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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 45/2018
2 - Hermeskeiler Stadtnotizen
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Gut vernetzt zu sein zahlt sich aus

Karen Alt, das "pädagogische Gesicht" des Familiennetzwerks Hafen, koordiniert Projekte und knüpft Verbindungen in ihrem Büro im MGH Johanneshaus

Familiennetzwerk HAFEN im MGH Johanneshaus als zentrale Anlaufstelle

Die erste Frage - warum ein Familiennetzwerk „Hafen“ heißt - beantwortet Karen Alt, Koordinatorin und Ansprechpartnerin der Einrichtung anschaulich: Ein Hafen ist ein Ort, in dem immer viel los ist, man kann dort anlegen und verweilen, etwas abgeben und etwas mitnehmen. Und außerdem heißen in Dänemark alle Kitas „Hafen“. RuH wollte diese Einrichtung, die vielleicht gute Chancen hat, im nächsten Jahr den deutschen Kita-Preis zu erhalten (s. RuH Nr. 44/2018), näher kennenlernen.

Karen Alt ist „das pädagogische Gesicht“ des Hafens, der im Hermeskeiler MGH Johanneshaus untergebracht ist. Bei ihr laufen alle Fäden zusammen. Das „Gesicht der Pfarrei“ sei Diakon Andreas Webel, sagt sie. Von Hause aus Erzieherin, hat Karen Alt eine Zusatzqualifikation als Elternbegleiterin erworben und steht seit fünf Jahren jungen Familien in so gut wie allen Lebenslagen mit Rat und Tat zur Seite.

Die Idee dafür wurde vor acht oder neun Jahren schon geboren. Weil junge Familien immer weniger in der Kirche vertreten waren, suchte man seitens der katholischen Pfarrei einen Weg, um auf sie zuzugehen. So entstand in Trägerschaft der heutigen Pfarrgemeinde St. Franziskus und der Kita gGmbH - zu der die Kitas Adolph-Kolping und Rosa Flesch in Hermeskeil sowie die Kita St. Wendalinus in Beuren gehören - und in Kooperation mit der städtischen „Villa Kunterbunt“ (Hermeskeil) und dem MGH Johanneshaus ein umfassendes Netzwerk, das für Familien im Hochwald inzwischen zu einer wichtigen Anlaufstelle geworden ist. Finanziert wird es unter anderem aus dem „Kita!Plus“-Projekt des Landes Rheinland-Pfalz.

Ziel ist es, Familien unabhängig von Konfession, Religion oder Kultur zu begleiten und unterstützen, wobei Familien in finanzieller Armut, mit Migrationshintergrund oder mit besonderem Bildungs-, Beratungs- und Betreuungsbedarf im Vordergrund stehen. Aber auch alle anderen Familien erhalten Rat und Hilfe im Rahmen ihres Unterstützungsbedarfs.

Ihr größter Vorteil sei dabei, so Karen Alt, dass sie hier im Hochwald zuhause sei (sie stammt aus Hermeskeil und wohnt in Geisfeld). Dadurch kenne sie die Lebensverhältnisse gut, aber auch die Strukturen in Einrichtungen und Verwaltungen vor Ort und wisse deshalb in der Regel, wer wofür zuständig sei und wen sie ansprechen müsse, wenn ein Problem an sie herangetragen werde. Man kenne sich und sei auch bestrebt Kräfte zu bündeln. „In den fünf Jahren ist da schon ein ganz tolles Netzwerk gewachsen, das sich ständig erweitert“, erklärt sie nicht ohne Stolz.

Grundidee sei am Anfang gewesen, die Elternarbeit in den Kitas zu unterstützen und begleiten, um die Einrichtungen zu entlasten. Inzwischen habe man auch „die ganz jungen“ Familien mit ins Boot genommen, die man vor und während einer Schwangerschaft und nach der Geburt berate. Beratung sei hier insbesondere deshalb dringend erforderlich, weil es weit und breit keine Entbindungsstation mehr gebe, sagt Karen Alt und erzählt: „Als ich meine Kinder bekommen habe, war das hier noch ‚Luxus pur‘, weil alles in einer Hand war: Geburtsvorbereitung, Entbindung, Säuglingspflegekurs, Rückbildung, Krabbelgruppe usw. – das alles fand in einem Haus statt.“ Heute müssten die Familien das alles zusammensuchen. Dafür gibt es seit einiger Zeit immerhin einen „runden Tisch“ mit dem Namen „Start-up Familie“, an dem z.B. auch Hebammen und Kinderärzte mit von der Partie sind.

Das Netzwerk Hafen orientiert sich am Sozialraum, indem es aktiv auf Familien zugeht, z.B. an Elternabenden und bei Informationsveranstaltungen in den Kitas, und regelmäßig Bedarfsumfragen durchführt. Daraus sind in der Vergangenheit schon zahlreiche Aktionen entstanden, an denen sich Eltern beteiligten, wie Spielplatzprojekte (z.B. der Hermeskeiler Bolzplatz oder – in Zusammenarbeit mit der Karl und Katharina Heil-Stiftung – die Kletterpyramide im Stadtpark), Musikprojekte, ein großer Familientag, Elternfrühstück und Elterncafé, Erste Hilfe-Kurse für Eltern und Babysitterkurse, aber auch ein „runder Tisch Übergang Kita/Grundschule“, bei dem sich regelmäßig Kita- und Schulleitungen und soziale Einrichtungen und Institutionen austauschen.

Weil – so Karen Alt – „der gesellschaftliche Wandel auch bei uns angekommen ist“, gibt es auch immer Bedarf an Kinderbetreuung durch Tagesmütter, die das Netzwerk vermittelt, und inzwischen sogar eine „Babysitter-Börse“ im Hafen: Es gibt „einige Mädels im Bestand“, die Karen Alt bei Bedarf vermittelt, wenn eine Familie anruft. Auch bei Elternprojekten wird die Betreuung der Jüngste durch ein „Kinderteam“ organisiert.

Familien mit Migrationshintergrund treten im Hafen eher selten auf. Karen Alt sagt, die meisten hätten ihre Kinder in der Kita Adolph-Kolping. Dort gebe es schon ein sehr gutes Angebot wie z.B. das internationale Café, das abwechselnd in der Kita und im MGH stattfinde. Auch im MGH selbst sei ja eine Anlaufstelle für sie vorhanden.

Die letzte Frage, ob denn im Hafen auch eine Art Missionsarbeit stattfinde, verneint Karen Alt: „Ich komme nicht mit dem Kreuz in der Hand zum Elterncafé.“ Man hole die Menschen da ab, wo sie ständen und gehe vorbehaltlos auf sie zu. Irgendwie nähmen die Eltern schon wahr, „dass Hafen auch Kirche ist“. Doch das habe auch nichtreligiöse Menschen bisher nicht vom Mitmachen bei Projekten abgehalten. (WIL-)

Kontakt: Familiennetzwerk Hafen, Ansprechpartnerin Karen Alt, Tel.: 0160 9293 6992, Mail: hochwaelder-familiennetzwerk@kita-ggmbh-trier.de.