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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 42/2018
Aus dem Gerichtssaal
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Der "wahre Täter" bleibt im Dunkeln

Vor ein paar Wochen saßen die Brüder aus einem Hochwalddorf schon einmal auf der Anklagebank. Der Vorwurf: Falsche Beschuldigung. Wir erinnern uns: Ein anderer Dorfbewohner war von einem Hund, angeblich einem Rottweiler, angefallen worden und hatte den vermeintlichen Halter, einen der Brüder, beim Ordnungsamt angezeigt. Einen Rottweiler gab es aber weit und breit nicht, weshalb das Ordnungsamt nichts unternahm. Es folgte eine Anzeige gegen den Gebissenen wegen falscher Anschuldigung, aber auch dieses Verfahren wurde eingestellt. Das "Opfer" zeigte daraufhin im Gegenzug die beiden Brüder an.

In der ersten Hauptverhandlung gab es viele Widersprüche, auch bei verschiedenen Zeugen. Nur zwei Dinge waren, so Amtsgerichtsdirektorin Corinna Diesel, damals klar geworden: Das Opfer war von einem Hund angefallen worden und hatte ein Loch in der Hose, aber "Flocky", der Hund eines der Angeklagten, war es nicht gewesen. Das bestätigten jedenfalls alle, die ihn damals im Gerichtssaal sahen (RuH Nr. 29/2018).

Doch auch die weiteren Ermittlungen der Polizei, um die das Gericht nach Vertagung ersucht hatte, führten nicht zu einem anderen Ergebnis. Weder in dem Dorf noch am früheren Wohnort eines der Brüder, der angeblich bei dem bissigen Hund gewesen war, konnte festgestellt werden, dass in der Familie jemals ein Rottweiler gehalten wurde. Da blieb dem Gericht dann nichts anderes übrig als die beiden Angeklagten freizusprechen, was auch Oberstaatsanwalt Stemper gefordert hatte, weil - wie er sagte - "der Grundsachverhalt nicht aufklärbar" sei. Ob damit das "Dorfdrama" nun ein Ende hat, ist aber noch nicht abzusehen. Denn das Klima zwischen den Beteiligten ist offenbar dermaßen vergiftet, dass nun durchaus eine neue Gegenanzeige möglich erscheint, über die sich Staatsanwalt und Gericht bestimmt nicht freuen werden. (WIL-)