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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 43/2018
2 - Hermeskeiler Stadtnotizen
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"Begegnungsstätte für alle Altersstufen"

Stadtrat beschäftigt sich erneut mit Jugendraum Abtei - Jugendpfleger und Förderverein kommen zu Wort

"Halb Abtei" (oder wie man in Trier sagen würde: "Milliuhnen Abteier") war(en) zur letzten Stadtratssitzung ins Rathaus gekommen, um die zweite Runde der Debatte um den dortigen Jugendraum mit zu verfolgen. Stadtbürgermeister Queck hatte Vertreter des Fördervereins Abtei und Dominik Krämer, den Jugendpfleger der Verbandsgemeinde, zu dieser Sitzung eingeladen, nachdem im Stadtrat der Ruf nach einer Rückforderung des Zuschusses für den Jugendraum aufgekommen war (RuH berichtete).

Wir erinnern uns: Nachdem die SPD-Fraktion im Stadtrat erfahren hatte, dass die Abteier Jugend einen Jugendraum suchte, stellte man sich (und dem Stadtbürgermeister) die Frage, wofür die Stadt im Jahr 2015 eigentlich einen Zuschuss von 15000 Euro für die Errichtung eben eines solchen "Jugendraums" im Pfarrheim Abtei gezahlt hatte. Moniert wurde seinerzeit, dass es sich hierbei lediglich um einen mit einer mobilen Trennwand ausgestatteten abteilbaren Raum in dem Gebäude handelte, der von der Jugend nicht frei nach Belieben genutzt werden kann.

Genau das bestätigte der Jugendpfleger nun wieder, der einen chronologischen Überblick gab: Als er vor etwas mehr als einem Jahr mit der Abteier Jugend Kontakt aufnahm, sei dort "der Wunsch nach einer alternativen Räumlichkeit vorhanden" gewesen. Anfang 2018 habe man sich daher umgesehen und Räumlichkeiten unter der Kapelle in Abtei ins Auge gefasst, wofür damals auch seitens des Verwaltungsrats "die Machbarkeit in Aussicht gestellt" worden sei. Allerdings sei es erst im September 2018 gelungen, eine Struktur in der Jugendgruppe - Vorsitzender, Kassierer, Schriftführer - anzulegen; vorher habe es wenig Engagement gegeben. Kurz darauf sei aber die Nutzung der Räume unter der Kirche - u.a. aus Brandschutzgründen - abgelehnt worden. Man sei daher jetzt bemüht, zu einer "jugendfreundliche Nutzung" des "Raumteils" im Pfarrheim zu kommen. Das sei zwar "mit Sicherheit nicht optimal", weil so keine Selbstverwaltung und keine Autonomie der Jugendgruppe möglich sei, aber man müsse halt mit der vorhandenen Struktur arbeiten.

Zuvor hatte Doris Vellmann, Schriftführerin des Fördervereins Abtei, ein "flammendes Plädoyer" für dessen Arbeit gehalten. Nach ihren Ausführungen "gibt es einen Jugendraum, der genauso eingerichtet ist, wie es mit der Stadt vereinbart wurde". Er sei nicht so, wie vom Verein und der Jugend gewünscht, aber der HFA der Stadt habe das seinerzeit so entschieden, wozu sie aus dem Protokoll einer (damals noch nichtöffentlichen?) Sitzung zitierte. In Abtei habe es, so Vellmann, seit sie dort wohne so gut wie keine Jugendarbeit gegeben. Der Förderverein habe in den letzten Jahren versucht, etwas für die Dorfgemeinschaft zu tun und das Pfarrheim in eine "Begegnungsstätte für alle Altersstufen" umgewandelt. Dort hätten schon Kinoabende für Kinder und Jugendliche, Konzerte und Nikolausfeiern stattgefunden. Außerdem gebe es einmal im Monat die "kleine Dorfwirtschaft", bei der das Pfarrheim stets voll besetzt sei. Man habe inzwischen auch den Jugendraum teilweise eingerichtet und er sei "letzte Woche erstmals genutzt" worden. Man sehe also: Das Dorfleben in Abtei habe einiges an Attraktivität gewonnen. Vellmann wörtlich: "Dieses bürgerschaftliche Engagement des Fördervereins zeigt der Jugend, was soziale Kompetenz ist. Bitte unterstützen Sie das!"

