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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 45/2018
Aus dem Gerichtssaal
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Wenn zwei sich streiten...

Ob die Angeklagte ihr Handy als „Waffe“ benutzt hat, kann im Prozess vor Amtsgerichtsdirektorin Corinna Diesel nicht geklärt werden. Das ist ihr Glück, denn sonst wäre es eine schwere Körperverletzung gewesen. Weil es genausogut sein kann, dass das Handy nur zufällig auf der Nase der anderen landete, als die Angeklagte sie an den Haaren gezogen und zu Boden gebracht hat, wird es von Oberstaatsanwalt Stemper und dem Gericht strafrechtlich nur als „einfache“ Körperverletzung gewertet.

Vorausgegangen ist ein Familienstreit. Weil ein junger Mann nicht mehr bei seinem Vater wohnen bleiben will, zieht er zur Familie seiner Schwester, der Angeklagten, in einen Haushalt mit fünf kleinen Kindern, und bringt auch noch seine Freundin mit. „Am Anfang hatten wir ein ganz gutes Verhältnis“, schildert die Angeklagte und erzählt, dass sie der Freundin bei allen möglichen Dingen wie Jobs, Anträgen und Wohnungssuche geholfen hat. Aber weil der Bruder und seine Freundin sich nachts öfter lautstark streiten und die Kinder davon wach werden, kommt es bald zu Problemen, die darin enden, dass die Angeklagte die Freundin vor die Tür setzt. Der offene Streit der beiden jungen Frauen setzt sich auch auf der Arbeit fort, weil beide im selben Geschäft arbeiten und sich da nicht immer aus dem Weg gehen können.

Eines Tages, als die Angeklagte vor dem Geschäft gerade mit ihrem Bruder reden will und die Freundin dazu kommt, gibt es handfesten Streit zwischen den jungen Frauen. Die Angeklagte gibt zu, dass sie die andere an den Haaren gezogen und zu Boden gebracht hat, ehe sich der Bruder einmischen kann, um die beiden zu trennen. Bei der Aktion landet das Handy der Angeklagten auf der Nase ihrer Kontrahentin. Doch die Frage des Anklägers, ob sie es zum Schlagen benutzt hat, verneint die Frau: „Ich hatte es nur in der Hand“. Zwar meint die Freundin des Bruders, die als Zeugin aussagt, dass die Angeklagte sie „mit Absicht“ mit dem Handy geschlagen hat, aber beweisen kann sie das nicht. Ihr Freund, der Bruder der Angeklagten, macht von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und sagt nichts. Es steht damit Aussage gegen Aussage.

Für die einfache Körperverletzung gibt es am Ende eine milde Strafe: Die Angeklagte wird verwarnt, eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 8 Euro wird zur Bewährung auf ein Jahr, in dem sie straffrei leben muss, wird vorbehalten. „Solche Dinge sollte man vermeiden“, mahnt die Richterin am Ende, denn „wenn jemand hinterher zur Polizei geht, ist es halt eine Körperverletzung“. Weil der Staatsanwalt und die Angeklagte das Urteil annehmen, wird es sofort rechtskräftig. (WIL-)