Ein besonderes Highlight: Die mittlerweile weit über die Region hinaus bekannten Jagdhornbläser geben nach dem Spektakel bei einer ganz besonderen Akustik noch eine kleine Vorführung im Innenhof des Schlosses.
Das Schauspiel endet immer mit einem kleinen Feuerwerk.
Für jedes Szenenbild gibt es die passenden Kostüme.
Beim Spektakel kommt seit einigen Jahren auch "Video-Mapping" zum Einsatz.
Viele Hermeskeilerinnen und Hermeskeiler wissen es vielleicht gar nicht: In unserer französischen Partnerstadt St. Fargeau im Burgund findet an den Sommerwochenenden eines der größten historischen Freilichtspektakel Frankreichs statt. Seit 1980 verwandelt sich das Gelände des „Château de Saint-Fargeau“ in eine gewaltige Bühne. Rund 700 Ehrenamtliche nehmen dort jedes Jahr tausende Besucher mit auf eine Reise durch 1.000 Jahre Geschichte.
1979 kauften die Brüder Michel und Jacques Guyot das stark vernachlässigte Château de Saint-Fargeau. Die Dächer waren undicht, Gebäudeteile eingestürzt und der Park verwildert. Michel Guyot, ausgebildet an der École des Beaux-Arts und begeisterter Liebhaber des kulturellen Erbes, wollte das Schloss restaurieren.
Um dafür die finanziellen Mittel zu akquirieren versuchte er es zunächst mit einem klassischen Kulturfestival. Der Erfolg war ernüchternd: Gerade einmal 300 Besucher kamen. „Das Event war zu elitär“, erkannte Guyot und überarbeitete die Idee. Er entwickelte ein historisches Schauspiel, das unterhalten, Geschichte vermitteln und gleichzeitig Einnahmen für die Restaurierung des Schlosses bringen sollte. 1980 wurde das erste „Spectacle Historique“ aufgeführt – mit gerade einmal 25 Darstellern und 15 Pferden an drei Abenden.
Geschichte aus 1000 Jahren
Heute dauert die Aufführung rund 90 Minuten. Sie führt das Publikum durch die wechselvolle Geschichte des Schlosses und Frankreichs: vom Mittelalter über die Kreuzzüge und den Hundertjährigen Krieg bis zu Ritterturnieren, der Französischen Revolution, Napoleon, der Belle Époque und den beiden Weltkriegen. Eine besondere Rolle spielt Anne-Marie-Louise d’Orléans, die sogenannte „Grande Mademoiselle“. Die Cousine Ludwigs XIV. wurde im 17. Jahrhundert nach St. Fargeau verbannt und prägte das Schloss entscheidend. Auch die Ankunft amerikanischer Truppen in der Puisaye im Jahr 1945 gehört zu den Höhepunkten der historischen Reise.
Das Besondere dabei: Das Schloss ist nicht bloß Kulisse, sondern selbst Teil des Schauspiels. Vor den Augen der Zuschauer erscheinen Reiter, Schauspieler, historische Fahrzeuge und Tiere. Musik, Feuer, Licht- und Spezialeffekte sowie Feuerwerk sorgen für spektakuläre Szenen. Moderne 3D-Projektionen lassen die Schlossfassade dabei scheinbar ihre Gestalt verändern: Sie kann zur mittelalterlichen Festung werden, brennen oder einen früheren Bauzustand zeigen. Das Programm wird jedes Jahr leicht überarbeitet und um neue Szenen und technische Effekte ergänzt, so gibt es von Jahr zu Jahr auch für „Wiederholungstäter“ etwas Neues zu entdecken.
Eine ganze Region macht mit
Das Herzstück des Erfolgs sind jedoch nicht die technischen Effekte, sondern die Menschen. Rund 700 Freiwillige aus St. Fargeau und der Umgebung wirken an dem Spektakel mit. Etwa 600 von ihnen als Schauspielerinnen und Schauspieler, hinzu kommen rund 50 Reiter sowie zahlreiche Akteure hinter den Kulissen.
Organisiert wird das Spektakel vom Verein „Les Amis du château de Saint-Fargeau“. Für viele Fargeaulais, wie die Einwohner von Saint-Fargeau genannt werden, ist das Grand Spectacle ein Stück Identität und ein besonderes Gemeinschaftserlebnis geworden. Die Generationen wachsen dabei zusammen: Eltern, Kinder und sogar Enkel wirken mit, und manche Familien sind seit der ersten Stunde dabei.
Kultur als Wirtschaftsfaktor
Rund 40.000 Besucher kommen inzwischen pro Saison nach Saint-Fargeau, an einem Vorstellungsabend sind es durchschnittlich etwa 3.500. Seit 1980 haben nach Angaben der Veranstalter mehr als 1,5 Millionen Menschen das Spektakel gesehen. Die Einnahmen fließen direkt in die Restaurierung des Schlosses. Auf diese Weise konnten bereits große Teile des Bauwerks saniert werden. Gleichzeitig profitieren Hotels, Restaurants und Geschäfte in St. Fargeau und der gesamten Region Puisaye.
Ein Vorbild weit über St. Fargeau hinaus
Das „Spectacle Historique“ gilt heute als zweitgrößtes historisches Freilichtspektakel Frankreichs. Gleichzeitig hat Michel Guyot mit seinem Ansatz weitere Impulse für die Region gesetzt. 1997 initiierte er nur wenige Kilometer entfernt das Mittelalterprojekt Guédelon, bei dem eine Burg mit den Techniken des 13. Jahrhunderts errichtet wird. St. Fargeau zeigt damit eindrucksvoll, wie sich Denkmalschutz, Kultur, Ehrenamt und Tourismus miteinander verbinden lassen. Was 1980 als ungewöhnlicher Versuch begann, um ein heruntergekommenes Schloss zu retten, ist heute ein Publikumsmagnet und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region – und sicher auch für den ein oder anderen Hochwälder einen Besuch wert. Wer sich für die Städtepartnerschaft interessiert, kann sich gerne per Mail an corinna.schneider@hermeskeil.st-fargeau.eu werden. (LeWe)