Titel Logo
Rund um Hermeskeil
Ausgabe 48/2019
3 - Aus den Hochwaldgemeinden
Zurück zur vorigeren Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Aus der Heimatgeschichte

Die Stromversorgung

Der lange Weg bis zum elektrischen Licht von Günter Dellwo

Die ersten Lampen wurden vermutlich aus Steinen gefertigt, die eine natürliche Aushöhlung besaßen. Diese füllte man mit Tierfett. Als Docht diente eine Binse oder ein zerkauter Zweig. Die Weiterentwicklung dieser einfachen Lampen stellten die Binsenlichter dar. Die ersten Kerzen wurden aus reinem Bienenwachs fabriziert. Hiernach kam Rapsöl in Gebrauch. Im Jahre 1859 setzte sich das Petroleum durch. Die ursprüngliche Öllampe bestand aus einem geschlossenen Behälter für das Öl, aus dessen Deckel ein Docht hervorragte. Durch die Verbrennung des Öls, die unter starker Entwicklung von Qualm und Gestank erfolgte, wurde eher eine minimale Menge Licht erzeugt. Doch die wesentlichste Verbesserung der Öllampen war die Erfindung des Glaszylinders.

Es ist weder möglich, einen (und nur einen) bestimmten Erfinder der Petroleumlampe zu benennen, noch ist ein Jahr ihrer Erfindung bekannt. Petroleum-Glühlicht-Lampen sind eine Kombination von Docht- und Starklichtlampe. Diese Lampen saugen den Brennstoff mit Hilfe eines Dochtes aus dem darunterliegenden Tank. Um das Jahr 1807 schuf ein Deutscher namens Friedrich Albert Winsor (1763-1830) die erste Gasbeleuchtung. Es dauerte fast 100 Jahre, ehe das Gaslicht, obwohl es in Mühlen und in Fabriken und zur Straßenbeleuchtung in großen Städten schon weithin verwendet wurde, auch in den Privathäusern mit einem Glühstrumpf seinen Einzug hielt. Bald jedoch wurde die Gasbeleuchtung in den großen Städten, die Petroleum und Karbidlampen auf dem Lande, von ihrem größten Rivalen abgelöst, denn mit Beginn des vorigen Jahrhunderts trat die Elektrizität ihren Siegeszug an. Mit den Erfindungen des Doppel-T-Ankers (1856) und der Dynamomaschine (1866) begründete Siemens die öffentliche Stromversorgung die rasch die Einführung der elektrischen Straßenbeleuchtung (1882) folgte. Obwohl es elektrische Lampen schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gab, setzte sich die elektrische Beleuchtung erst nach der Erfindung des ersten brauchbaren Kohledrahtes für Glühbirnen durch Thomas Edison im Jahre 1879, langsam durch.

Gusenburg wird recht früh mit Strom versorgt

Die Gemeinde Gusenburg hatte bereits am 07.Januar 1913 mit der Stadtgemeinde Trier einen Vertrag geschlossen, indem es heißt: Die Stadtgemeinde Trier erhält die Konzession zur Lieferung von elektrischer Energie für die Zwecke der Beleuchtung, Heizung, Kraftentnahme usw.

Doch ehe man mit der Zuleitung aus Richtung Hermeskeil beginnen konnte, begann der 1. Weltkrieg, der Fortschritt wurde erst mal gestoppt Nach Aussagen des am 14.01.1992 verstorbenen Johann Anell, wurde dann Anfang 1919 mit den Arbeiten begonnen. Johann Anell gehörte zu den Arbeitern der ausführenden Firmen. Das Masten stellen und das Verlegen der notwendigen Leitungen vom Transformator der ehemaligen Brauerei in Hermeskeil durch das Trichelbachtal über „Knoob“ nach Gusenburg, dauerte dann bis Ende September 1919. „Nun endlich ging uns ein Licht auf“!

Zu Anfang waren die Bürger von Gusenburg, und sicherlich auch anderswo, mit der neuen Lichtquelle nicht ganz einverstanden, vor allem weil es Geld kostete, von dem man nur wenig hatte. Die erste 15-Watt-Birne brannte über der Tür von „Futterküche und Stall“. (Über der Tür war eine Aussparung, sodass man mit einer Lampe gleich zwei Räume mit Licht versorgen konnte). Man begnügte sich zunächst mit zwei bis drei Brennstellen, weil man die Kosten scheute. Als später weitere Lampen mit 25 Watt bzw. 40 Watt hinzukamen, passierte es schon mal, dass die Sicherung durchbrannte. Nachdem man die Vorzüge der neuen Lichtquellen erkannte, war der Fortschritt nicht mehr aufzuhalten.

In der Gemeinderatssitzung vom 05. Juni 1930 unter dem Vorsitz von Gemeindevorsteher Adam Anton und den gewählten Ratsmitgliedern Weber, Heck, Großmann, Barthen und Schömer wurde über nachstehende Gegenstände beraten und beschlossen: Elektrizitätsversorgung durch das „Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk“, Aktiengesellschaft Essen/Ruhr (im nachstehenden kurz RWE genannt). Ich zitiere: Die Gemeinde Gusenburg erkennt an, dass der zwischen der Gemeinde Gusenburg und der Stadt Trier abgeschlossene Gemeindevertrag vom 07. Januar 1913 auf das RWE übertragen wird und ist damit einverstanden, dass mit Wirkung ab 01.10.1928 der zwischen dem Kreis Trier-Land und dem RWE abgeschlossene B-Vertrag vom 08.11.1928 bzw. 20.11.1928 in allen Punkten an Stelle des bisherigen Gemeindevertrages auf die Gemeinde Anwendung findet.

Ab 1930 wurde dann ein Großteil der privaten Haushalte an das öffentliche Stromnetz angeschlossen. Ab diesem Zeitpunkt war der elektrische Strom nicht mehr aus dem Leben der Menschen wegzudenken.

Außerdem gelten für die Gemeinde Gusenburg die in dem Schreiben des RWE, Betriebsverwaltung Trier vom 19.Mai 1930, aufgeführten Bestimmungen über den Betrieb der Straßenbeleuchtung des Trierer Doppeltarifes, der Stromlieferung für öffentliche Zwecke und der Stromlieferung für Gemeindewasserwerke.

„Der Betrieb der Straßenbeleuchtung wird in der bisherigen Weise betrieben. Das RWE ist also verpflichtet, die elektrische Straßenbeleuchtung zu einem Pauschalsatz von jährlich RM 25,-- für die etwa 50-kerzige „halbnächtige“ Lampe /Brennzeit von Eintritt der Dunkelheit bis 23.00 Uhr) und von RM 50,- für die etwa 50-kerzige „ganznächtige“ Lampe (Brennzeit von Eintritt der Dunkelheit bis Tagesanbruch) in Betrieb zu halten.

In diesen Preisen ist die Unterhaltung der gesamten Anlage einschließlich Lampenersatz und Stromlieferung eingeschlossen.“

Die Kosten für die Kilowattstunde betrug 25 Reichspfennig. Die monatliche Stromrechnung betrug um das Jahr 1930 etwa zwei bis drei Reichsmark. In der Gemeinderatssitzung vom 26. November 1954 unter dem Vorsitz von Ortsbürgermeister Peter Koch wurde der Vertrag vom 08. bzw. 20. November 1928 zwischen den beiden Vertragspartnern abgeschlossene Stromlieferungsvertrag „B“ um 40 Jahre, d.h. bis zum 30.September 1998, verlängert.