Hat sich vor mehr als 20 Jahren mit seinem eigenen Hof einen Jugendtraum erfüllt: Markus Linn mit seiner Frau Birgit. Den Hofladen betreiben sie mit einem Metzgermeister und zwei Aushilfen.
Es gibt sie noch, die Landwirte, bei denen man nicht nur einkauft, sondern genau weiß, woher jedes Stück Fleisch kommt. Markus und Birgit Linn haben kürzlich ihren Hofladen am Ehrigshof in Reinsfeld eröffnet – und damit einen lang gehegten Traum verwirklicht.
„Eigentlich wollte ich schon immer Landwirt und Schreiner werden. Ersteres durfte ich lange nicht“, erzählt Markus Linn mit einem Schmunzeln. Vor rund 25 Jahren begann er deshalb, den Ehrigshof zunächst als Selbstversorger zu bewirtschaften. Was als kleine Idee begann, ist heute ein zertifizierter Bio-Betrieb mit 35 Glan-Rindern, 15 Freilandschweinen und eigenen Hühnern.
Vom Tier bis zum fertigen Produkt
Die Familie Linn setzt auf möglichst kurze Wege und eine vollständige Wertschöpfung auf dem eigenen Hof. Die Tiere werden selbst gezüchtet, gehalten, geschlachtet und verarbeitet. „Von der Geburt bis zum Würstchen auf dem Grill machen wir alles selbst“, beschreibt Markus Linn das Konzept. Dass dabei eine enge Beziehung zu den Tieren besteht, zeigt sich auch daran, dass alle Tiere einen Namen haben. Für Linn gehört ein verantwortungsvoller Umgang mit den Tieren untrennbar zur Landwirtschaft dazu.
Eine Besonderheit ist der Umgang mit dem Zeitpunkt der Schlachtung: Ein Tier wird erst dann geschlachtet, wenn rund 90 Prozent des Fleisches vermarktet sind. So wird Überproduktion vermieden und jedes Stück Fleisch tatsächlich nachgefragt.
„Es darf nichts weggeworfen werden“, lautet eine weitere wichtige Maxime. Deshalb wird das Tier möglichst vollständig verwertet. Was nicht als klassisches Fleischstück verkauft wird, findet Verwendung in Wurst, Frühstücksfleisch, Fleischkäse oder Burger-Patties. Bei der Herstellung setzt die Familie auf Natürlichkeit – die eigenen Fleisch- und Wurstwaren kommen ohne Konservierungsstoffe aus.
Fleisch gibt es, wenn es vom Hof kommt
Diese Philosophie bedeutet allerdings auch, dass Fleisch und Wurst nicht jederzeit in unbegrenzter Menge verfügbar sind. Das Sortiment richtet sich nach dem, was auf dem Ehrigshof tatsächlich erzeugt wurde. Über die WhatsApp-Gruppe „Fleischgenuss vom Ehrigshof“ können sich Interessierte informieren, wann wieder frische Produkte bereitstehen und dementsprechend ihre Bestellung aufgeben. Je nach Angebot und Nachfrage ist der Hofladen zwei- bis dreimal pro Woche geöffnet – dann können die portionierten Produkte direkt abgeholt werden.
Sollte der Bedarf einmal größer sein, arbeitet die Familie mit einem Kooperationspartner zusammen, der nach denselben Maßstäben wirtschaftet und bei Bedarf unterstützt. Der Grundsatz bleibt jedoch bestehen: Die eigene Erzeugung steht an erster Stelle.
Bruderhahn-Projekt als wichtige Partnerschaft
Ein besonderes Zeichen für Tierwohl und Nachhaltigkeit setzen die Linns durch ihre Zusammenarbeit mit dem Waldhof Caspari in Malborn. Dessen Bruderhahn-Projekt verfolgt einen klaren Ansatz: Statt die männlichen Küken aus der Legehennenhaltung direkt nach dem Schlüpfen zu töten – wie es in der konventionellen Landwirtschaft leider oft üblich ist – werden sie auf dem Waldhof Caspari ebenso aufgezogen. So erhalten auch die „Bruderhähne“ ein artgerechtes Leben. „Diese Idee finden wir großartig und unterstützenswert“, sagt Markus Linn. Der Waldhof Caspari ist daher ein wichtiger Vertriebspartner für den Ehrigshof – und ein Beispiel dafür, dass Tierwohl und wirtschaftliches Denken kein Widerspruch sein müssen.
Hofladen mit Herz
Neben eigenem Bio-Rindfleisch, Bio-Schweinefleisch und selbstgemachten Wurstspezialitäten bietet der Hofladen auch ausgewählte Produkte befreundeter Regionalproduzenten an wie etwa Bio-Eiernudeln, Eier, selbstgemachte Saucen, Honig und Viez aus der Viezgarage an.
Ein Gewinn für die Region
„Wir sind unheimlich stolz auf das, was wir hier erzeugen“, sagt Markus Linn. Und das spürt man: Wer hier einkauft, bekommt nicht nur regionale Bio-Qualität, sondern auch ein Stück Hofleben, Herzblut und Überzeugung mit nach Hause. (LeWe)