Mirjam will den Menschen die Angst vor dem Malen nehmen. Auf ihrem Instagram-Profil @snapcurated teilt sie regelmäßig ihre Arbeiten
Mit ihren Aquarellzeichnungen macht Mirjam derzeit auf Instagram auf sich aufmerksam. Doch ihre Kreativität zeigt sich nicht nur online: Sie gibt auch ehrenamtlich Malstunden im Altenheim. Dabei geht es ihr weniger um perfekte Bilder als um Begegnung, Freude und die Erfahrung: „Ich kann das“.
Kreativ war Mirjam schon als Kind. „Meine Mama hat gesagt, dass ich früher jeden Tag ein Bild gemalt habe“, erzählt sie. Über die Jahre probierte sie vieles aus – Linoldruck, Sticken, Häkeln – eben verschiedene DIY-Projekte. Aquarellmalerei reizte sie bereits schon sehr früh. Damals hatte sie noch nicht den richtigen „Anpack“, die Technik zu lernen. Der entscheidende Schritt kam später, als Mirjam in einem Verlag in Bonn arbeitete. Dort bekam sie die Möglichkeit, eine eigene Idee umzusetzen: ein Aquarellmagazin. Eine Redakteurin brachte ihr die Grundlagen bei, Mirjam malte Motive nach und lernte dabei verschiedene Künstlerinnen und Künstler und deren Stile kennen. Vieles von dem, was sie damals gelernt hat, prägt ihre Arbeit bis heute.
Wissen teilen
Ihr Wissen möchte sie nun weitergeben. Unter anderem bietet sie Malstunden im Hermeskeiler Seniorenheim an. Dabei ist sie froh über jede und jeden, der mitmacht – ob mit oder ohne „Hindernis“ wie zittrige Hände oder eingeschränktes Sehvermögen. Mirjam bringt Farben und Vorlagen mit und arbeitet, wenn nötig, mit Hilfsmitteln. Aus einer Vorlage wird ein überschaubarer Anfang, aus dem ersten Pinselstrich ein kleines Erfolgserlebnis. „Ich möchte die Angst nehmen, dass jemand sagt: Ich kann das eh nicht“, erklärt sie. Schließlich sei es am Ende nur ein Stück Papier. Es gehe nicht darum, ein perfektes Kunstwerk zu schaffen, sondern darum, einfach mal etwas Neues auszuprobieren. Die Rückmeldungen seien durchweg positiv.
Diese Leichtigkeit versucht Mirjam auch in ihre eigene Kunst mitzunehmen. Einen festen Stil habe sie noch nicht gefunden. Und überhaupt: Wer entscheide eigentlich, wie ein Aquarell aussehen müsse? „Wer ist die Aquarellpolizei?“, fragt sie augenzwinkernd. Oft gefallen ihr die Bilder anderer besser als ihre eigenen.
„Snapcurated“
Für Instagram begann sie irgendwann, Fotos von Menschen aus ihrem Bekanntenkreis zu suchen und daraus Aquarelle zu machen. Die Idee kam gut an. Die Porträtierten freuten sich über ihre gemalten Bilder – und Mirjam hatte ein neues Motiv gefunden. Sie malt ohnehin gerne für andere und entwickelt immer wieder neue Ideen. Eine davon ist ein „lebendiger Fotoautomat“: Menschen werden fotografiert und anschließend gemalt. Bei einer Hochzeit konnte sie damit bereits Geld für das Brautpaar und dessen Reise sammeln. Auch gemeinsame Malabende gehören zu ihren Ideen.
„Man kann den Leuten mal zeigen, dass es kein Hexenwerk ist.“ Dabei geht es Mirjam nicht nur ums Malen. Sie interessiert sich für die Geschichten hinter den Menschen. Im Altenheim begegnet sie unterschiedlichen Biografien. So erfuhr sie von einer Frau, dass ihre Mutter schon zu Kriegszeiten Bordüren in Zimmern gemalt hat. „Man kann über jeden Menschen ein Buch schreiben“, sagt sie.
Vielleicht ist genau das der Kern ihrer Arbeit: Mirjam malt nicht nur Bilder. Sie schafft Anlässe, bei denen Menschen zusammenkommen, sich ausprobieren und einander begegnen. Und wenn am Ende jemand sein Bild betrachtet und sich darüber freut, ist für sie schon viel erreicht. Mehr Impressionen zu ihrer Arbeit kann man sich auf ihrem Instagram-Profil @snapcurated anschauen. (LeWe)