Nach jahrelangen Diskussionen ist der Weg für eine neue medizinische Versorgungseinrichtung im Nordsaarland nun ein gutes Stück konkreter geworden. Die Knappschaft Kliniken Saar, die Stadt Wadern und die saarländische Landesregierung haben eine Absichtserklärung zum Bau einer neuen Einrichtung unterzeichnet und zugleich die Grundzüge des geplanten Versorgungskonzepts vorgestellt. Im Idealfall könnte die Klinik in drei Jahren ihren Betrieb aufnehmen.
Dabei soll in Wadern ausdrücklich kein klassisches Krankenhaus alter Prägung entstehen. Vorgesehen ist vielmehr eine sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung, in der ambulante, pflegerische und stationäre Angebote miteinander verbunden werden. Das geplante Modell erinnert damit in seinen Grundzügen an die Struktur der Regioklinik in Hermeskeil, bei der ebenfalls unterschiedliche medizinische Versorgungsangebote an einem Standort zusammengeführt werden.
Innere Medizin und Geriatrie
Kern des Waderner Konzepts ist eine wohnortnahe medizinische Anlaufstelle. Im stationären Bereich sind die Fachrichtungen Innere Medizin und Geriatrie vorgesehen. Ergänzend soll es unter anderem Möglichkeiten für ambulante Operationen, telemedizinische Leistungen sowie Angebote der Übergangs- und Kurzzeitpflege geben. Auch ein sogenanntes POCT-Labor für patientennahe Sofortdiagnostik ist geplant.
Damit soll die Einrichtung unterschiedliche Bedürfnisse abdecken: Patienten sollen vor Ort ambulant behandelt werden können, bei Bedarf soll aber auch eine stationäre Versorgung möglich sein. Reicht das Angebot für eine notwendige Behandlung nicht aus, ist eine Weiterleitung an größere Standorte der Knappschaft Kliniken vorgesehen. Genannt werden insbesondere die Häuser in Sulzbach und Püttlingen.
Gesundheitsminister Magnus Jung bezeichnete eine verlässliche und wohnortnahe Versorgung als Ziel der saarländischen Krankenhausplanung. Das neue Modell solle medizinische und pflegerische Angebote bedarfsgerecht bündeln und zugleich die ambulante Versorgung stärken.
Antwort auf veränderte Versorgungsstrukturen
Hintergrund des Projekts sind die Veränderungen der medizinischen Versorgung im Nordsaarland. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums mussten stationäre Angebote an mehreren Standorten wegen geringer Auslastung und fehlender wirtschaftlicher Tragfähigkeit reduziert werden. Gleichzeitig drohen ambulante Versorgungslücken – etwa durch unbesetzte Hausarztsitze und bevorstehende Praxisaufgaben. Der demografische Wandel dürfte diese Entwicklung zusätzlich verstärken.
Die geplante Einrichtung soll deshalb nicht einfach frühere Krankenhausstrukturen wiederherstellen. Stattdessen wird auf ein Modell gesetzt, das verschiedene Formen der Versorgung miteinander verbindet.
Bis zu 27 Millionen Euro
Die Investitionskosten für die neue Einrichtung werden derzeit auf 20 bis 27 Millionen Euro geschätzt. Das Land will Fördermittel für den stationären Teil bereitstellen. Bis tatsächlich gebaut werden kann, sind allerdings noch einige Schritte notwendig.
Zunächst müssen ein geeignetes Grundstück gesichert und die Voraussetzungen für eine baureife Planung geschaffen werden. Hinzu kommen Bauleitplanung, Erschließung und konkrete Bauplanung. Auch Finanzierungsfragen und Detailfragen mit den Krankenkassen müssen noch geklärt werden. Für den ambulanten Bereich sollen zudem geeignete Partner gewonnen werden.
Initiative ProHochwald
Die Initiative ProHochwald begrüßt die unterzeichnete Vereinbarung als wichtigen Etappenschritt. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass die eigentliche Umsetzungsarbeit jetzt erst beginne. Grundstück, Planung, Finanzierung und die Beteiligung weiterer Partner müssten möglichst rasch vorangebracht werden.
Für Wadern sei die Absichtserklärung damit ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer neuen Versorgungsstruktur. Für die Menschen im Hochwald dürfte vor allem interessant sein, wie sich das Modell in der Praxis bewährt.
Im Idealfall könnte die neue Einrichtung in Wadern bereits in drei Jahren den Betrieb aufnehmen. Bis dahin muss aus dem jetzt vereinbarten Konzept allerdings noch eine konkrete medizinische Versorgungsstruktur werden. (LeWe)