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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 28/2026
2 - Hermeskeiler Stadtnotizen
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Vier Jahrzehnte im Dienste der Menschen

 

Hausarzt Dr. Egon Müller verabschiedet sich in den Ruhestand

Nach vier Jahrzehnten als Hausarzt in Hermeskeil geht Dr. Egon Müller in den Ruhestand. Für viele Menschen war er weit mehr als ein Mediziner: eine Vertrauensperson, Begleiter in schwierigen Lebensphasen und Ansprechpartner für ganze Familien über Generationen hinweg. Mit seinem Abschied endet eine lange, von großem persönlichem Engagement geprägte ärztliche Laufbahn.

Wenn Dr. Müller auf seine über vierzig Jahre als Arzt zurückblickt, spricht er nicht zuerst über Diagnosen oder medizinische Fortschritte. Er spricht über Menschen: Kinder, die er als Säuglinge behandelte, kamen später mit ihren eigenen Kindern in seine Praxis. Über das Vertrauen, das ihm seine Patienten entgegengebracht haben. Nun, mit 72 Jahren, verabschiedet er sich aus dem Berufsleben – mit einem weinenden und einem lachenden Auge.

Er wollte immer ein Arzt sein, dem die Menschen vertrauen können

„Die Patienten werden mir fehlen“, sagt er. „Ich durfte den schönsten Beruf überhaupt ausüben“. Gleichzeitig freue er sich, dass seine Praxis in guten Händen weitergeführt werde. Es sei immer sein Wunsch gewesen, seine Patienten an Nachfolger zu übergeben. Das habe zwar länger gedauert als geplant, doch jetzt sei er überzeugt, dass mit Frau Dr. Wagener, Frau Hoffmann und Herrn Nofal ein hervorragendes Team die Versorgung übernimmt.

Schon früh stand fest, dass er Landarzt werden würde. Aufgewachsen in Odernheim am Glan, unweit des Klosters Disibodenberg, hatte er einen Hausarzt, der ihn nachhaltig prägte. „Er war ein Mensch, dem man vertrauen konnte. Er nahm sich Zeit, nahm den Menschen ihre Ängste und war einfach da. So wollte ich später arbeiten.“ Nach dem Medizinstudium in Mainz und Kaiserslautern setzte er seine Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin am Krankenhaus Kirn und an der Rheumaklinik Bad Kreuznach fort. 1986 übernahm er die Praxis von Dr. Gerling in der Trierer Straße in Hermeskeil. Fünf Jahre später zog die Praxis in größere Räume in die Saarstraße um. Seit 2002 führte er sie gemeinsam mit Dr. Wagener. Heute gehört die Praxis zum hausärztlichen MVZ Hermeskeil.

An seine Ankunft in Hermeskeil erinnert sich der Arzt noch mit einem Schmunzeln. Im Februar 1986 ging es mit einem gemieteten 7,5-Tonner über den tief verschneiten Erbeskopfin die neue Heimat. „Bei 40 Zentimetern Schnee haben wir uns gefragt: Wo sind wir hier gelandet?“ Viel Zeit zum Eingewöhnen blieb nicht. Am 2. April begann die Sprechstunde, nur drei Tage später stand bereits der erste Notdienst an. Als er nach Damflos gerufen wurde, blieb sein Auto mit Sommerreifen im Schnee stecken. Die Weiterfahrt legte er mit dem Rettungswagen zurück.

Die ersten Jahre waren von enormem Arbeitseinsatz geprägt. „Wir waren werktags praktisch rund um die Uhr erreichbar. Dazu kamen regelmäßig Wochenenddienste, aber wir hatten ein gut funktionierendes Krankenhaus, in das wir Notfälle einweisen konnten, das fehlt uns heute.“ Damals gab es keine Terminsprechstunden; die Patienten kamen einfach vorbei. Hausbesuche gehörten zum Alltag.

Für Dr. Müller war der Hausarztberuf weit mehr als die Behandlung von Krankheiten. „Als Hausarzt ist man auch Seelsorger. Die Menschen brachten nicht nur körperliche Beschwerden mit, sondern auch Sorgen, Ängste oder familiäre Probleme.“ Sein Maßstab sei dabei immer derselbe geblieben: „Ich behandle meine Patienten so, wie ich selbst behandelt werden möchte – vertrauensvoll, gewissenhaft, zuverlässig und niemals von oben herab.“

Die Medizin hat sich gewandelt. Er erinnert sich an eine Zeit, in der es mehr Ärzte gab und der Hausärztemangel heute überraschend sei. Die Bürokratie habe stark zugenommen. Neue Vorgaben, Dokumentationspflichten und wirtschaftliche Zwänge hätten den Beruf verändert. Die Digitalisierung sehe er mit gemischten Gefühlen: Moderne Technik erleichtere vieles, mache Praxen aber abhängig von funktionierenden Computersystemen. „Wenn der Computer ausfällt, steht heute fast die ganze Praxis still.“ Gerade ältere Patienten hätten zudem oft Schwierigkeiten mit digitalen Anwendungen.

Gleichzeitig seien die medizinischen Möglichkeiten heute deutlich besser. Viele Krankheiten könnten früher erkannt und besser behandelt werden. Zum Abschied richtet Dr. Müller einen Appell an seine Patienten: „Nutzen Sie die Vorsorgeangebote. Bewegen Sie sich regelmäßig, ernähren Sie sich gesund und verzichten Sie möglichst auf das Rauchen.“

Was nun kommt?

Mehr Zeit für Familie und persönliche Interessen, die in den langen Berufsjahren zu kurz gekommen sind. Langweilig werde ihm sicher nicht. Doch eines steht fest: Die Begegnungen mit seinen Patienten werden ihm fehlen. Hermeskeil und die Umgebung verlieren einen Hausarzt, der Generationen begleitet hat. Seine Patienten verabschieden einen Arzt, der nie nur Mediziner sein wollte, sondern ein Mensch, dem man vertrauen konnte.   (Kö)