So oder so ähnlich könnte die Hermeskeiler Fußgängerzone nach der großen Sanierung aussehen. Noch handelt es sich um eine Entwurfsskizze, die Feinplanung soll Ende September im Stadtrat vorgestellt werden.
Leerstände prägen seit einiger Zeit das Bild der Hermeskeiler Innenstadt. Doch an mehreren Stellen tut sich inzwischen etwas. Geschäfte und Gastronomiebetriebe ziehen ein, ehemalige Nutzungen bekommen eine neue Perspektive und auch das lange leer stehende Restaurant am Neuen Markt soll bald wieder öffnen. Nicht alle Probleme sind damit gelöst – insbesondere bei der Lebensmittelversorgung bleibt eine wichtige Frage offen. Insgesamt zeichnet sich aber Bewegung in der Innenstadt ab.
Knapp drei Monate steht das Restaurant am Neuen Markt inzwischen leer. Nun ist absehbar, dass dort wieder Gäste einkehren können. Die Stadt hat die Verträge mit den neuen Pächtern unterschrieben. Nusmir Morina und Francesco Trentinella wollen Anfang Oktober ihr „Amico Mio“ am Neuen Markt eröffnen.
Die beiden sind in Hermeskeil bereits bekannt: Seit 2024 betreiben sie die gleichnamige Pizzeria am Hallenbad. Nun wechseln sie mit ihrem Restaurantkonzept an den Neuen Markt. Ausschlaggebend sei vor allem das größere Platzangebot gewesen. Im neuen Lokal stehen einschließlich Bistro rund 170 Sitzplätze zur Verfügung. Auch größere Veranstaltungen und private Feiern sollen dort künftig möglich sein.
Am Angebot wollen die Gastronomen grundsätzlich festhalten: Pizza, Pasta, Antipasti, Salate sowie Fleisch- und Fischgerichte gehören weiterhin zur Karte. Geplant sind außerdem Kaffee und Kuchen am Nachmittag sowie später wieder warme Küche.
Die bisherigen Betreiber wollen auch am Hallenbad weiterhin gastronomisch aktiv bleiben. Wie genau, steht derzeit noch nicht fest.
Für Stadtbürgermeister Christoph König ist die schnelle Nachbesetzung des Lokals eine gute Nachricht. „Ich bin sehr froh, dass wir jetzt zeitnah Nachfolger gefunden haben und das Restaurant nicht lange leer steht“, sagt er. Beide Gastronomen seien in Hermeskeil bereits etabliert, entsprechend groß sei sein Vertrauen in die neue Besetzung des Lokals.
Auch oben in der Innenstadt hat sich etwas getan. Am frisch sanierten Donatusplatz eröffnete Anfang September das Minnie Restaurant in den Räumen der ehemaligen Eisdiele.
Renata Langer und Mohammad Alhallak haben das Lokal umfassend neu gestaltet. Das Konzept verbindet Restaurant, Eisdiele und einen Ort zum Verweilen. Die Speisen werden nach Angaben der Betreiber frisch zubereitet, Pizza, Schnitzel und Burger gehöre ebenso zum Angebot wie Waffeln und andere Süßspeisen.
Inzwischen läuft auch der Terrassenbetrieb. Speisen und Eis können zudem direkt über ein Fenster nach draußen ausgegeben werden. Für Beschäftigte der umliegenden Betriebe gibt es außerdem ein tägliches Tagesessen.
Nicht nur in der Gastronomie gibt es neue Nutzungen. Im ehemaligen NKD wird derzeit umgebaut. Nach Abschluss der Arbeiten soll dort eine Kampfsportschule einziehen.
Im darunterliegenden Geschoss, wo zuletzt die Post untergebracht war, entsteht ein Fahrradfachgeschäft von Eric Bonnaire. Die Eröffnung soll in wenigen Wochen erfolgen.
Auch für die Adler-Apotheke gibt es nach Angaben von Stadtbürgermeister König inzwischen eine Nachfolgelösung. Und ein weiterer Leerstand dürfte bald Geschichte sein: Das ehemalige Jayjay soll im Oktober unter neuer Regie und neuem Konzept wieder öffnen. RuH wird zu gegebener Zeit berichten.
