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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 36/2019
Aus dem Gerichtssaal
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Im Vollrausch ausgetickt

Bei Weihnachtsfeiern geht es oft hoch her und der Alkohol fließt in Strömen. So wohl auch letztes Jahr, als ein großes Unternehmen aus der Region in der Hochwaldhalle feiert. Die letzten Gäste sind zäh, wollen noch nicht nach Hause. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, sie zum Verlassen der Halle zu bringen, wird es dem Veranstalter zu bunt und kurz nach 3 Uhr nachts ruft er die Polizei. Als der Streifenwagen eintrifft, sind alle vor der Tür - bis auf eine junge Frau aus dem Saarland, die offenbar besonders stark alkoholisiert ist. Der Aufforderung der Beamten, die Halle zu verlassen, kommt sie zwar nach, doch sie kann sich kaum auf den Beinen halten. Als eine Polizistin und ihr Kollege sie unterhaken, erwacht in ihr aber Widerstand: Sie tritt, beschimpft und beleidigt die Beamten und schlägt mit dem Handy um sich. Das hat natürlich Folgen. Man nimmt sie mit zur Wache, wo sie weiter heftig Widerstand leistet. Erst mit Hilfe der hinzugezogenen Rettungskräfte gelingt es, sie zu bändigen.

Nun sitzt sie neben ihrer Verteidigerin vor Richterin Michels auf der Anklagebank, am Richterpult noch ein Referendar, der später noch eine Rolle spielen wird. So wie die Staatsanwältin die Geschehnisse in der Anklageschrift schildert, muss die Angeklagte in besagter Nacht völlig „von Sinnen“ gewesen sein. Das sieht auch die Verteidigerin so, denn sie sagt, ihre Mandantin könne sich an absolut nichts erinnern. In Anbetracht dessen, dass die junge Frau recht zierlich ist, ist das nachvollziehbar - bei mehr als 2 Promille, wie die Blutprobe ergeben hat. Die nicht vorbestrafte Angeklagte bestreitet nichts, hat sich auch schon schriftlich bei den Polizeibeamten entschuldigt und freiwillig die Zahlung eines Schmerzensgelds von 400 € an die Polizistin, die sie durch ihre Attacken leicht verletzt hat, angeboten. Vielleicht könne man, so ihre Anwältin, über eine Einstellung des Verfahrens nachdenken. Die Staatsanwältin bittet um eine kurze Unterbrechung, weil sie telefonieren muss. Nach ihrer Rückkehr ist sie mit dem Vorschlag der Verteidigung einverstanden.

Die junge Polizistin, die als Zeugin im Gerichtsflur gewartet hat, wird hereingerufen (sie kommt mit Gehhilfen, den rechten Fuß in einer wuchtigen Haltekonstruktion. Diese Verletzung hat sie sich aber nicht bei dem Einsatz gegen die Angeklagte, sondern bei einem Reitunfall zugezogen). Richterin Michels fragt, ob sie die Entschuldigung der Angeklagten annimmt und mit der Zahlung eines Schmerzensgelds von 400 € einverstanden ist, was die Polizistin bejaht.

Was nun folgt, ist für eine Gerichtsverhandlung recht ungewöhnlich: Die Angeklagte will das Schmerzensgeld gleich übergeben, hat aber nicht genügend Bargeld dabei. Deshalb fragt sie nach dem nächsten Geldautomaten und das Gericht unterbricht noch einmal, damit sie das Geld abheben kann. Der Referendar ist so freundlich, die Frau, die sich in Hermeskeil nicht auskennt, zu begleiten. Am Ende erhält die Polizistin das Schmerzensgeld und das Verfahren wird eingestellt. Die Angeklagte verlässt den Gerichtssaal ohne Strafe, aber außer dem Schmerzensgeld muss sie auch die Kosten für ihre Verteidigerin tragen - ein teurer Nachhall einer Weihnachtsfeier.Vielleicht hält sie sich in Zukunft bei derartigen Gelegenheiten mit dem Alkohol ein wenig zurück... (WIL-)