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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 37/2026
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Gegen das Vergessen

Die Stolpersteine für die Familie Ackermann in der Saarstraße. In dem Gebäude befindet sich nun die "Modern Music School".

Diana Cook ist eine Nichte von Cäcilie Ackermann und reiste mit ihrem Mann aus England an. Die Schülerinnen und Schüler sind durch die Recherche im Internet auf die Angehörige gestoßen und haben mit Ronni Steiner-Wilhelmi den Kontakt hergestellt.

Frank-Matthias Mann verlegte vergangene Woche in Vertretung für den kurzfristig erkrankten Gunter Demnig 11 neue Stolpersteine in der Stadt Hermeskeil für die Familien Samuel (Trierer Straße) und Ackermann (Saarstraße).

Die Stolpersteine für Familie Samuel

Die Schülerinnen der Stolpersteine AG des Gymnasiums Birkenfeld klärten an den jeweiligen Stationen über die Schicksale und Biografien der Familien auf.

 

 

 

 

 

Elf neue Stolpersteine erinnern in Hermeskeil an jüdische Familien

Elf kleine Messingtafeln, elf Namen, elf Lebensgeschichten: In der vergangenen Woche sind in Hermeskeil elf weitere Stolpersteine verlegt worden. Sie erinnern an Mitglieder der jüdischen Familien Ackermann und Samuel und damit an Menschen, die während der nationalsozialistischen Herrschaft verfolgt, entrechtet, deportiert und ermordet wurden. 

Rund 60 Bürgerinnen und Bürger nahmen an der Zeremonie an den beiden Standorten teil. Besonders bewegend war die Anwesenheit von Diana Cook, der Nichte von Cäcilie Ackermann, die eigens aus England nach Hermeskeil angereist war. Bereits am Vorabend hatte sie die Ausstellung zur Familie Ackermann besucht und dort eine kurze Rede gehalten. Nun nahm sie gemeinsam mit ihrem Mann an der Verlegung der Stolpersteine für ihre Tante teil.

Die Verlegung selbst übernahm Frank-Matthias Mann, Assistent von Gunter Demnig. Der Künstler, auf dessen Initiative das Stolperstein-Projekt zurückgeht, konnte wegen einer kurzfristigen Erkrankung nicht selbst nach Hermeskeil kommen. 

Geschichte vor der eigenen Haustür

Hinter der Initiative steht eine Projektgruppe, die sich mit jüdischem Leben in Hermeskeil beschäftigt. Zu ihr gehört auch Ronni Steiner-Wilhelmi, Lehrerin am Gymnasium Birkenfeld. Für sie hat das Thema einen persönlichen Bezug: In der Trierer Straße 23 befindet sich heute das Geschäft Sport Fuchs. Das Gebäude gehörte einst der jüdischen Familie Samuel. „Die Familie Samuel hat dieses Haus an die Stadt verkaufen müssen und die Großeltern meines Mannes haben es erworben“, erzählte Steiner-Wilhelmi. Gemeinsam mit der Stolperstein-AG am Gymnasium Birkenfeld entstand daraus ein rund zweijähriges Projekt. Die Schülerinnen und Schüler recherchierten zu den jüdischen Familien und ihren Schicksalen, werteten Quellen aus und rekonstruierten die Lebensgeschichten einzelner Personen.

Zwei Orte, zwei Familien

Die Familie Ackermann war dabei von Anfang an Teil des Projekts. Sie verbindet Hermeskeil und Birkenfeld: Frieda Ackermann, geborene Loeb, stammte aus Birkenfeld. „Wir haben gesagt, dann nehmen wir die Familie Ackermann mit in unser Projekt auf, damit wir die Verbindung zwischen den beiden Orten herstellen“, erklärt Steiner-Wilhelmi.

Die Jugendlichen teilten die Recherche untereinander auf und beschäftigten sich jeweils mit einer Person und ihrer Geschichte. Dadurch lernten sie die Menschen hinter den Namen und ihre persönlichen Schicksale kennen. „Sonst hört man immer nur, es gab so viele Opfer, aber man weiß nie, wie war es wirklich für diese Opfer“, beschreibt eine Schülerin ihre Erfahrung.

Umgang mit der eigenen Familiengeschichte

Wie brutal die Verfolgung jüdischer Menschen verlief, zeigt unter anderem das Schicksal von Otto und Frieda Ackermann. (siehe Artikel zur Ausstellung). Gleichzeitig erzählt die Familiengeschichte auch von einem bemerkenswerten Umgang mit der eigenen Vergangenheit. Emil Ackermann, der die nationalsozialistische Verfolgung überlebte, kehrte nach 1945 mehrfach in seine alte Heimat zurück und knüpfte Kontakte zu Hermeskeilern – obwohl er wusste, dass seine Eltern und zahlreiche weitere Angehörige von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet worden waren.

Seine Haltung war dabei nicht von Hass, sondern vom Geist der Versöhnung geprägt. Er wusste, dass er in Hermeskeil auch Menschen begegnen würde, die als Täter oder Mitläufer an der Verfolgung seiner Familie beteiligt gewesen waren. Vielleicht half ihm dabei auch die Erinnerung daran, dass einzelne Hermeskeiler seinen Eltern beigestanden hatten.

Erinnerung braucht Menschen

Für Heinz Ganz-Ohlig ist die Stolpersteinverlegung deshalb ein wichtiger Zeichen. Die Arbeit der Hermeskeiler Projektgruppe sei dabei besonders hervorzuheben. Die Gruppe habe eine „tolle Arbeit“ geleistet – auch mit der Erstellung des Rundgangs unter der Leitung von Tamara Breitbach.

Aber die Erinnerungsarbeit sei noch längst nicht abgeschlossen. Vor neun weiteren jüdischen Häusern fehlen bislang Stolpersteine. Dazu gehört unter anderem das Haus des Ehepaars Hirsch in der Saarstraße. Ganz-Ohlig hofft deshalb, dass die Projektgruppe ihre Arbeit fortsetzt und zu einem späteren Zeitpunkt weitere Stolpersteine in Hermeskeil verlegt. Auch eine stärkere Beteiligung der Hermeskeiler Schulen wäre aus seiner Sicht wünschenswert. 

Namen gegen das Vergessen

Genau darin liegt die Idee der Stolpersteine: Die kleinen Messingtafeln holen Geschichte aus Archiven und Museen mitten in den Alltag. Sie liegen dort, wo Menschen einst lebten, und erinnern mit Namen und Lebensdaten an konkrete Schicksale.

Die Schülerinnen und Schüler haben mit ihrer Recherche dazu beigetragen, dass aus historischen Daten wieder Menschen werden. Sie haben Lebenswege rekonstruiert, Familiengeschichten zusammengetragen und bei der Verlegung die Biografien der Opfer vorgelesen. Die elf neuen Steine sind deshalb nicht nur Gedenkzeichen. Sie sind auch ein Auftrag: die Namen nicht zu vergessen, die Geschichten weiterzuerzählen und sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Inzwischen gibt es weltweit rund 130.000 Stolpersteine in 32 Ländern. Das Projekt gilt damit als das größte dezentrale Mahnmal der Welt. (LeWe)