Friedrich Beck informiert die Anwesenden
Im Herbst letzten Jahres hat der Gemeinderat Gusenburg beschlossen, die Installation eines Nahwärmenetzes in der Ortslage ins Auge zu fassen. Ein entsprechender Auftrag, die Sache fachgerecht auf den Weg zu bringen, wurde an die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz, einer 100%igen Tochter des Landes, erteilt. Diese Agentur bündelt alle notwendigen Schritte und berät die entsprechende Kommune und die Grundstückseigentümer in der genannten Angelegenheit, so auch in Gusenburg.
Am vergangenen Freitag hatte die Ortsgemeinde zusammen mit der Agentur zu einer ersten Bürger-Info in die Grenderichhalle eingeladen. Ortsbürgermeister Joram zeigte sich erstaunt, dass mehr als 80 Frauen und Männer der Einladung gefolgt waren, er selbst hatte allenfalls mit 30 Besuchern gerechnet. Joram und Axel Thomas, der Klimaschutzbeauftragte der VG Hermeskeil begrüßten die Anwesenden und die beiden Referenten der Agentur, Stefan Beyer und Friedrich Beck. Stefan Beyer erläuterte die Vorgehensweise für die Installation eines sog. Nahwärmenetzes in der Ortslage von Gusenburg. So müssten die Rahmenbedingungen geschaffen, Fragen geklärt und das Interesse der Grundstückseigentümer erkundet werden. Des Weiteren erklärte Beyer den Sinn und Zweck eines solchen Nahwärmenetzes und verwies dabei auf den Klimawandel, die regionale Wertschöpfung und den Klimaschutz, so seien in RLP inzwischen 2,3 Millionen Bäume abgestorben und durch die Trockenheit der letzten Sommer entstünden hohe wirtschaftliche Schäden.
Referent Friedrich Beck stellte dann die verschiedenen Möglichkeiten von Nahwärmenetzen vor. In Gusenburg würden jährlich rd. 1,4 Mio. Liter Heizöl in 80 % der Haushalte verbrannt, eine gewaltige Umweltbelastung, die durch ein Nahwärmenetz beseitigt werden könnte. Die regionale Wertschöpfung müsste forciert werden, gemäß den Worten von Raiffeisen: „Das Geld des Dorfes dem Dorfe“. Es gibt, so Beck, zwei Systeme von Nahwärme. Das warme Nahwärmenetz, bei dem in einem Heizkraftwerk das Wasser auf bis zu 90 Grad erhitzt wird und durch isolierte Rohre in die Häuser gelangt. In den jeweiligen Gebäuden muss dann nur noch eine Übergabestation installiert werden, die die alte Heizungsanlage ersetzt. Bei dem kalten Nahwärmenetz, das die Gemeinde Rascheid installieren will, wird das Wasser durch Tiefenbohrungen bis auf 25 Grad erwärmt und gelangt durch nicht isolierte Rohre in die Häuser, dort wird es mittels eines speziellen Gerätes auf die notwendige Temperatur erwärmt, ähnlich wie bei Tiefenbohrungen. Die Installationskosten werden, so Beck bis zu 70 % gefördert. Für Gusenburg müsse in einem nächsten Schritt durch die Agentur die Anschlussquote ermittelt werden. Wie bei einem warmen Nahwärmenetz die notwendige Energie erzeugt wird, könne individuell sein, so z.B. Photovoltaik, Erdwärme, Hackschnitzel oder Pellets. Auch wer die Anlage letztendlich betreibt, sei offen, es könne ein Investor oder aber auch eine Genossenschaft der Hauseigentümer sein.
Im Anschluss an die Vorträge der beiden Referenten konnten die Besucher Fragen stellen. So wurde gefragt, wie der Zeitablauf sei oder wie hoch sich die Kosten belaufen. Nicht alle Fragen, so Stefan Beyer könne man aktuell beantworten. Erst wenn die Fragebögen, die an die Haushalte versandt werden, ausgewertet worden sind und die ungefähre Anzahl der Anschlussinteressenten feststehe, könne man genauere Zahlen zu den Kosten nennen, so Beyer, wobei die Entwicklung in der Zukunft die große Unbekannte sei. In einem nächsten Schritt werden die Fragebögen versandt, dann soll eine weitere Info-Veranstaltung stattfinden, hierzu wird zeitnah informiert und eingeladen. bb