So könnte die Fußgängerzone künftig aussehen.
Das "grüne Kissen" am Eingang von der Koblenzer Straße
Die Planung im Gesamtüberblick
Den größten Teil der letzten Stadtratssitzung vor der Sommerpause nahm die Visualisierung der Vorplanungen zur Umgestaltung und Sanierung der Fußgängerzone ein. Integriert sind die Zuwegungen und die Verbindung zum Donatusplatz. Außerdem ging es um die „Nachverdichtung“ im Gewerbegebiet Grafenwald, die zusätzliche Flächen gewinnen soll.
Schon bei den Workshops zum Thema Stadtentwicklung und -sanierung im Frühjahr 2019 haben sich die beteiligten Bürgerinnen und Bürger eindeutig für eine Neugestaltung der Fußgängerzone ausgesprochen. Mit der Vorstellung der ersten Planungen zur Umsetzung dieser Maßnahme durch das beauftragte Planungsbüro bekamen Stadtrat und Öffentlichkeit eine ungefähre Vorstellung, wie das Kernstück der Stadt künftig aussehen könnte. Die Verlängerung der Frist für die Vorlage der finalen Entwurfsplanung und Kostenberechnung als Voraussetzung für die Förderanträge bis Oktober dieses Jahres gab Planern und Verwaltung etwas mehr Luft, in Gesprächen auch die vielschichtig strukturierte Anwohnerschaft mit ihren unterschiedlichen Vorstellungen und Wünschen besser einzubinden. Weil die Höhe der Förderquote von der Einstufung der sehr unterschiedlichen Flächen abhängig sei, so Stefanie Schömer von der Bauverwaltung, seien die Kosten für die Stadt zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau bezifferbar. Im Raum stehe eine Förderung von bis zu 80%. Mit der Kostenschätzung von 2,26 Mio. Euro Bleibe man im vorgegebenen Budget, das die Ausgaben pro Quadratmeter begrenze.
Bei der Umsetzung des Auftrags, so Julian Altmann der Vertreter des Planungsbüros, liegt das Hauptaugenmerk auf der Steigerung der Aufenthaltsqualität. Mit den Veränderungen in der Gesellschaft bei Lifestyle und Kaufgewohnheiten sei die „klassische“ Fußgängerzone passé. Es gelte also eine reine Einkaufsmeile in eine multifunktionale Zone umzugestalten. Die Aufenthaltsqualität wolle man durch mehrere Maßnahmen erreichen. Die vorgegebene Schräglage durch den Höhenunterschied zwischen Trierer und Koblenzer Straße soll im wesentlichen mittig bleiben, um die Entwässerung und die freie Durchfahrt für Rettungsfahrzeuge zu gewährleisten. An ausgewählten Punkten entstehen gerade Podeste mit Stufenanlagen, die – von einer Seite barrierefrei zugänglich – sowohl Aufenthaltsmöglichkeiten bieten als auch die Eingangssituationen der angrenzenden Gebäude aufwerten. Neupflanzungen sorgen durch ihren Schattenwurf für eine spürbare Verbesserung des Stadtklimas an heißen Tagen und erhöhen zugleich die Aufenthaltsqualität im Straßenraum. Fest installierte Sitzgelegenheiten ergänzen das Angebot und laden zum Verweilen im öffentlichen Raum ein.
Die Plätze vor dem Rathaus und am Ende vor der Koblenzer Straße werden aufgewertet bzw. neu gestaltet. Beim Rathausplatz mit seinem Brunnen greift der Entwurf die bestehenden, funktionierenden Strukturen behutsam auf und entwickelt sie punktuell weiter. Der Brunnenbereich wird durch einen Sitzstein in Anlehnung an den Kreis am Donatusplatz ergänzt und erhält unterhalb des Kunstwerks einen kleinen Wassertisch, der zur Abkühlung des Platzes an heißen Tagen beiträgt. Die Grünfläche entlang der Trierer Straße wird erweitert und erhöht damit den Anteil unversiegelter Flächen im Stadtraum. Der bestehende öffentliche Bücherschrank wird an die nördliche Gebäudeseite des Rathauses verlegt. Im Schatten der teils bereits vorhandenen Baumpflanzungen entsteht ein kleiner Aufenthaltsbereich mit Sitzgelegenheiten, der zum Lesen, Verweilen oder Beobachten des städtischen Lebens einlädt. Die Fläche im Bereich des „Lesezimmers“ wird entsiegelt.Dadurch wird die Versickerungsfähigkeit verbessert und zugleich ein Beitrag zur Reduzierung der sommerlichen Aufheizung geleistet. Es entsteht ein angenehm temperierter Aufenthaltsort im innerstädtischen Raum. Die Detailplanung soll sicherstellen, dass genügend Raum für die Stände des Wochenmarktes bleibt.
Am oberen Ende des Langen Marktes markiert ein „Grünes Kissen“ den Auftakt des neu gestalteten Stadtraums. Schatten spendende Gehölze, ein artenreiches Staudenbeet sowie integrierte Sitzgelegenheiten ersetzen den bisherigen Brunnen und schaffen einen attraktiven Aufenthaltsbereich für BesucherInnen und BewohnerInnen. In Ergänzung zu den neuen Stufenanlagen im Bereich der angrenzenden Gastronomiebetriebe erweitert das „Grüne Kissen“ das Sitzplatzangebot und stärkt als kommunikativer Treffpunkt die Aufenthaltsqualität.
Der neu gestaltete Donatusplatz soll real und auch optisch mit der Fußgängerzone verbunden werden. Dazu wird der Alfons-Schmitz-Platz mit eingezogen und durch Neupflanzungen, neue Sitzgelegenheiten und einen Kleinkindspielbereich aufgewertet. Schatten spendende Gehölze schaffen angenehme Aufenthaltsbereiche für Jung und Alt. Der Spielbereich ergänzt das innerstädtische Freiraumangebot und bietet den jüngsten NutzerInnen wohnungsnahe Spielmöglichkeiten. Die bestehenden Pkw-Stellplätze bleiben erhalten. Die am Donatusplatz bereits verwendeten Materialien werden aufgenommen und schaffen so ein einheitliches Gestaltungskonzept. Entsiegelte Flächen sowie Neupflanzungen von Gehölzen verbessern zudem das Stadtklima während Hitzeperioden. Die neu gewonnene Aufenthaltsqualität stärkt das direkte Umfeld für Einzelhandel und Bewohnerschaft gleichermaßen.
Wenn alles planmäßig verläuft, setzen die Werke ihre Vorarbeiten in 2027 um.Die Umgestaltung soll dann nahtlos anschließen und 2030 fertig sein. Bleibt zu hoffen, dass dann auch so mancher Leerstand wieder mit Leben erfüllt wird. (BäR)