Titel Logo
Rund um Hermeskeil
Ausgabe 42/2020
1 - Titelseite
Zurück zur vorigeren Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Aus der Heimatgeschichte:

Der "Erbeskopf-Wein" wurde nicht abgeholt

Nachrichten aus der "Hochwald-Zeitung" vom letzten Oktober im 19. Jahrhundert

Teils muss es ein goldener, teils ein schnoddriger Oktober gewesen sein. Sonnenschein und Herbststürme hätten sich im drittletzten Monat vor der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert abgewechselt, ist in den vergilbten Blättern der „Hochwald-Zeitung“ nachzulesen. Unabhängig von den Launen der Witterung: Die Hochwaldbauern waren 1899 mit der Kartoffelernte sehr zufrieden. Ein Chronist hielt diese Zufriedenheit für die Nachwelt mit folgenden Worten fest: "Ein Zeichen, daß die Kartoffeln auch hier auf dem Hochwald schön gerathen sind, geht daraus hervor, daß Knollen von 1 ¾ bis über 2 Pfund Schwere in Menge ausgegraben werden. Die Keller reichen bei weitem nicht aus um die diesjährige Ernte unterzubringen. Verkauft wird der Centner zu 1,50-1,80 Mk."

• Zur Erbauung eines Turms auf dem Erbeskopf hatte sich eigens ein Verein konstituiert. Um das Aussichtsprojekt auf dieser stolzen Hochwaldhöhe seitlich zwischen Hermeskeil und Thalfang finanzieren zu können, wurde eine „Erbeskopfthurmlotterie“ arrangiert. Der Veranstalter monierte hinterher öffentlich, "daß eine große Anzahl von Gewinnen nicht abgeholt worden ist, darunter sogar der Hauptgewinn von 300 Flaschen feiner Weine. Da die gesetzte Frist zur Abholung der Gewinne abgelaufen ist, so sind die nicht abgeholten zugunsten des Vereins verfallen." Die Lotterie habe einen ungefähren Reingewinn von 9.000 Mark erbracht; "es fehlen mithin zur Erbauung des Thurmes noch einige Tausend Mark, welche durch außerordentliche Zuwendungen seitens des Hauptvereins, sowie der einzelnen Ortsgruppen aufgebracht werden sollen".

• Trotz eines stabilen Preisniveaus auf der Schwelle zur Jahrhundertwende: Die Geldkurse waren schon damals in Bewegung. Die Versteigerung von Ödland in Hermeskeil brachte ein erstaunliches Resultat: "Das frühere Dienstland des Gemeindeförsters erzielte pro Morgen über 400 Mark. Es ist dies ein Beweis, daß durch den Aufschluß der Eisenbahn das Land in unserer Gemeinde bedeutend an Werth gewonnen hat. Vor ca. 15 Jahren wurde der Morgen Ödland zu 25 - 30 Mk. versteigert, während bei der gestrigen Versteigerung der Morgen Ödland mit weit über 100 Mk. bezahlt wurde."

• Freudiges Ereignis in Achtelsbach bei Birkenfeld: "Gestern wurde einem hiesigen Bürger der siebente Sohn getauft. Da sämmtliche sieben Söhne am Leben sind, hatte Se. Kgl. Hoheit, der Großherzog von Oldenburg, die Pathenstelle zu übernehmen geruht; der hohe Pathe hatte zugleich den beglückten Vater mit einem Pathengeschenk von 30 Mk. erfreut."

• Großer Auftrieb beim oktoberlichen Schweinemarkt in Hermeskeil: "Fast aus allen Ortschaften des Hochwaldes waren Verkäufer wie Käufer anwesend, daher das Handelsgeschäft ein sehr lebhaftes. Es wurden bezahlt für das Pfund Schlachtgewicht 48 - 54 Pfg., Ferkel im Alter bis zu 10 Wochen Mk. 15 - 18. Der Markt dauerte bis gegen 2 Uhr."

• Die Wetterkapriolen im Herbst vor 120 Jahren werden auch in folgender Notiz bestätigt: "Wie an der Ahr, so sind auch an der Mosel in der vergangenen Nacht in den hohen Lagen, sowie in einzelnen Seitenthälem die Trauben erfroren."

• Aus dem Raum St. Wendel - die genaue Ortsangabe fehlt in der "Hochwald-Zeitung" von 1899 - wurde folgende Schmunzelmeldung publiziert, die man auch in eine Rubrik "Herbst des Lebens" einordnen könnte: "Sollte da vor einiger Zeit eine Hochzeit aus der Landgemeinde stattfinden. Die Glocken läuten, der Küster ist am Platze, der Pfarrer erscheint und in den Kirchenstühlen sitzt ein älterer Mann ditto ein Mütterchen. Das Geläute verstummt, aber von einem jugendlichen Brautpaare will sich nichts zeigen. Der Küster begibt sich auf die Suche nach dem Brautpaar und hält Umschau in verschiedenen nächstgelegenen Wirtschaften - ohne Erfolg. Endlich macht auch der Geistliche, des langen Wartens müde, eine Bemerkung bezüglich der Unpünktlichkeit der zu Trauenden und da stellt sich dann heraus, daß das Brautpaar in Gestalt der im Stuhle sitzenden Alten schon längst vorhanden ist und auch voll Ungeduld wartet, bis es zum gemeinschaftlichen Gange durch’s Leben zusammengethan wird."

• Im Oktober 1899 tagte auch das Hermeskeiler Schöffengericht: "Max W. zu Nonnweiler, welcher wegen unberechtigten Fischens angezeigt worden war, wurde freigesprochen."

(veröffentlicht in RuH Nr. 46/1979)