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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 43/2018
Aus dem Gerichtssaal
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Ein Irrtum mit (beinah) schlimmen Folgen

Die junge Frau auf der Anklagebank macht keinen schlechten Eindruck. Sie hat zwar schon mal eine Strafe wegen Diebstahl kassiert, aber diesmal ist sie sich keiner Schuld bewusst. Als sie in die neue Wohnung eingezogen ist, ist dort noch kein Backofen, nur eine Kochplatte. Doch der Vermieter sichert ihr zu, dass sie einen Herd bekommt. Als sie einige Zeit später von einem Krankenhausaufenthalt nachhause kommt, steht direkt neben ihrer Wohnungstür ein Herd im Hausflur. Und als das nach einer Woche immer noch der Fall ist, bittet sie eine Freundin, ihr zu helfen, ihn in die Wohnung zu schaffen, weil sie glaubt, dass es der ihr versprochene ist. Doch das entpuppt sich als Irrtum, denn der Herd gehört der Wohnungsnachbarin, bei der gerade die Küche renoviert wird. Allen Mietern im Haus hat sie, so erklärt sie im Zeugenstand, Bescheid gesagt - außer der Angeklagten, die sie nicht angetroffen hat. Die war zu der Zeit ja im Krankenhaus. Und ein gutes Verhältnis haben die beiden Frauen - das merkt man - offenbar auch nicht zueinander. Die Nachbarin ruft die Polizei und erstattet Anzeige wegen Diebstahls.

"Es war keine Absicht", beteuert die Angeklagte und entschuldigt sich noch einmal offiziell bei der Frau. Sie hätte den Herd nicht an sich genommen, wenn sie gewusst hätte, dass er der Nachbarin gehörte, und sagt: "Es war ein Fehler, dass ich nicht beim Vermieter nachgefragt habe." Das sehen Richterin Corinna Diesel und Oberstaatsanwalt Stemper genauso. Aber sie sind milde gestimmt und kommen überein, dass das Verfahren eingestellt werden kann. Der Angeklagten geben sie mit auf den Weg: "In Zukunft lieber einmal zu viel fragen als zu wenig!" Denn gerade wenn man im Haus ein schlechtes Verhältnis habe, müsse man, so die Richterin, ein besonderes Verhalten an den Tag legen. (WIL-)