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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 31/2026
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Der Züscher Hammer schlägt wieder

Wiedereröffnung am Tag des Offenen Denkmals am 13. September

Der zweite Sonntag im September ist für die Züscher, Neuhüttener, Damfloser, Abteier und Höfchener sicher ein Freudentag. Nach einer umfassenden Sanierung wird, anlässlich des bundesweiten Tages des Offenen Denkmals, der Züscher Hammer im Rahmen eines Hammerfestes wiedereröffnet – alle Bürgerinnen und Bürger sind bereits jetzt hierzu herzlich eingeladen!

Prägend für die Region der sogenannten Waldhüttendörfer waren die 150 Jahre von 1694 bis 1852, als der Züscher Hammer das größte Eisen produzierende Hammerwerk im Hunsrück war. Damals wurden hier in harter Arbeit durch die meist in einfachen Holzhütten wohnenden Einwohner Eisenerz haltiges Gestein im sogenannten Rennofen geschmolzen, unterm Hüttenhammer zu Masseln (geformten, schmiedbaren Eisenteilen) gehämmert und schließlich unterm Schmiedehammer zu einfachen Werkzeugen verarbeitet. Den in ärmlichen Verhältnissen lebenden Einwohnern bot das Hammerwerk kärglichen Lohn und Brot, wobei von Arbeitsschutz- und Umweltschutzvorschriften noch keine Rede war.

1694 hatte der belgische Unternehmer Remacle de Hauzeur in einem 30-jährigen Vertrag alle Rechte des Züscher Hammer vom Vogt Ernst Ludwig von Hunolstein erworben und baute das Werk aus. Neben Eisenerz haltigem Gestein und der Wasserkraft des Altbachs war genügend Wald zur Produktion von Holzkohle vorhanden. Da nicht genügend Arbeitskräfte zur Verfügung standen, warb Hauzeur Landsleute aus seiner südbelgischen Heimat an, die sich quasi als Gastarbeiter in der Nähe des Hammerwerkes ansiedelten und als Erzgräber, Holzhauer, Köhler, Schmelzer, Schmiede usw. arbeiteten. Die heutigen Familien in der Region mit den Namen Bouillon, Collet, Dupont, Düpre, Lorang, Rosar, Schirra (Girard) usw. stammen von den damals zugewanderten Familien ab. Da sie im Gegensatz zu den einheimischen protestantischen Züscher Bürgern katholisch waren, beantragte und erlangte Hauzeur 1696 die Erlaubnis vom Vogt von Hunolstein für seine Arbeiter und deren Familien eine katholische Kirche im Altbachtal zu errichten; ein Steinkreuz erinnert heute noch daran. Erst im Gefolge dieser Entwicklung entstanden die Dörfer Neuhütten, Damflos, Abtei und Höfchen, in denen die wachsende Zahl der Einwohner angesiedelt wurde. Die konfessionelle Rivalität führte im 19. Jahrhundert schließlich auch zum Bau der wunderschönen klassizistischen evangelischen und der neobarocken katholischen Kirche in Züsch. Mit der beginnenden Industriellen Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts, als man unter anderem herausgefunden hatte, dass die aufwendig herzustellende Holzkohle durch Steinkohle ersetzbar war, wanderte die Eisenindustrie ins untere Saarland ab. Aber da es in Nachbarschaft des Züscher Hammer weitere Eisenhüttenwerke u.a. in Nonnweiler, Hubertushammer, in Mariahütte und auch in Abentheuer gab, kann mit Fug und Recht gesagt werden, dass die Wiege der saarländischen Schwerindustrie im Hochwald stand.

Nachdem das rekonstruierte Hammerwerk 2001in Betrieb genommen wurde, waren seit mehreren Jahren das Wasserrad durch Rost und der Wellbaum durch Schimmel so stark geschädigt, dass Vorführungen nicht mehr möglich waren. In unermüdlichem Einsatz kämpfte der Förderverein Züscher Hammer um eine Inwertsetzung des kulturhistorisch wertvollen und für den Tourismus in der VG Hermeskeil wichtigen Freilichtmuseums. Die größten Probleme bei der aktuellen Inwertsetzung bildeten zum einen die Finanzierung der Maßnahme und zum zweiten die fachkundige handwerkliche Durchführung des Projekts. Die Kosten in Höhe von 70 000 Euro werden zu 60% getragen von dem LEADER-Programm der EU, das sich der Erhaltung und Stärkung wichtiger Einrichtungen in ländlichen Räumen widmet. Einen Anteil von 20 000 Euro trägt die Stiftung „Zukunft in Trier-Saarburg“, die insbesondere gemeinnützige Projekte der Kultur- und Heimatpflege fördert, die ehrenamtlich getragen werden. Der Projektträger VG Hermeskeil steuert schließlich noch ca. 8 000 Euro bei. Nebenarbeiten wie die Erneuerung von morschen Teilen des Schutzgebäudes und der Außenanlagen werden durch den Förderverein Züscher Hammer getragen; hierzu werden noch Spenden erhofft.

Entsprechend den Vorgaben der Denkmalpflege bestand die handwerkliche Herausforderung darin, ein oberschlächtig betriebenes Wasserrad ebenso originalgetreu herzustellen wie den aus Eichenholz bestehenden 6 Meter langen Wellbaum. Die auf ihm angebrachten Nocken drücken auf das Ende des Schwanzhammers, wodurch dessen schweres Kopfteil, der „Bär“, angehoben wird und dann auf das glühende Schmiedeeisen saust. Sodann waren diese in die Züscher Anlage einzubauen und in Pendelwalzlagern leichtgängig zu montieren. Darüber hinaus musste der Wasserzulauf erneuert werden. Die Firma Holzbau Kohn aus Saarburg, die sich mit besonderem Ehrgeiz auch bei der Restaurierung historischer Mühlenräder an anderen Standorten hervorgetan hat, erhielt den Auftrag und erledigte ihn mit Bravour. Der Förderverein Züscher Hammer freut sich und dankt allen Beteiligten dafür, dass ein die Geschichte des Hochwaldes prägendes Industriedenkmal wieder in Wert gesetzt werden konnte und als Attraktion für den Tourismus am Rande des Nationalparks Hunsrück-Hochwald zur Verfügung steht.

Am Tag des Offenen Denkmals, am Sonntag, dem 13. September, werden der dunkle Rauch der Schmiedeesse und die durch das Altbachtal hallenden Hammerschläge anzeigen, dass der Züscher Hammer wieder lebt. Das größte Lob und die beste Anerkennung des Engagements der Förderer, der hervorragenden handwerklichen Ausführung der Arbeiten sowie des ehrenamtlichen Engagements der Mitglieder des Fördervereins ist das Erscheinen vieler interessierter Besucher – für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt. (Michael Hülpes)