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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 25/2026
3 - Aus den Hochwaldgemeinden
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Der Hochwald im WM-Fieber

Meinungen zu Trends, Taktiken und Titelträumen

Schon bevor in Kanada, den USA und Mexiko der Anpfiff zur Fußball-Weltmeisterschaft ertönte, wuchs auch im Hochwald die Vorfreude auf das größte Fußballfest der Welt. Doch wer hat am Ende die besten Chancen auf den Titel? Welche taktischen Trends prägen das Turnier? Und wie verfolgen die heimischen Fußballfans die Spiele? Unsere Zeitung hat sich in der Region umgehört und Trainer einheimischer Vereine, aktive Spieler sowie Personen des öffentlichen Lebens in und um Hermeskeil befragt. Neben Prognosen zu den Titelfavoriten und Analysen aktueller Spielsysteme verraten die Interviewpartner auch ihre ganz persönliche WM-Gewohnheit. Es ist ein Streifzug durch die Fußballleidenschaft im Hochwald – mit interessanten und kritischen Meinungen, überraschenden Tipps und jeder Menge Vorfreude.

Taktische Finessen – Lernen von den Profis?

Von welchen Nationen werden im taktischen Bereich Besonderheiten erwartet? Christian Alt, Vorsitzender des SV Rascheid und langjähriger Spieler der SG Rascheid/Geisfeld/Reinsfeld, vermutet, dass gerade die sogenannten „kleinen Teams“ kreativ sein müssen. Um die Favoriten zu ärgern, werden sie tief stehen und kaum Räume bieten. Bei den offensivstarken Top-Nationen erwartet er hingegen einen offenen Schlagabtausch, ähnlich wie beim packenden Champions-League-Endspiel zwischen Bayern München und Paris Saint-Germain.

Sabine Hauswirth, Lehrerin für Sport und Deutsch am Gymnasium Hermeskeil, ist gespannt auf die taktischen Ansätze von Brasilien und Spanien. Sie erwartet kreative Raumaufteilungen und Ballbesitzstrategien. Aber auch Japan traut sie mit hoher Intensität und klugem Umschaltspiel viel zu. Stefan Ding, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hermeskeil, glaubt ebenfalls, dass die Underdogs mit altbewährten Defensivkonzepten und schnellen Gegenstößen versuchen werden, gegen die großen Fußballmächte zu bestehen. Dieser Ansicht schließt sich Jan Kolling an, der als Trainer mit der SG Thalfang jüngst in die A-Klasse aufgestiegen ist. Auch der Hermeskeiler Zahnarzt Dr. Peter Barth erwartet, dass die vermeintlich Kleinen mit taktischen Kniffen operieren. Als exemplarisches Beispiel nennt er das iranische Team.

Demgegenüber glauben Joachim Wellenberg, Ortsbürgermeister von Damflos und Vorsitzender des FC Züsch wie auch Werner Blasius, Vorsitzender des TV Hermeskeil dass die „Großen“ wie Deutschland, Frankreich, Spanien und Argentinien schwerpunktmäßig die taktischen Akzente setzen werden.

Die Frage, ob man als Trainer im Amateur-, Jugend- oder Schulsport Trainingsmethoden der Profis übernehmen kann, wird von Sabine Hauswirth ausdrücklich bejaht. Sie ist überzeugt, dass sich Prinzipien wie Raumaufteilung oder flexible Staffelungen (z. B. Dreiecksbildung) gut integrieren lassen. Werner Blasius, Vorsitzender des Turnvereins Hermeskeil, sowie Edgar Breit, Beigeordneter der Stadt Hermeskeil, sind sich einig, dass moderne Trainingsformen auf nahezu jedes Leistungsniveau übertragbar sind. Dieser Meinung schließen sich Stefan Ding, Joachim Wellenberg und Dr. Barth uneingeschränkt an. Jan Kolling kann sich darüber hinaus vorstellen, während des Turniers gezeigte Standardsituationen zu kopieren. Christian Alt sieht das Übernehmen taktischer Varianten in die Kreisliga hingegen etwas kritischer – hier erscheine ihm die Umsetzung in der Praxis schwierig.

Geheimtipps und Titelfavoriten

Wer könnte als Underdog für eine Überraschung sorgen? Hier gehen die Meinungen auseinander. Jan Kolling, Joachim Wellenberg sowie Werner Blasius nennen die Elfenbeinküste, wobei Kolling auch Norwegen als mögliche Überraschungsmannschaft sieht. Stefan Ding traut Marokko, Algerien oder Ägypten eine Überraschung zu. Sabine Hauswirth kann sich vorstellen, dass Kroatien und Japan aufgrund ihrer hohen Spielintelligenz und Tagesform glänzen. Dr. Barth hat ebenfalls Kroatien als Geheimtipp auf dem Zettel.

