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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 31/2020
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Biotüte oder doch Biotonne?

Die Zukunft des Bioabfalls in der Region

Hat das Trierer Modell Plus, bei dem der Bürger seit gut zwei Jahren über Biotüten die entstandenen Küchenabfälle zu bereitgestellten Containern bringt, eine Zukunft oder wird doch die Biotonne eingeführt. Der zuständige Entsorger A.R.T. bezeichnet die bisherigen Ergebnisse als Erfolg, die für Abfallfragen zuständige Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord betrachtet das Ganze eher skeptisch. Die Entscheidung fällt im Mai kommenden Jahres, wenn der Bericht des Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH vorliegt.

Der Bundesgesetzgeber hat mit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) vom 24. Februar 2012 die von der EU- Abfallrahmenrichtlinie vorgegebene fünfstufige Abfallhierarchie und damit das Recycling gegenüber anderen Verwertungsarten deutlich gestärkt. Um auch die Nutzung der Bioabfälle unter Ressourcenaspekten zu optimieren, enthält das KrWG des Bundes in § 11 die Pflicht, überlassungspflichtige Bioabfälle zum Zwecke einer hochwertigen Verwertung eigentlich bereits spätestens ab dem 01. Januar 2015 getrennt zu sammeln, so die SGD Nord. In allen Kreisen des Zuständigkeitsbereiches mit Ausnahme der Region Trier ist die Biotonne bereits schon fester Bestandteil der Kreislaufwirtschaft. Die SGD Nord hatte nun zu entscheiden, ob der vom Regionalen Abfallentsorger bisher praktizierte Weg der Trocknung der gemischten Abfälle mit anschließender energetischer Verwertung unter Verzicht auf eine stoffliche Verwertung mit der Zielsetzung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes vereinbar ist. Das verlangt eine getrennte Sammlung der Bioabfälle. Ziel ist eine möglichst hochwertige Verwertung der anfallenden Mengen. Dieses wird zum Beispiel durch eine Vergärung (energetische Nutzung) und anschließender Verwertung der Gärreste als Düngemittel (stoffliche Verwertung) erreicht. Erwartet wird daher die Erzielung einer möglichst hohen Erfassungsquote bei möglichst geringem Anteil von Fremdstoffen zum Beispiel durch Fehlwürfe. Zudem erfordert die Sammlung der Abfällen aus Haushaltungen vom öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger grundsätzlich die Einrichtung eines Holsystems. Ein Bringsystem kann daher nur akzeptiert werden, wenn es gleichwertig zu einem Holsystem und für den Bürger zumutbar ist. Seiner Pflicht zur Getrenntsammlung kommt der öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger dann nach, wenn er gewährleisten kann, dass der vom Bürger getrennt gehaltene Biomüll auch tatsächlich zu den Sammelstellen gelangt. Dies setzt voraus, dass eine Bürgerakzeptanz des Systems gegeben ist. Vor diesem Hintergrund wurde die Diskussion um die Einführung der Biotonne in der Region Trier im September 2015 zwischen der SGD Nord als oberer Abfallbehörde und dem A.R.T. im Vergleichswege dadurch beendet, dass die sich aus dem Bundeskreislaufwirtschaftsgesetz ergebende Verpflichtung der Getrenntsammlung von Bioabfällen nach dem "Konzept Integrierte Bioabfallverwertung nach dem Trierer Modell Plus" erfolgen wird. Das Konzept, welches eine getrennte Erfassung von Küchenabfälle über die Biotüte und von Grünabfällen (holziges und krautiges Material) über Grünschnittsammelplätze vorsieht, wurde so umgesetzt und festgelegt, dass im Zeitraum von zwei Jahren untersucht werden sollte, ob die stoffliche Verwertung mit den Vorgaben des Kreislaufwirtschaftsgesetzes vereinbar ist. Diese Untersuchungen wurden durch das Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH wissenschaftlich begleitet.

Der regionale Entsorger A.R.T. sieht sich auf einem guten Weg. Das System sei seit seiner Einführung stetig ausgeweitet, an die Bedürfnisse der Menschen angepasst und auch weitgehend akzeptiert worden. Die Sammelmengen an Küchen- und Speiseabfällen seien mittlerweile mit denen einer Biotonne vergleichbar. Das beauftragte Institut liefere durch sein Monitoring unabhängige Zahlen zu den Erfassungsmengen und der Qualität des erfassten Materials. In dessen Bericht vom 30.06.2020 seien die Ergebnisse einer repräsentativen Analyse der Bioabfälle aus den Sammelcontainern vorgestellt worden. Die Aussagen darin sei äußerst positiv. Der Fremdstoffanteil - also Material, welches nicht in die Sammelcontainer gehört - lag bei nur etwa 1%. Während die Erfassungsmengen in den ersten beiden Jahren noch eher gering waren, seien diese seit der Einführung des Identsystems für Restabfall Anfang 2020 stark angestiegen. Damit lägen im bundesweiten Vergleich von Bringsystemen die Bioabfall-Sammelmengen des A.R.T. im oberen Drittel. Bei den Erfassungsmengen von Grünschnitt zähle man mit etwa 100.000 Jahrestonnen (ca. 188 kg pro Einwohner des Verbandsgebiets) zu den bundesweiten Spitzenreitern. Die Analysen würden fortgesetzt.

Das Umweltministerium Rheinland-Pfalz hätte, so der A.R.T., wiederholt deutlich gemacht, dass es ein Bringsystem für Bioabfälle kritisch betrachtet und der flächendeckenden Einführung einer haushaltsnahen Biotonne den Vorrang einräumt. Der A.R.T. betont, dass er keine Präferenz für ein Hol- oder Bringsystem hat. Wenn die politischen Gremien - wie in der Vulkaneifel geschehen - ihn mit einer erneuten Systemumstellung beauftragen, würde diese schnellstmöglich umgesetzt. Er bekräftigt aber seine Rechtsauffassung und verweist - neben der hohen Qualität der eingesammelten biogenen Abfälle und der Feststellung des Gutachters, dass die Menge der Bioabfälle dem entspricht, was andernorts mit einer Biotonne eingesammelt wird - auf die weitere Tatsache, dass das System für die Bürgerinnen und Bürger die wirtschaftlichste Variante darstellt.

Anmerkung der Redaktion:

Es bleibt die Frage offen, ob die am Bundesdurchschnitt orientierten Zielgrößen, die eine Sammelmenge an Küchenabfällen von 30 kg/Ew/Jahr und eine Reduzierung der Gehaltes an nativ organischen Küchenabfällen im Restabfall auf weniger als 15 kg/Ew/Jahr vorsehen, auch auf eine eher ländlich geprägte Region mit nur wenigen größeren Städten eins zu eins umsetzbar sind. Schließlich überlegt sich jeder Haus- und Grundbesitzer vor der Fahrt zum Sammelcontainer, ob er nicht einen eigenen Komposthaufen anlegt und neben der Zeitersparnis auch noch umweltschonender agiert. (BäR)