sie habe ihm "mehrere Brücken gebaut", aber darauf sei der junge Mann nicht eingegangen. Zu seinen Gunsten wertet sie, dass er nicht vorbestraft ist und dass die Tat kein hohes kriminelles Niveau aufweist. "Aber es ist eine Straftat", fügt sie hinzu und verhängt wie von der Staatsanwältin gefordert eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 10 Euro, denn "aus so einem Quatsch muss man auch lernen".

Der Lerneffekt tritt bei dem jungen Angeklagten offensichtlich unmittelbar ein, denn er akzeptiert das Urteil, das damit rechtskräftig ist.

(WIL-)