Als Favoriten für den Turniersieg werden aus Europa überwiegend Frankreich und Spanien genannt – und natürlich Deutschland. Auch die südamerikanischen Schwergewichte Brasilien und Argentinien gehören zu den meistgenannten Teams.

Edgar Breit hofft, wie fast alle Befragten, auf einen deutschen Titelgewinn. Neben Frankreich, Spanien und Argentinien zählt er auch England zum Favoritenkreis. Was die Chancen der deutschen Mannschaft angeht, äußert sich Joachim Wellenberg pessimistischer: Er schätzt die Titelchancen als sehr gering ein. Jan Kolling glaubt, dass für das deutsche Team bereits im Achtelfinale Schluss sein wird und Dr. Barth beziffert die Chance auf den Titel auf lediglich 40 Prozent. Optimistischer klingen dagegen die Voraussagen auf einen deutschen Titelgewinn von Stefan Ding, Christian Alt, Sabine Hauswirth sowie Werner Blasius.

Erste WM-Erinnerungen, TV Gewohnheiten und die Torwart-Debatte

Auf die Frage, welche WM man als Jugendlicher zum ersten Mal bewusst wahrgenommen hat, antworteten die Befragten sehr unterschiedlich: Bei Christian Alt war es Italien 1990, bei Joachim Wellenberg Mexiko 1970, bei Dr. Barth England 1966, bei Stefan Ding und Werner Blasius 1978 Argentinien, bei Sabine Hauswirth Mexiko 1986 und bei Jan Kolling Südkorea/Japan 2002.

War es richtig Manuel Neuer als Nummer 1 im Tor zu nominieren? Hier scheiden sich die Geister. Christian Alt findet, der Bundestrainer habe damit unnötig „ein Fass aufgemacht“. Ähnlich sehen das Joachim Wellenberg, Werner Blasius und Dr. Peter Barth. Sabine Hauswirth, Stefan Ding und Jan Kolling können die Nominierung aufgrund von Neuers enormer Erfahrung nachvollziehen. Ding und Kolling stören sich jedoch an der mangelnden Kommunikation in dieser Frage, die viel Unruhe erzeugt habe.

Die meisten Befragten werden die Spiele gemütlich zu Hause auf der Couch mit Freunden und Bekannten verfolgen. Ob Public Viewing genutzt wird, hängt bei vielen auch vom sportlichen Erfolg der deutschen Mannschaft ab.

Bei aller Vorfreude: Es gibt auch Kritik

Sehr kritisch sieht Joachim Wellenberg das Turnier als Ganzes. Er wagt die provokante These, dass die WM 2026 die schlechteste der Geschichte wird – was man seiner Meinung nach Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino zu verdanken habe. Ein Großteil der Befragten sind der Meinung, dass ein XXL-Turnier mit 48 Teams das Niveau des Turniers verwässern wird. Eine Minderheit hält dagegen und verweist darauf, dass das neue Format vielen Nationen die einmalige Chance bietet an einer WM teilzunehmen, das fördere zudem des Fußballs in diesen Regionen.

Auch die Schiedsrichter-Ansetzung stößt auf Unverständnis: Fast alle bemängeln, dass Deutschland mit Felix Zwayer nur einen einzigen Unparteiischen stellt. Stefan Ding zeigt zudem Unverständnis für die hohen Eintritts- und Nebenkosten: „Fußball ist ein Volkssport. Mit den aufgerufenen Preisen ist ein Stadionbesuch für normale Fans kaum mehr zu finanzieren. Damit schafft sich der Fußball selbst ab.“ Werner Blasius geht mit dieser Einstellung ebenfalls konform, er sieht in Infantino den Hauptschuldigen für diese Entwicklung. Sabine Hauswirth beklagt ebenfalls die zunehmende Kommerzialisierung von Großturnieren. Für den Schulsport sei es wichtig, den Fußball wieder als reines Bewegungserlebnis für Kinder in den Vordergrund zu rücken. Fairplay, Freude am Spiel und Teilhabe seien zentral, so die Pädagogin. Sie hofft, dass die WM positive Impulse für die lokale Jugendarbeit und die Kooperation des Gymnasiums mit verschiedenen Fußballvereinen (Hermeskeiler SV, VfR Otzenhausen, SV Bardenbach) setzt. (Kö)