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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 45/2019
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Das waren noch Zeiten!

Die Hochwaldbahn musste sich früher wegen ihrer Gemächlichkeit manchen Spott gefallen lassen, und noch heute werden davon nette Geschichten schmunzelnd erzählt. So soll sich auf dem Bahnhof Lampaden ehemals in den 1890er Jahren folgendes zugetragen haben:

Da war Matz, der Briefträger, der jeden Morgen in Lampaden zu seinem Freund auf die Lokomotive gestiegen und mitgefahren ist. Meistens stand er schon da, wenn der Zug einlief. Wenn er nicht da stand, wartete der Zug auf ihn. Es war eine ausgemachte Sache, dass einer auf den anderen wartete. Eines Morgens hat es dem Lokomotivführer doch gar zu lange gedauert, bis der Briefträger kam. Es war schon eine Viertelstunde über die Zeit, und der Matz war immer noch nicht da. Die Lokomotive pfiff immer wieder schrill, das sollte das Signal für den Säumigen sein. Die wenigen Leute, die im Zuge waren, streckten neugierig die Köpfe zum Fenster heraus und sahen, wie der Briefträger endlich ankam. Er stieg aber nicht wie sonst auf die Lokomotive, sondern ging stolz wie ein Spanier am Zug vorbei. Das wurmte den Lokomotivführer, und er rief ärgerlich: „Na Matz, fährschde haut net met?“ Aber der Matz stapfte eilig weiter, drehte nur den Kopf und rief: „Nä ich han et haut eilig, ich gehn zu Fuß!“

(RuH Nr. 32/1964)