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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 33/2026
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Die Zitterpappel – Baum des Jahres 2026

Die Ziterpappel als Solitärbaum

 

Die schnellwüchsige Pionierbaumart steht für Erneuerung und Artenvielfalt

Die Zitterpappel (Populus tremula) - auch Aspe oder Espe - gehört zu den Weidengewächsen und ist in ganz Europa heimisch. Sie besiedelt offene Flächen, trägt zur Regeneration von Wäldern bei und bietet zahlreichen Tieren Lebensraum. Über 60 Schmetterlingsarten, darunter der Große Schillerfalter, nutzen sie als Futterpflanze, und viele Vogelarten profitieren von ihrem reichen Insektenangebot.

Als mittelgroßer, sommergrüner Laubbaum erreicht sie je nach Standort eine Höhe von 20 bis 30 Metern. Charakteristisch für die Espe sind ihre breit verzweigte Krone und ihre beweglichen, annähernd kreisrunden, gezähnten Blätter, die aufgrund ihrer sehr langen, seitlich abgeflachten Blattstiele bei jeder Luftbewegung unverkennbar „zittern“. Ihr wissenschaftlicher Name leitet sich von diesem Blatt-Zittern ab – „Populus“ für Pappel, „tremula“ für zitternd. Die Redewendung „Zittern wie Espenlaub“ ist tatsächlich auf die Zitterpappel zurückzuführen. Schon in der griechischen Mythologie wurden Themen wie Tod, Trauer und Angst mit der Baumart verknüpft. So wurden die trauernden Heliaden, die Schwestern des Phaeton, zur Strafe in Pappeln verwandelt, nachdem ihr Bruder mit dem gestohlenen Sonnenwagen zur Erde gestürzt war. Gleichzeitig schätzte man die Knospen, Laubblätter und die Rinde der Zitterpappel für ihre heilende Wirkung. Das enthaltene Salicin – die natürlich vorkommende Variante der im Paracetamol verwendeten Acetylsalicylsäure – wird noch heute als Schmerz- und Entzündungshemmer sowie Fiebersenker genutzt.

Die schnellwüchsige Pionierbaumart bevorzugt sonnige bis halbschattige Plätze mit gut durchlässigen, frischen Böden. Sie erweist sich als sehr widerstandsfähig u. a. gegenüber Frost und Wind und kann sich gut in unterschiedlichen Landschaften behaupten. Gerade im Klimawandel spielt sie eine wichtige Rolle beim Walderhalt, denn sie besiedelt entstandene Schadflächen rasch. Nach Stürmen, Bränden oder Kahlschlägen ist sie oft die erste Baumart, die zurückkehrt. Ihre kleinen, weiß behaarten Samen können vom Wind weit getragen werden. Durch ihr weit verzweigtes Wurzelsystem kann sie sich vegetativ vermehren und bildet so ganze Pappelhaine. Sie bietet Nahrung für zahlreiche Insekten, insbesondere für verschiedene Schmetterlingsarten, bis sie nach etwa 100 Jahren abstirbt und als Totholz einen neuen Lebensraum eröffnet. Noch dazu verrottet das herunterfallende Laub leicht, womit die Zitterpappel die Humusschicht und den Anteil an Mineralstoffen im Boden erhöht. Damit bereitet sie auch die Bedingungen für die nächste Waldgeneration vor.

Als „Hoffnungsbaumart“ im Klimawandel ist die Zitterpappel neben anderen Baumarten Bestandteil vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat geförderter Forschungsprojekte. Beispielsweise fand das Projektteam des Vorhabens TreeHarm in Baumschulversuchen u. a. an der Zitterpappel heraus, dass bei Schädlingsbefall durch „Impfung“ geschwächter Bäume mit Mykorrhiza-Pilzen im Wurzelbereich deren physische Konstitution soweit gestärkt werden kann, dass sie anschließend über eine erhöhte Schädlings- und Krankheitstoleranz verfügen. Zudem wurde in dem Projekt mit Erfolg eine neue Abwehrmethode gegen pathogene Pilze und Insekten getestet. Dazu wurden mit Rostpilzen befallene Pappeln bzw. von Schwammspinnerbefall betroffene Eichen mit RNA-Molekülen besprüht, was über sogenannte RNA-Interferenz zum Absterben des Schaderregers führte.

Mit der Ernennung der Zitterpappel zum „Baum des Jahres 2026“ rückt 2026 eine Baumart in den Fokus, die sinnbildlich für Widerstandskraft, Artenvielfalt und Erneuerung steht. Die Dr. Silvius Wodarz Stiftung ruft dazu auf, diesen vielseitigen Baum zu schützen und wieder vermehrt in Landschaft und Wald zu integrieren. (BäR) Quelle: Dr. Silvius Wodarz Stiftung, Foto: R. Fenner