Titel Logo
Rund um Hermeskeil
Ausgabe 32/2026
Titelseite
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

36 Jahre im Dienst für die großen Momente des Lebens

Standesbeamter Wolfgang Nellinger verabschiedet sich in den Ruhestand

Wenn Wolfgang Nellinger auf seine Zeit als Standesbeamter zurückblickt, denkt er nicht zuerst an Akten, Register oder Urkunden. Es sind die Menschen und ihre Geschichten, die ihm in Erinnerung bleiben. Mehr als 2.500 Paare aus insgesamt 71 Nationen hat er seit 1990 getraut, unzählige Geburten und Sterbefälle hat er beurkundet und den Wandel des Standesbeamten von der mechanischen Schreibmaschine bis zum elektronischen Personenstandsregister miterlebt.

Dabei begann alles eher zufällig. Im Frühjahr 1989 fragte ihn der damalige Verbandsbürgermeister Winfried Sander, ob er sich die Aufgabe als Standesbeamter vorstellen könne. Nach einer Ausbildung wurde Wolfgang Nellinger im Dezember 1989 offiziell ernannt. Seine erste Trauung folgt nur wenige Wochen später – am Valentinstag 1990. Dass diese Ehe bis heute besteht, freut ihn ganz besonders. Erst vor wenige Wochen besuchte ihn das damalige Brautpaar im Rathaus und brachte sogar die Fotos der ersten Trauung mit.

Über die Jahrzehnte hat Wolfgang Nellinger unzählige bewegende und kuriose Momente erlebt. Einmal musste Handcreme aushelfen, weil der Ehering partout nicht über den Finger passen wollte. Ein anderes Mal befanden sich im Ringetui statt der Trauringe Manschettenknöpfe. Hunde brachten die Ringe dem Brautpaar ins Standesamt und nach einem feierlichen Ja-Wort erklang aus dem Handy des Brautpaares ausgerechnet der Song: „Warum hast du nicht nein gesagt“.

Besonders ans Herz gewachsen sind ihm die Trauungen auf der Grimburg. Dort gaben sich Paare in einzigartiger Atmosphäre das Ja-Wort – darunter ein Brautpaar aus Berlin, das mit rund 40 Gästen anreiste und gleich zwei Tage auf der Burg feierte. Auch die Hochzeiten der Faschings-Prinzenpaare aus Reinsfeld und Hermeskeil zählen zu den besonderen Erinnerungen. Seine letzte Trauung Ende Juni auf der Grimburg war für ihn schließlich die emotionalste. Beim Abschied vom Team des Fördervereins, das den Trau-Raum seit fast 25 Jahren liebevoll gestaltet und die Sektempfänge organisierte, blieb auch ihm die Stimme nicht ganz fest.

Nicht nur die Hochzeiten selbst haben sich verändert, sondern auch die Gesellschaft. Während früher meist im kleinen Kreis standesamtlich geheiratet und anschließend kirchlich groß gefeiert wurde, ist die standesamtliche Trauung heute für viele Paare der eigentliche Höhepunkt. Entsprechend sind auch die Wünsche gewachsen und mit ihnen die Zahl der Gäste. Bei Trauungen im Rathaus oder auf der Grimburg sind heute Gesellschaften mit mehreren Dutzend Gästen keine Seltenheit. Besonders beliebt sind einprägsame Hochzeitsdaten. Seinen Rekord erlebt Wolfgang Nellinger am 9. September 1999, als er acht Paare an einem einzigen Tag traute.

Auch die Verwaltung hat sich grundlegend geändert. Als er 1990 begann, wurden Urkunden und Register noch mit der mechanischen Schreibmaschine mit Kohlepapier ausgefüllt und zahlreiche Vordrucke von Hand bearbeitet. Bereits 1993 hielt der erste Computer Einzug ins Standesamt und erleichterte die tägliche Arbeit erheblich. Heute werden die Personenstandsregister elektronisch geführt, während die historischen Registerbücher weiterhin sorgfältig aufbewahrt und nach und nach digitalisiert werden.

Auch die Beurkundung von Geburten gehörte zu seinem Arbeitstag. Solange es im Hermeskeiler Krankenhaus eine Geburtenstation gab, wurden jährlich mehr als 300 Neugeborene registriert. Das hat dann kontinuierlich abgenommen. Zum Schluss lag die Zahl bei etwa der Hälfte. Die Wahl der Vornamen spiegelt auch den Wandel der Zeit wider. Während Namen wie Jakob, Anton oder Johann heute wieder häufiger gewählt werden, durfte Wolfgang Nellinger seinen eigenen Vornamen in all den Jahren nur zweimal in ein Geburtenregister eintragen. Neben Hochzeiten und Geburten hat sich auch das Aufgabenspektrum des Standesamtes erweitert. Neue gesetzliche Regelungen, etwa im Bereich der Namensänderungen, erfordern heute eine umfassende Beratung der Bürgerinnen und Bürger.

Große Pläne für den Ruhestand hat er bewusst noch nicht geschmiedet. Seinen letzten Arbeitstag hat der langjährige Standesbeamte bereits hinter sich. Nach seinem Urlaub gibt er nun endgültig die Schlüssel des Rathauses ab. Künftig wird er das Gebäude nur noch als Bürger oder gelegentlich zum Besuch seiner ehemaligen Kolleginnen und Kollegen betreten. Dass seine beiden Nachfolgerinnen ihre neuen Aufgaben bestens meistern werden, daran hat er keine Zweifel. „Es wird nahtlos weitergehen – nur der Nellinger wird nicht mehr hinter dem Schreibtisch sitzen“, meint er schmunzelnd. (Kö)