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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 24/2019
3 - Aus den Hochwaldgemeinden
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„Wir sprechen alle ein wenig keltisch ....“

Prof. Dr. Jürgen Zeidler sprach über keltische Orts- und Flussnamen bei seinem Vortrag im Oettinger Schlösschen in Wadern.

Auf den Spuren keltischer Orts- und Gewässernamen im Hochwald – Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Zeidler, Uni Trier

Am vergangenen Donnerstagabend fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe Treffpunkt Heimat im Oettinger Schlösschen in Wadern ein Vortrag über keltische Orts- und Gewässernamen statt. Hierzu konnte Jörg Müller, 1. Vorsitzender des Vereins für Heimatkunde zahlreiche Interessierte begrüßen. Nach einer kurzen Einführung von Müller in die Thematik übergab er dem Referenten das Wort.

„Wir sprechen alle ein wenig keltisch, es ist uns nur nicht so bewusst“, so Prof. Dr. Jürgen Zeidler zu Beginn seines Vortrages über Vorrömische Wörter, Orts- und Gewässernamen in der Region. Wir finden das keltische in der Alltagssprache und auch besonders in vielen regionalen Dialekten. Die Kelten sind uns nicht nur durch reiche archäologische Zeugnisse gegenwärtig, wie die bekannten Fürstengräber von Weißkirchen, der Neufund eines Gräberfeldes bei Bierfeld, die rekonstruierten gallorömischen Grabhügel von Wadern-Oberlöstern, und nicht zuletzt das nahegelegene Oppidum „Hunnenring“ oder besser Ringwall bei Otzenhausen zeigen: Keltisches Erbe tritt uns auch tagtäglich in unserer Sprache entgegen. Vor allem in der Dialektsprache. So ist das Moselromanische eine lokale romanische Sprache, seit dem 5. Jahrhundert, möglicherweise könnte das Moselromanische auf eine Moselgallische Sprache zurückgehen. Neben Wörtern der Hochsprache wie „Amt“, „Reich“, „Budget“ und „Karre“ geht eine Reihe von Dialektwörtern auf keltischen Ursprung zurück, vor allem regionale Bezeichnungen wie „Olk“ und „Lei“. Das Wort Reich heißt althochdeutsch (ahd) – rihi, mittelhochdeutsch (mhd) – riche, gallisch „rig“ (rix) = König. Budget - altfranzösisch bouge, gallisch bulga = Lederbeutel. Das Wort Lei bedeutet – Schiefer, Fels.

Deutung von Stadtteil-, Orts- und Flussnamen

Von zwölf Stadtteilnamen aus Trier sind neun keltischen Ursprungs. Prof. Zeidler nannte verschiedene Beispiele. So bedeutet Quint – Wiese, Feyen – Vinda = weißer klarer Bach, Irsch - Ivasko = Eibenwald, Ruwer – Ruvera = Graben, Zewen – Cebenna, keltisch „Bergrücken“. Wadern – Waderella, das kleine Wasser, Wässerchen, Hermeskeil: Callida, Kaleto, Hermannskelledo (Hermanni-Cellede - Quelle des Hermann) und Kell, Kaleto = hart, stark, gallisch – Caleti, galloromanisch Kalio, keltisch Kalli = Wald, Hain. Vieles spricht dafür, dass diese Wörter keltische Rodungsnamen waren.

Weiter ging Prof. Dr. Zeidler auf Flussnamen ein. Mosel, die kleine Schwester der Maas. Mosella ist daher eine Verkleinerungsform von Mosa, dem Namen der Maas, franz. Meuse, einem Fluss im östlichen Frankreich, der Belgien und die südliche Niederlande durchfließt, Maas – indogermanisch – sich schnell bewegender Fluss. Ruwer – Rowora = Graben, Saar – Sawara. Saravus - indogermanisch Sar-ah = roter Fluss, Prims - keltisch Primantia = tosend oder sausendes, surrendes Wasser. Lösterbach – indogermanisch: schmutziger Bach. Nachdem Vortrag konnte Prof. Dr. Zeidler noch manche Fragen der Anwesenden beantworten, wobei einige Begriffe noch nicht eindeutig geklärt werden konnten. Bei einigen Deutungen ist sich die Forschung noch nicht im klaren und ist auf Spekulationen angewiesen.

Prof. Dr. Jürgen Zeidler leitet seit 2006 das „Forum Celtic Studies“ an der Universität Trier. Dort lehrt er in den Fächern Klassische Philologie, Geschichte und Ägyptologie u.a. Themen der Indogermanistik und keltischer Sprachen und Kulturen. Mit „Treffpunkt Heimat“ hat der Verein für Heimatkunde Wadern eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, in der geschichtliche und kulturelle Themen rund um Wadern, der Region und dem Hochwaldraum im Mittelpunkt stehen. „Treffpunkt Heimat“ möchte mit seinen Vorträgen auch ein Forum zum Austausch kulturell und geschichtlich interessierter Personen sein. (HGR)