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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 49/2018
Aus dem Gerichtssaal
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Hoffentlich lernen sie etwas daraus

Zwei Jungs sitzen auf der Anklagebank im Hermeskeiler Amtsgericht, Ben* 18, Lukas* 16 Jahre alt. Um das, was sie verbindet, sind sie nicht zu beneiden: Beide sind noch ziemlich jung, als sich die Eltern trennen, danach geht es hin und her, mal leben sie beim Vater, mal bei der Mutter, Ben dann nach dem Tod der Mutter bei seiner Oma und einer Tante. Einen Schulabschluss hat keiner der beiden. Und weil es überall nur Probleme gibt, landen sie am Ende in einer Wohngruppe am Rande eines Dorfes, wo sie sich kennenlernen.

Eines Abends schleichen sie sich aus der Einrichtung und gehen im Dorf auf Tour. Wohl aus lauter Langeweile ziehen sie in der Nacht durch den Ort und verschandeln mehrere Gebäude, darunter das Bürgerhaus, mit kryptischen Botschaften in Form von Abkürzungen und Zahlen, die sie mit schwarzer Farbe auf Wände und Stromverteiler sprühen. Der Schaden ist nicht unbeträchtlich. Weil der Kreis der Verdächtigen in einem kleinen Dorf nicht allzu groß ist, dauert es nicht lang, bis die Täter ermittelt sind. Gegenüber der Polizei geben Lukas und Ben auch zu, dass sie es waren.

„Habt ihr euch irgendwas dabei gedacht?“, fragt Amtsgerichtsdirektorin Corinna Diesel und meint: „Das könnt ihr doch nie im Leben bezahlen.“ Als Ben, der nach einem Bericht der Jugendgerichtshilfe „ein eher verschlossener, ruhiger Typ“ ist, hierzu einwendet, er fände es „eine Frechheit“ von der Gemeinde, dass sie die Wand professionell hat reinigen lassen, erwidert die Richterin knapp: „Es steht außer Diskussion, dass das hier eine strafbare Sachbeschädigung war.“ Was eigentlich die Schmierereien, also die Abkürzungen und Zahlen zu bedeuten haben, will Staatsanwältin Schneider von den beiden Angeklagten wissen, aber das wissen die selbst nicht so genau. Sie meint in ihrem Plädoyer, der angerichtete Schaden sei zwar keine Kleinigkeit, aber die beiden hätten die Tat ja als „Dummejungenstreich“ eingeräumt, und sie beantragt, sie – wie auch von der Jugendgerichtshilfe vorgeschlagen – zu gemeinnütziger Arbeit zu verdonnern. Dem schließt sich der Verteidiger, den Ben mitgebracht hat, an. In ihrem „letzten Wort“ geben er und Lukas schließlich auch noch zu, „dass es Sch... war“, was sie gemacht haben.

Das Gericht verwarnt die Angeklagten und erlegt ihnen jeweils 40 Stunden gemeinnützige Arbeit nach Weisung der Jugendgerichtshilfe auf. „Das war eine absolut nicht akzeptable Aktion“, betont Richterin Diesel und warnt: „Das ist jetzt wie eine Verurteilung auf Bewährung. Wenn das mit der Arbeit nicht klappt, kann ich euch auch in die Jugendarrestanstalt schicken.“ Lukas und Ben, die wohl begreifen, dass sie nochmal mit einem blauen Auge davon gekommen sind, akzeptieren ebenso wie die Staatsanwältin und der Verteidiger das Urteil, das damit sofort rechtskräftig wird. (WIL-)

* Namen geändert