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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 36/2018
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Hermeskeil ist und bleibt bunt

Als Zeichen des friedlichen Protests stiegen hunderte von Luftballons vor dem Hermeskeiler Rathaus auf

An den Infoständen im Stadtpark herrschte reger Betrieb

Diese Friedenstaube wurde von vielen Anwesenden „bildlich“ signiert

Friedlicher Protest quer durch die Nationen vor dem Rathaus

Friedensfest der Kulturen im Stadtpark - Demo gegen Rechts vor dem Rathaus

Ein buntes Fest für Jung und Alt und Anhänger (fast) aller politischen Richtungen erlebte der Stadtpark in Hermeskeil am letzten Samstagnachmittag. Dazu aufgerufen hatte das kurzfristig zusammengerufene Bündnis „Buntes Hermeskeil“, das sich für Toleranz und Vielfalt in unserer Stadt einsetzt und ein Zeichen gegen einen sogenannten „Trauer- und Friedensmarsch“ setzen wollte, zu dem AfD-MdL Jens Ahnemüller zum selben Termin in Hermeskeil eingeladen hatte. Dagegen setzte das Bündnis nicht nur zahlenmäßig und akustisch ein starkes Zeichen.

In der Bundesrepublik Deutschland wurde seit 1966, initiiert vom Deutschen Gewerkschaftsbund, der Weltfriedenstag begangen. Er erinnert an den 01.09.1939, den Tag, an dem mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen der 2. Weltkrieg begann. Auf dem Bundeskongress des DGB 1966 wurde ein Antrag angenommen, „… alles Erdenkliche zu unternehmen, damit des 1. Septembers in würdiger Form als eines Tages des Bekenntnisses für den Frieden und gegen den Krieg gedacht wird.“ Auch in der Gegenwart ruft der DGB am 1. September zu Kundgebungen und Veranstaltungen anlässlich des Weltfriedenstages auf und organisiert Veranstaltungen. (Quelle: Wikipedia)

Für diesen Tag hatte Jens Ahnemüller, MdL und Kreisvorsitzender der AfD, zu einem sogenannten patriotischen „Trauer- und Friedensmarsch“ mit Start am Rathaus und Abschlusskundgebung auf dem Neuen Markt nach Hermeskeil eingeladen. Angesichts der überschaubaren Besucherzahl von ca. 60 Personen fand die gesamte Veranstaltung auf dem Rathausvorplatz statt, wo die altbekannten Parolen über kriminelle Ausländer zu hören und die altbekannten Plakate „Merkel muss weg“ und über die „Lügenpresse“ zu sehen waren. Trauer und Frieden dagegen? Fehlanzeige! Dessen ungeachtet wurde die Aktion vom Veranstalter als „gelungene Veranstaltung“, bei der „ein Zeichen gesetzt“ wurde, gefeiert.

Dem setzte das innerhalb weniger Tage gegründete Bündnis „Buntes Hermeskeil“ angestoßen von Lena Weber, ein „Friedensfest der Kulturen“ im Stadtpark entgegen. In kürzester Zeit haben sich das MGH Johanneshaus, der Verein Blast the Borders, das Familiennetzwerk HAFEN, der Förderverein Gedenkstätte Hinzert, die KiTa Adolph Kolping, der DGB Region Trier, die Caritas und die Diakonie Trier, die evangelische Kirchengemeinde, die Linken und die SPD aus der Region als Kooperationspartner dem Bündnis angeschlossen. Innerhalb weniger Tage entstand ein buntes Programm mit Musik (Matthias Webel und Mitwirkende aus der Region), Infoständen und Möglichkeiten, sich im Sinne der Veranstaltung kreativ zu betätigen.

So bunt wie die Zusammensetzung der Unterstützer des Bündnisses war, war dann auch die der Besucher im Park. Neben Vertretern sämtlicher im Stadt- und VG-Rat vertretener Parteien und dem VG-Beauftragten Hartmut Heck, fanden sich Einheimische und Zugezogene, Jung und Alt ein - eine Schar von letztlich rund 450 Personen.

Gastredner wiesen die Besucher unter anderem auf die historischen Parallelen zu den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts und den sich daraus ergebenen katastrophalen Folgen hin. Dagegen „müsse man jetzt schon aufstehen“, so die Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD), die es sich nicht hatte nehmen lassen, an der Veranstaltung teilzunehmen. Auch Dechant Clemens Grünebach verwies auf die Dreißiger, als in Hermeskeil versucht worden sei, die katholische Kirche im Sinne der NS-Ideologie zu instrumentalisieren. Dem sei seinerzeit allerdings sein Vorgänger Wilhelm Greff entschieden entgegengetreten. Ein Beispiel, dem jeder Anwesende folgen könne.

Vom Stadtpark bewegte sich dann ein bunter Demonstrationszug vor das Rathaus. Lautstark, mit Pfiffen, Pfeifen und einer Trompete gar, wurde versucht, die Parolen der Redner vor dem Rathaus zu stören. Dies gelang so gut, dass, abgesehen von der ersten Rede - da war die Demonstration allerdings auch noch nicht vor Ort - so gut wie nichts zu verstehen war. Als Höhepunkt dieser Veranstaltung und Zeichen für ein buntes Hermeskeil stiegen dann noch unzählige Luftballons mit den persönlichen Friedensgrüßen in die Luft.

„Die Veranstaltungen verliefen friedlich und für die Polizei ohne Probleme“, so das Resümee der örtlichen Polizei. Im Bereich der Trierer Straße aufgestellte Absperrungen sorgten dafür, dass beide Gruppen getrennt waren. Wobei es allerdings auch von keiner her Seite zu Bemühungen kam, in den Bereich der anderen einzudringen. (PaGe)

Der Kommentar

Die Alternative

Wir Deutschen haben einmal den Rechten die Straße überlassen, und das bis auf wenige Ausnahmen kampflos. Das soll und darf sich nicht wiederholen.

Aber reicht einfach nur dagegen sein, einfach nur demonstrieren? Eher nicht! Den richtigen Weg wählten hier die „bunten“ Hermeskeiler. In der Kürze der Zeit organisierten sie ein rundum gelungenes „Friedensfest der Kulturen“ im Stadtpark, von dem alle Besucher begeistert waren. Richtig war auch, vor dem Rathaus Flagge zu zeigen und zu demonstrieren, wer, auch auf der Straße, die Mehrheit stellt.

Ob man aber lautstark die Redner der Gegenveranstaltung niederringen muss? Mit ihren Beiträgen erreichen sie ohnehin nur die Wenigen auf dem Rathausvorplatz, und deren Meinungen sind in Stein gemeißelt. Eine sachliche Auseinandersetzung mit deren verqueren Meinungen wäre sicherlich angebrachter gewesen. Es ist immer gut zu wissen, was die Gegenseite sagt und denkt.

In jedem Fall aber war das „Friedensfest der Kulturen“ die Alternative zur Veranstaltung der ewig Gestrigen.

Paul Gemmel