„Immer hilfsbereit sein, niemanden ausgrenzen und keine Vorurteile haben: Das hat meine Mutter mir schon beigebracht, als ich noch ganz klein war.“ Nächstenliebe und der Einsatz für die Gemeinschaft wurden Torsten Wahl also gewissermaßen in die Wiege gelegt. Am 12. September wird der Neuhüttener im Trierer Dom zum Diakon geweiht.
Klassisch katholisch sozialisiert, engagierte sich der gebürtige Heimbacher schon früh in seiner Gemeinde, zunächst als Messdiener, später als Jugendlicher im Pfarrgemeinderat. Nach seiner Ausbildung zum Bürokaufmann leistete Wahl acht Jahre lang als Soldat Dienst bei der Bundeswehr und auch dort riss der Faden zu Gott nie ab. Im Gegenteil: Als Stabsunteroffizier stationiert in Baumholder, war er Mitglied im dortigen Militärseelsorge-Rat. Inzwischen ist Wahl Fahrdienstleiter bei der Deutschen Bahn, wo er im Betriebsrat tätig ist. Er lebt mit seiner Ehefrau Natascha und den beiden Töchtern in Neuhütten. Als er 2007 der Liebe wegen in das Hochwalddörfchen am Rande des Nationalparks zog, übernahm er rasch Verantwortung in der Dorfgemeinschaft bei verschiedenen Vereinen und natürlich im Pfarrgemeinderat der damaligen Pfarrei Züsch.
Der Einsamkeit entgegentreten
Sich jenseits der Erwerbstätigkeit einzubringen und fortzubilden, ist für den Mittvierziger selbstverständlich. Denn um Diakon zu werden, braucht es ein fundiertes theologisches Grundwissen. Dafür absolvierte Wahl von 2021 bis 2025 den Fernkurs Theologie (Würzburg). Nach der Weihe ist man als Ständiger Diakon auch nach Feierabend und an Wochenenden aktiv, leitet Wortgottesdienste und Begräbnisse, führt Trauergespräche, assistiert bei Trauungen, bringt die Kommunion zu Alten und Kranken, tauft Kinder oder ist einfach als Seelsorger für jene da, die ein offenes Ohr brauchen. Und davon gibt es immer mehr. „Einsamkeit ist ein Problem, das immer mehr Menschen belastet. Das nehmen wir inzwischen nicht nur bei der älteren Generation wahr, sondern auch schon bei jungen Menschen“, sagt er. Einrichtungen wie das Mehrgenerationenhaus in Hermeskeil oder Treffpunkte in den Gemeinden vor Ort, die Austausch ermöglichen, sowie Besuchsdienste seien daher ungemein wichtig. Als Familienmensch, ehemaliger Soldat und künftiger Diakon hat Wahl einen differenzierten Blick auf das, was in der Welt geschieht – im kirchlichen wie im säkularen Kontext. Die kürzlich von der Bundesregierung beschlossene Erhöhung des Wehretats, der bis 2029 schrittweise auf rund 150 Milliarden Euro anwachsen soll, betrachtet er mit gemischten Gefühlen. Es sei jahrelang viel gespart worden bei der Bundeswehr, dieses Defizit müsse nun ausgeglichen werden. Kritisch sieht er allerdings die derzeitigen Kürzungen im Sozial-, Gesundheits- und Bildungsbereich.“ Aus diakonischer Sicht ein absolutes No-Go – insbesondere wenn Kinder und Jugendliche von den Kürzungen betroffen sind. In Zeiten sinkender Kirchensteuereinnahmen werde es für die Kirche jedoch zunehmend schwierig, diese Lücken im Sozialsystem zu stopfen. Engagement zu fördern, sei es haupt- oder ehrenamtlich, sei daher nun umso wichtiger. Aktuellen Diskussionen um Neuerungen in der katholischen Kirche begegne er aufgeschlossen, sagt der künftige Diakon.
Torsten Wahl hat sich entschieden, für die Menschen da zu sein – und seinen persönlichen Lebensweg gemeinsam mit der Kirche zu gehen. Zusammen mit zwei weiteren Männern wird er von Bischof Dr. Stephan Ackermann am Samstag, 12. September, um 9.30 Uhr im Trierer Dom zum Diakon geweiht. Zum Weihegottesdienst sind alle Interessierten herzlich eingeladen.
Derzeit sind im Bistum Trier 97 Diakone im aktiven Dienst 25 davon üben das Amt haupt- und 72 nebenberuflich aus. Die Mehrzahl ist verheiratet und hat Kinder, einige haben den Zölibat als ehelose Lebensform gewählt. Weitere Informationen zur Ausbildung zum Diakon gibt es bei Axel Berger, Ausbildungsleiter für Diakone im Haupt- und Zivilberuf, unter Telefon 0651-7105130 oder unter https://www.wirglaubenandich.de/seelsorgeberufe/diakon/