Der Stadtbürgermeister ("Dank und Anerkennung für dieses bürgerschaftliche Engagement"), aber auch viele Ratsmitglieder lobten das Engagement des Fördervereins. Ottmar Muno (Piraten) sagte: "Es verdient Achtung, was in Abtei geschaffen wurde", Markus Forster (CDU) meinte: "Wir sollten dieses bürgerliche Engagement loben statt tadeln". Auch Lena Weber (SPD) stimmte zu: "Es ist absolut lobenswert, dass die Abteier so engagiert sind", stellte aber die berechtigte Frage, warum die Jugend in Abtei auf der Suche nach einem Raum sei, den sie nutzen könne, wie sie es gerne hätte. René Treitz pflichtete dem bei und verwies nochmals darauf, dass man auf das Problem ja überhaupt erst aufmerksam geworden sei, als man erfahren habe, dass die Jugend in Abtei einen Jugendraum suche.

Am Ende akzeptierten alle im Rat, dass man jetzt versuchen muss, das Beste für die Abteier Jugend zu erreichen, will heißen, dass "unter der Regie des Jugendpflegers eine Nutzungsstruktur erstellt wird, mit der die Jugendlichen im Stadtteil leben können" (Stadtbürgermeister Queck), damit "wir nicht in ein paar Monaten nochmal darüber reden müssen" (SPD-Sprecher Treitz). Auch für die FWG geht die Sache in Ordnung, wenn - so Berthold Grenz - der Jugendpfleger bestätigt, dass er damit für die Jugendarbeit in Abtei leben kann. (WIL-)

Standpunkt: Thema verfehlt!

Was ist ein "Jugendraum"? Um diese Frage ging es letztlich im Stadtrat, doch darüber wurde kaum gesprochen. Stattdessen wurden die Leistungen und Verdienste des Fördervereins Abtei umfangreich ausgebreitet, die ja niemand jemals ernsthaft bestritten hat. Natürlich ist es ein großer Gewinn für den Stadtteil, dass es einen solchen Verein gibt, dessen Mitglieder sich mit großem Engagement ehrenamtlich für ein besseres (Zusammen-)Leben der Bürger einsetzen. Niemand zweifelt hieran und niemand hat diese vorbildliche und anerkennenswerte Arbeit als solche kritisiert. Zur Debatte stand in der Stadtratssitzung eigentlich nur die Frage, ob es sich bei dem durch eine mobile Wand abtrennbaren Raum im Pfarrheim um einen "Jugendraum" handelt. Dieses Thema wurde von den meisten verfehlt. Nur beim Jugendpfleger kam die Antwort - wenn auch nur in Umschreibungen - zum Ausdruck: Wenn er sagt, in dieser Form sei die Möglichkeit der Autonomie nicht gegeben, es sei keine Selbstverwaltung der Jugendgruppe machbar, ist das ein mehr oder weniger klares "Nein". Denn es macht ja gerade einen "Jugendraum" aus, dass sich die Jugend dort ungestört treffen kann, wann immer sie will und nicht erst fragen muss, ob der Raum frei ist - egal, mit welcher Problematik das in den Dörfern oft verbunden ist. Das ganze Pfarrheim in Abtei mag eine „Begegnungsstätte für alle Altersstufen“ sein, einen „Jugendraum“ im eigentlichen Sinne hat man dort aber nicht. Bleibt zu hoffen, dass sich am Ende tatsächlich eine Lösung findet, mit der alle - vor allem die Jugendlichen in Abtei, aber auch die Zweifler im Stadtrat - zufrieden sein können.

Bernd Willems