Das "Ensamble Moxos" begeisterte vergangene Woche im Kulturkloster.
Besonderer Gast: Nicolás Renán Aguilera Arroyo, der Bischof aus Potosí (zweiter von rechts) war unter den Gästen und nutzte die Gelegenheit für einen Austausch mit Dekan Christian Heinz (zweiter von links).
Rund 80 begeisterte Konzertgäste erlebten in der vergangenen Woche im Kulturkloster einen besonderen musikalischen Abend: Das Ensemble Moxos aus San Ignacio de Moxos im bolivianischen Amazonasgebiet gastierte im Rahmen seiner Europatournee und nahm das Publikum mit auf eine eindrucksvolle „Reise durch Zeit und Raum“.
Das Konzert bildete zugleich den Auftakt der diesjährigen Franziskuswoche, die in diesem Jahr erstmals stattfindet und noch bis zum 10. Oktober andauert. Passender hätte der Auftakt kaum sein können: Die Musik des Ensembles erzählt von Begegnung, kulturellem Austausch, Identität und der Bewahrung eines über Jahrhunderte gewachsenen Erbes.
Musik als Verbindung zweier Welten
San Ignacio de Moxos liegt im bolivianischen Tiefland, mitten im Amazonasgebiet. Im 17. und 18. Jahrhundert gründeten Jesuiten dort Missionssiedlungen und Musikschulen. Zwischen europäischen Missionaren und den indigenen Bevölkerungsgruppen entwickelte sich ein intensiver kultureller Austausch. Die Moxos übernahmen europäische Instrumente und musikalische Formen, verbanden sie jedoch mit ihren eigenen musikalischen Vorstellungen und Instrumenten.
So entstand eine eigenständige musikalische Tradition, die heute als „Missionsbarock“ bekannt ist. Das Repertoire des Ensembles verbindet dabei traditionelle Barockmusik aus der Zeit der Jesuitenmissionen mit folkloristischen Weisen und eigenen Kompositionen.
Dabei ist die Geschichte keineswegs mit dem Ende der Jesuitenmissionen abgeschlossen. Als die Jesuiten 1767 ausgewiesen wurden, blieb die Musik in den Händen der indigenen Bevölkerung lebendig. Über Generationen wurden Melodien und Noten weitergegeben, abgeschrieben, verändert und weiterentwickelt. Noch heute werden die Saiteninstrumente des Ensembles im Heimatort San Ignacio von indigenen Geigenbauern gefertigt.
Ein lebendiges musikalisches Erbe
Was das Publikum im Kulturkloster erlebte, war deshalb weit mehr als ein Konzert mit historischen Klängen. Die Musik ist für die Moxos Teil ihrer eigenen Identität und zugleich eine Verbindung zu ihren Vorfahren. Neben den überlieferten Partituren spielen auch mündlich weitergegebene Gesänge und Melodien eine wichtige Rolle. Das Ensemble gibt dieser Musik ein neues Gesicht, ohne ihren ursprünglichen Geist aufzugeben.
Zum besonderen Charakter des Abends trugen auch die Tanzeinlagen bei. Musik und Bewegung verbanden sich zu einer Darbietung, die die Geschichte und kulturelle Vielfalt der Moxos unmittelbar erfahrbar machte.
Musik eröffnet Zukunftsperspektiven
Hinter dem Ensemble steht eine Musikschule in San Ignacio de Moxos. Seit vielen Jahren erhalten rund 400 Kinder und Jugendliche dort eine professionelle musikalische Ausbildung. Die Musik ist dabei nicht nur Möglichkeit, sich mit der eigenen Geschichte und den Vorfahren auseinanderzusetzen sondern eröffnet für sie auch eine Ausbildungs- und Zukunftsperspektive.
Die Arbeit des Ensembles und der Musikschule wird unter anderem durch internationale Konzertreisen und den Verkauf von CDs finanziert.
Besonderer Gast
Unter den Gästen war auch Bischof Nicolás Renán Aguilera Arroyo aus Potosí. Er hielt sich im Rahmen der Bolivienpartnerschaftswoche des Bistums Trier in der Region auf. Die Partnerschaft verbindet das Bistum Trier seit mehr als 65 Jahren mit der katholischen Kirche Boliviens und lebt vom gegenseitigen Austausch sowie von gemeinsamen Projekten, insbesondere in der Jugend- und Bildungsarbeit. (LeWe)