Eigentlich sollte der Fronleichnamsgottesdienst in diesem Jahr unter freiem Himmel auf dem neuen Donatusplatz stattfinden. Doch die ungünstige Wetterprognose machte den Organisatoren kurzfristig einen Strich durch die Rechnung. Kurzerhand wurde umdisponiert: Gottesdienst und Prozession fanden größtenteils in der Martinuskirche statt – und entwickelten dort ihren ganz eigenen besonderen Charakter.
In der Kirche wurden an den verschiedenen Eingängen Altäre aufgebaut und sorgten für eine feierliche Atmosphäre. Ein besonderer Blickfang war der aufwendig gestaltete Blumenteppich am Altar. Eva Lehnen, Nicole Clemens sowie zahlreiche Helferinnen und Helfer arbeiteten bis in den späten Mittwochabend an der Gestaltung. Dass es seit langer Zeit keinen Blumenteppich mehr gegeben hatte, machte diese Tradition in diesem Jahr zu etwas ganz Besonderem.
Inhaltlich stand der Gottesdienst unter dem Leitgedanken des Erinnerns und Vertrauens. Die Lesung aus dem Buch Deuteronomium griff die Erfahrung des Volkes Israel auf, das nach Jahren der Entbehrung daran erinnert wird, Gottes Begleitung nicht zu vergessen. Die Botschaft: Nicht nur vom materiellen Brot lebt der Mensch, sondern auch von Hoffnung, Vertrauen und Gottes Wort.
Dechant Christian Heinz griff diesen Gedanken in seiner Predigt auf – mit einer persönlichen und zugleich humorvollen Geschichte. Zum Geburtstag habe er einen „Schlüsseltracker“ geschenkt bekommen, den er auch direkt vorführte: Plötzlich piepste es in der Kirche und sorgte für allgemeine Erheiterung. Das Geschenk habe er erhalten, weil er selbst häufiger Dinge suche oder verlege. Doch hinter dem augenzwinkernden Einstieg stand eine ernste Botschaft: Menschen vergessen im Alltag vieles – manchmal auch das Wesentliche.
Der Dechant schlug den Bogen zum Fronleichnamsfest: Wie das Volk Israel erinnert wurde, Gott nicht zu vergessen, so sei Fronleichnam ein Fest des Erinnerns an die bleibende Gegenwart Jesu. Mit den Einsetzungsworten „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ habe Jesus bewusst Essen und Trinken gewählt, um Gemeinschaft und Erinnerung lebendig zu halten. Gerade in einer Zeit, in der oft das Negative im Vordergrund stehe, gelte es, das Gute und Schöne nicht aus dem Blick zu verlieren.
Dass es dafür Anlass gibt, zeigte auch der Blick auf das Leben der Pfarrei: In diesem Jahr wurden bereits 35 neue Messdienerinnen und Messdiener aufgenommen. Zudem gab es schon jetzt mehr Taufen als in den vergangenen drei Jahren zusammen – Zeichen einer lebendigen Gemeinschaft und neuer Zuversicht.
Musikalisch wurde die Feier von der Stadtkapelle Hermeskeil in starker Besetzung sowie den Chören der Pfarrei unter Leitung von Rafael Klar begleitet und festlich umrahmt.
Und am Ende zeigte sich auch das Wetter versöhnlich: Zum Schlusssegen klarte es auf, sodass die Gemeinde doch noch gemeinsam zum Seniorenzentrum St. Klara ziehen konnte. (LeWe)