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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 26/2020
2 - Hermeskeiler Stadtnotizen
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Vor 90 Jahren: Die Befreiungsfeier in Hermeskeil

1930: Die abziehende französische Besatzung passiert Hermeskeil.

Wer denkt heute noch an die Rheinlandbefreiungsfeier im Jahre 1930? Ein zweiter Weltkrieg mit all seinen Schrecken und traurigen Nachkriegserscheinungen wurde inzwischen überwunden. Trotzdem war dieses Ereignis für die damaligen Zeitgenossen von großer Bedeutung.

Am 30. Juni 1930 verließen die letzten Besatzungstruppen das Rheinland. Zwölf Jahre war man einer Fremdherrschaft unterworfen — eine schwere Zeit! Wie überall in deutschen Landen, wurde dieser Tag auch in Hermeskeil mit großer Begeisterung gefeiert.

Am Abend des 1. Juli läuteten alle Glocken, viele Fahnen und bunte Lichter grüßten von den Häusern. Alle Bewohner waren in Bewegung, spontan gruppierten sich die Ortsvereine zu einem Fackelzug, auf dem Erzberg loderte ein Freudenfeuer! Wie ein Lichtermeer bewegte sich der imposante Zug, begleitet von frischer Marschmusik, durch die alten Ortsstraßen.

Anschließend versammelten sich alle Teilnehmer mit den übrigen Bürgern auf dem „Alten Marktplatz“ zu einer Gedenkfeier, in der Hermeskeils großer Pastor, Dechant Wilhelm Greff, damals Kreischef der Zentrumspartei, das Wort ergriff. Noch einmal ließ er die Zeit der vergangenen 12 Besatzungsjahre aufleben — vom Einmarsch bis zum Abzug der Sieger.

Der Ruhreinbruch im Jahre 1923, der passive Widerstand und die ihm folgende Vertreibung deutscher Bürger von Haus und Hof — die damalige Geldentwertung „Inflation“ mit ihren verheerenden wirtschaftlichen Einbußen und vieles andere, fand eingehende Erwähnung.

Hervorragend diese Schilderung, sie ließ erneut erkennen, welches Leid überwunden war und was dieser Tag für alle bedeutete. Mit einem dreifachen Hoch auf das befreite Rheinland schloss der Redner die Kundgebung.

Die Chronik berichtet: Die ganze Nacht war man zusammen, bis der Morgen sein helles Licht verbreitete, zum ersten Mal wieder frei und ohne Scheu, in einem freien deutschen Rheinland.

Anmerkung: Dieser Text stammt von Hermann Schmidt, Bernkastel, und wurde erstmals in RuH Nr. 17/1976 veröffentlicht. Hermann Schmidt war ein aus Hermeskeil stammender Onkel von Friseurmeister Bernd Schmidt und schrieb für unsere Zeitung in den 1960er und 1970er Jahren zahlreiche fundierte, heute noch lesenswerte Beiträge aus der Heimatgeschichte. (WIL-)