Vlnr: Johannes Lauer, Renata Perto de Oliviera, Bürgermeister Hugo Hammes, Dittmar Lauer und Marcio Jose´ Haubrich
Der siebentägige Aufenthalt des Vorsitzenden des Kulturgeschichtlichen Vereins Hochwald in der brasilianischen Kaiserstadt Petrópolis kann als sehr erfolgreich bezeichnet werden. Dittmar Lauer – in Begleitung seines Sohnes Johannes – und sein brasilianischer Partner Marcio José Haubrich, Vorsitzender des Clube 29. Junho, betonten die enge Zusammenarbeit in der Migrations- und Familienforschung.
Neben intensiver und erfolgreicher Forschungsarbeit im Instituto Teológico Franciscano, dem Arquivo Communidade Luterana und dem Arquivo Historico e Biblioteca standen mehrere Treffen mit Nachfahren deutscher Einwanderer auf dem Programm, so etwa in der Choperia Gehren, einem von der Geisfelder Auswandererfamilie Gehren gegründetes Bistro. Beim Besuch bei der Familie Mayworm im Stadtquartier Bingen, eng verwandt mit den Auswandererfamilien Noel (Reinsfeld und Neuhütten), Kronenberger (Züsch) und Gorges (Geisfeld), zeigte man stolz das noch im ursprünglichen Zustand befindliche erste Siedlerhaus, umgeben von einem urwaldähnlichen früchtetragenden Baumbestand (Kaffeebohnen, Avocados, Bananen, Zitronen, Limonen).
Ein Höhepunkt im Besuchsprogramm war das Treffen mit Bürgermeister Hingo Hammes und seinem Secretário de Turismu Nei Carvalho. Die Vorfahren von Hingo Hammes stammen – nachweislich der genealogischen Nachforschungen unseres Archivgenealogen Karl-Heinz Kaub – aus Morshausen, Beulich (heute Verbandsgemeinde Emmelshausen) und Burgen an der Untermosel. Der älteste Vorfahre von Hingo Hammes kam ein Jahr nach dem Westfälischen Friedensschluss im Jahr 1648 zur Welt. Der Bürgermeister der 300.000 Einwohner zählenden Stadt Petrópolis und sein Tourismussekretär zeigten sich sehr angetan von dem Gedanken, die beiden Kaiserstädte Trier und Petrópolis näherzubringen. Dabei spielt die Tatsache eine wichtige Rolle, dass Petrópolis vorwiegend von deutschen Einwanderern aus dem heutigen Rheinland-Pfalz, unter anderem auch aus dem Trierer Land und speziell auch aus dem Hochwald (Verbandsgemeinden Hermeskeil und Thalfang), aufgebaut wurde – nach dem Motto: Die Römische Kaiserstadt Trier und die Brasilianische Kaiserstadt Petrópolis.
Auf dem Programm standen auch Besuche in der von dem aus Deuselbach stammenden Carlos Kling im Jahr 1863 erbauten lutherischen Kirche und der von Carlos Kling und seinen Söhnen Felipe und Guihelmo erbauten und im Jahre 1877 eingeweihten katholischen Herz-Jesu-Kirche. Mit dem Bau der Igreja Sagrado Coração de Jesu ganz eng verbunden ist der im Jahr 1836 als Sohn eines Trierer Gerichtsvollziehers geborene und im Jahr 1859 in der Hohen Domkirche zu Trier zum Priester geweihte Theodor Esch, im Jahr 1864 zum Pfarrer der Hochwaldgemeinde Hentern als Nachfolger seines dort verstorbenen Bruders Johann Baptist Esch berufen und im Jahr 1872 nach Brasilien ausgewandert. Auf der Suche nach einem geeigneten Pfarrer für die katholische Gemeinde Petrópolis fiel die Wahl auf Theodor Esch, der sich sehr energisch für den Neubau der oben erwähnten Herz-Jesu-Kirche einsetzte. Als Pfarrer Theodor Esch im Jahr 1888 nach Deutschland zurückkehrte, bat man bei der Sächsischen Ordensprovinz der deutschen Franziskaner um Entsendung von Franziskaner-Patres für die Seelsorge der rund 4000 deutschen Katholiken in der Herz-Jesu-Gemeinde in Petrópolis. Damit begann das segensreiche Wirken der Franziskaner in der Kaiserstadt. Über Umfang und Aktivitäten der kirchlichen Einrichtungen informierte bei einem Rundgang Franziskanerpater Volney Berkenbrock: Kirche, Konvent mit 40 Franziskanern, Schulen, Druckerei und der Verlag Editora Vozes, eine der größten und modernsten Einrichtungen in Brasilien.
In der auf einer Bergkuppe gelegenen Kapelle Nossa Senhora Auxiliadora – einer Filiale der Herz-Jesu-Kirche – zelebrierte Pater Volney Berkenbrock eine von vielen deutschstämmigen Petrópolitanern besuchte heilige Messe –zu Ehren der deutschen Besucher. Dittmar Lauer hielt nach der Messe eine Ansprache, bei der er auf die besonderen Beziehungen von Petrópolis zum Trierer Land einging.
Krönender Programmabschluss war der Festabend im Vereinshaus des Clube 29. Junho, an dem auch eine 15-köpfige Besuchergruppe aus dem Bundesstaat Rio Grande do Sul teilnahm unter Leitung von Felipe Braun Kuhn, der schon öfters in Klüsserath – Klüsserath unterhält eine Partnerschaft mit dem südbrasilianischen Ort Winterschneis – weilte. Im Rahmen dieses Festabends überreichte Dittmar Lauer Grußworte von Verbandsbürgermeister Stefan Ding und Dekan Christian Heinz und stellte das Heft 1 der Reihe „Deutsch-Brasilianische Texte“ vor (siehe den Bericht in Rund um Hermeskeil Nr.21 vom 21. Mai 2026).