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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 44/2018
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Archäologen entdecken keltisches Heiligtum bei Hermeskeil

Professor Sabine Hornung und Grabungsleiter Patrick Mertl (stehend) mit vier Studenten bei der Ausgrabung bei Hermeskeil. Es handelt sich um eine Lehrgrabung, bei der die Studenten bereits im Studium forschen und Geländeerfahrung sammeln.

Die Archäologin Sabine Hornung zeigt an der Ausgrabungsstätte die Überreste eines antiken Vorratsgefäßes.

Kultstätte einer Treverersiedlung aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert

Bei den jüngsten Ausgrabungen auf der Hermeskeiler Flur hat die Archäologin Prof. Sabine Hornung von der Universität des Saarlandes mit ihrem Grabungsteam ein keltisches Heiligtum entdeckt. Einzelheiten dazu veröffentlichte die Saar-Universität am Mittwoch der vorigen Woche. Das Holzgebäude ist im ersten vorchristlichen Jahrhundert durch ein Feuer zerstört worden.

Die Form des Baus und Vergleiche mit entsprechenden keltischen Bauten legen den Schluss auf seine Funktion als Kultstätte nahe. Derzeit werten die Archäologen die Funde aus und bringen sie mit dem 2012 von Sabine Hornung, die seinerzeit noch an der Uni Mainz tätig war, entdeckten römischen Militärlager in Verbindung. Ziel ist, die Ereignisse zur Zeit des Gallischen Krieges in der Region zu rekonstruieren und so ein Stück Weltgeschichte neu zu schreiben.

Das einstige Holzgebäude hatte eine Größe von etwa sechs auf sechs Meter. „Seine Lage, sein Grundriss, die gesamte Fundsituation und Erfahrungen aus vergleichbaren Funden bei anderen Ausgrabungen sprechen dafür, dass es sich um ein keltisches Heiligtum handelt“, erklärt Sabine Hornung. Die Kelten, die hier wohnten, hielten dort religiöse Riten abund brachten ihren Göttern Opfer dar - Tiere, Gegenstände, mitunter sogar Menschen, sagt die Archäologin.

Menschliche Überreste fand das Grabungsteam allerdings nicht. „Knochen zersetzen sich in dieser Art saurem Boden recht schnell“, erklärt Grabungsleiter Patrick Mertl, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Sabine Hornung. Auch von der einstigen Holzkonstruktion der Kultstätte ist nichts erhalten. Archäologie-Studenten legten bis September etwa 40 Zentimeter unter der Erdoberfläche unter anderem die wannenförmigen Gräben frei, in denen die Fachwerkschwellen des Heiligtums, also die unteren Holzbalken der Konstruktion, lagen. Im Umfeld fanden die Archäologen Keramikscherben. Direkt an einer der ehemaligen Seitenwände gruben sie Überreste eines antiken Vorratsgefäßes mit Deckel aus. Vor dem Heiligtum waren vermutlich zwei mächtige Holzpfosten mit Steinen in der Erde verankert, von denen heute Pfostengruben mit Befestigungssteinen zeugen. „Gut möglich, dass an diesen Pfosten Waffen oder Schilde befestigt wurden“, vermutet Mertl. Möglicherweise befand sich schon früher, also vor dem Holzbau, an dieser Stelle eine noch ältere Stätte.

Treverersiedlung bei Hermeskeil

Die Kultstätte liegt in einer Siedlung des keltischen Stamms der Treverer, die Sabine Hornung bereits bei früheren Forschungen entdeckt hatte. „Diese Fundstelle ist dorfartig mit lockerer Bebauung, etwa fünf Hektar Fläche“, sagt sie. Das entspricht einer Größe von über fünf Fußballfeldern. Nur wenige hundert Meter entfernt befand sich das römische Militärlager, das in das Jahr 51 vor Christus datiert werden konnte: also in die Zeit des von Julius Cäsar geführten Gallischen Krieges. Es war 2012 das älteste bekannte Militärlager auf deutschem Boden, heute ist es – nach Funden in Limburg, an deren Bearbeitung Hornung auch beteiligt war – eines der drei ältesten. Zwischen 5.000 und 10.000 römische Soldaten waren Hornungs Schätzungen zufolge dort über Monate stationiert. Mit den neuen Ausgrabungen im weiteren Umfeld des Militärlagers fördert die Archäologin weiter Weltgeschichte ans Tageslicht: Ihr geht es darum, herauszufinden, was sich vor 2.000 Jahren in der Region zugetragen hat und so auch neue Erkenntnisse zum Gallischen Krieg beizutragen.

Was damals genau mit dem jetzt entdeckten keltischen Heiligtum passiert ist, versuchen die Saarbrücker Archäologen zu klären. Fest steht, dass der Bau – ebenso wie die umliegende Siedlung – niederbrannte. Die Archäologen fanden überall typische Brandspuren. Ob die Römer aus dem Militärlager die Siedlung in Schutt und Asche gelegt haben, liegt aber noch im Dunkeln. „Hieran forschen wir. Wir versuchen zu klären, ob die Siedlung bestand, als die Römer kamen, und wenn ja, was passiert ist. Wenn nein, wollen wir herausfinden, wann die Siedlung gegründet und warum sie zerstört wurde“, sagt Sabine Hornung. „Wir wollen so viel wie möglich über die Besiedlung und die Geschehnisse herausfinden, um die Geschichte präzise rekonstruieren zu können“, ergänzt sie.

Gefunden haben die Forscher die Überreste der archäologischen Strukturen im Erdboden mit Hilfe moderner Technologien. „Wir haben hierzu mit den Studierenden geomagnetische Prospektionen durchgeführt, die uns ohne in den Boden einzugreifen bereits wertvolle Informationen über archäologisch relevante Strukturen liefern. Auf Basis dieser Messungen haben wir dann unsere Grabungsfläche gewählt“, erläutert Patrick Mertl, Spezialist für geophysikalischen Auswertungen. Im Rahmen der Ausgrabung erstellten die Forscher auch digitale 3D-Modelle. „Diese errechnen wir mittels sogenannter Structure from Motion (SfM) Software aus Digitalfotos der Grabungsflächen. Diese Modelle machen uns möglich, die Grabungsflächen auch im Büro später dreidimensional von allen Seiten zu betrachten“, sagt Mertl.

Öffentlicher Vortrag

Am Dienstag, dem 6. November, gibt Sabine Hornung um 18 Uhr im Wissenschaftsforum der Universitätsgesellschaft des Saarlandes in der Aula auf dem Saarbrücker Campus (A3 3) Einblicke in ihre neuesten Forschungen: Zum Vortrag „Julius Caesar und die Treverer – Aktuelle Forschungen zum römischen Militärlager Hermeskeil und seinem Umfeld“ sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Um Anmeldung wird gebeten: unigesellschaft@uni-saarland.de.

Quelle: Universität des Saarlandes