Bei einem der größten Leerstände der Innenstadt gibt es dagegen weiterhin keine Erfolgsmeldung: Die Gespräche mit potenziellen Lebensmittelhändlern beziehungsweise Discountern für den ehemaligen Rewe-Standort sind nach aktuellem Stand gescheitert.
Damit bleibt die Nachnutzung dieser Fläche eine der größeren offenen Fragen für die Hermeskeiler Innenstadt. Gerade mit Blick auf die Nahversorgung dürfte eine Lösung für den Standort weiterhin von besonderer Bedeutung sein.
Parallel zu den neuen Nutzungen arbeitet die Stadt an der Ausgestaltung der Fußgängerzone. Im Juli wurde dem Stadtrat eine erste Grobskizze vorgestellt, inzwischen läuft die Feinplanung. Im Mittelpunkt stehen vor allem mehr Barrierefreiheit, mehr Grün und eine höhere Aufenthaltsqualität. Auch bei den gastronomischen Außenbereichen sind Veränderungen vorgesehen. Die bislang teilweise schrägen Gastro-Terrassen sollen künftig ebenerdig gestaltet werden. Damit sollen die Flächen besser zugänglich und stärker in den öffentlichen Raum integriert werden. Gleichzeitig soll das gastronomische Angebot in der Fußgängerzone ausgeweitet werden – etwa durch ein Pavillon mit dem Weinstand am Trierer Hauptmarkt als Vorbild. Vereine könnten hierbei bei Aktionen, ähnlich dem zuletzt stattgefundenen Aperitivo-Abend, mit zur Belebung der Fußgängerzone beitragen.
Bevor die Oberfläche neu gestaltet werden kann, stehen allerdings auch Arbeiten im Untergrund an – unter anderem an Kanal, Wasserversorgung und der Anschluss ans Nahwärmenetz.
Die aktuellen Planungen sollen Ende September im Stadtrat vorgestellt werden. Die Bevölkerung ist eingeladen, sich über den neuesten Stand zu informieren. (LeWe)
Innenstädte stehen vor einem grundlegenden Wandel. Der klassische Einzelhandel gerät zunehmend unter Druck – nicht zuletzt durch die wachsende Konkurrenz des Onlinehandels. Leerstände sind längst kein Problem einzelner Städte mehr, sondern eine bundesweite Herausforderung.
Die Zeiten, in denen Innenstädte primär als Einkaufsdestinationen dienten, sind vorbei. Studien zeigen deutlich: Zwar bleibt das Einkaufen ein wichtiger Besuchsgrund, doch gewinnen Aspekte wie öffentliches Grün, Gastronomie, Sauberkeit und Aufenthaltsqualität zunehmend an Bedeutung. Die „Deutschlandstudie Innenstadt 2024“ bestätigt dies: Rund 70 Prozent nennen den Einzelhandel als Besuchsgrund, doch fast ebenso viele (58 Prozent) suchen gezielt Gastronomie und Cafés auf.
Diese Entwicklung ist nicht als Niedergang zu verstehen, sondern als Chance zur Neuausrichtung. Innenstädte können zu multifunktionalen Lebensräumen werden, in denen Arbeit, Freizeit, Bildung und soziales Miteinander mit dem Einkaufserlebnis verschmelzen. Mehr Grünflächen, ansprechende Gestaltung, kulturelle Angebote und eine gelungene Mischung aus Handel, Gastronomie und Dienstleistungen machen den Unterschied.
Lokale Händler, Gastronomen und Dienstleister sind unverzichtbar für lebenswerte Städte und Gemeinden. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zu mehr Lebensqualität und stärken den regionalen Wirtschaftskreislauf. Doch sie können diese Rolle nur erfüllen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
Deshalb ist die Transformation der Innenstädte eine Gemeinschaftsaufgabe: Kommunen müssen die notwendigen Voraussetzungen schaffen, Händler und Gastronomen innovative Konzepte entwickeln, Vereine das soziale Leben bereichern – etwa durch kulturelle Events oder Mitmachangebote wie „Heimat shoppen“.
Am Ende sind aber auch Bürgerinnen und Bürger gefordert: nur wenn sie diese Angebote wahrnehmen und aktiv nutzen, bleibt das Leben in der Innenstadt erhalten.
Nur wenn alle an einem Strang ziehen, bleiben unsere Innenstädte das, was sie sein sollen: lebendige Herzen unserer Städte, Orte der Begegnung und Identität, an denen sich Heimat erleben lässt.