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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 8/2026
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Unsichtbare Gefahr im Gras

Warum Hundekot für Kühe tödlich sein kann

Hundekot ist kein Dünger, sondern Krankheitsherd. Viele Landwirte, die Viehzucht und Milchwirtschaft betreiben, haben oft ein großes Problem mit dem Thema Hundekot und Abfall auf den Weiden. In Hermeskeil ist der Landwirt Peter Brücker schon seit Jahren besonders davon betroffen. Das Problem besteht an mehreren Stellen um Hermeskeil, konzentriert jedoch entlang der Feldwirtschaftswege oberhalb Medumland in Richtung Grafenwald und entlang der Langfuhr.

Viele Hundebesitzer verwechseln grüne Wiesen mit Naturflächen. Dabei handelt es sich oft um bewirtschaftete Wiesen, deren Ertrag in den Futterkreislauf von Kühen, Pferden oder Schafen geht. Wer den Hund dort freilaufen oder den Kot liegen lässt, bringt Tiere in Gefahr. Und auch Kotbeutel lösen das Problem nur, wenn sie richtig entsorgt werden – im Mülleimer, nicht im Gebüsch oder am Feldrand. Rücksicht auf Tiere beginnt mit Verantwortung auf dem Spaziergang. Das scheint bei vielen Hundebesitzern nicht verinnerlicht zu sein, die ihre Hunde auf den oben genannten Flächen und rund um den Hof von Landwirt Brücker bis hinunter ins Rotbachtal vermutlich auch großenteils frei laufen lassen,

Im Gegensatz zu Mist von Kühen oder Pferden eignet sich Hundekot nicht zur natürlichen Düngung. Er enthält weder die nötige Nährstoffbalance, noch ist er hygienisch unbedenklich. Wurmeier, Bakterien und Viren können im Boden überdauern und sogar ins Grundwasser gelangen. Auf dem Kompost hat Hundekot nichts verloren – auch moderne Thermokomposter erreichen oft nicht die Temperaturen, um alle Keime abzutöten. In Konsequenz, so Brücker, kann verunreinigtes Futter, wenn man es denn feststellt, nur entsorgt oder in der Biogasanlage verarbeitet werden. Das ist aber keine Lösung für einen Landwirt, der Vieh- und Milchwirtschaft betreibt.

Neospora caninum ist ein einzelliger Parasit (Protozoon), der als Abortursache beim Rind in letzter Zeit viel Aufmerksamkeit bekam. Der Erreger ist erst vor knapp 20 Jahren entdeckt worden. Der genaue Verlauf der Erkrankung ist deshalb noch nicht geklärt und führt zu unterschiedlichen Aussagen. Schon ein einziger Hund kann den gesamten Futterbestand einer Wiese kontaminieren. Und das mit weitreichenden Folgen: Erkrankt eine Kuh an Neospora, ist sie meist dauerhaft infiziert und verliert nicht nur im schlimmsten Fall ihre Kälber, sondern auch an Leistung. Für Landwirte bedeutet das: wirtschaftlicher Verlust, Tierarztkosten und seelischer Stress. Frisst eine Kuh verunreinigtes Gras kommt es nicht selten vor, dass die Tiere qualvoll verenden.

Hundekot auf Wiesen zu hinterlassen ist kein „kleines Ärgernis“ sondern rücksichtslos und auch verboten. In zahlreichen Kommunen gelten Satzungen, die das Verunreinigen von öffentlichen oder landwirtschaftlichen Flächen unter Strafe stellen. Je nach Region drohen bei Verstößen Bußgelder bis zu 5.000 Euro, wenn dadurch nachweislich Schäden entstehen. Leider hat das Ordnungsamt nur auf öffentlichen Flächen Befugnisse, diese Ordnungswidrigkeiten zu ahnden, nicht auf privaten oder landwirtschaftlich genutzten Flächen. Dort gilt Zivilrecht. Die Gefahrenabwehrverordnung der VG Hermeskeil greift nur dann, wenn Flächen in der öffentlichen Trägerschaft verunreinigt werden und der Hundehalter/-führer diese nicht entfernt. Es ist auch schwierig, die Hundehalter mit der Aufstellung von Behältern mit Kot-Beuteln zur richtigen Entsorgung zu animieren. Leider haben auch vom Landwirt aufgestellte Hinweisschilder in der Vergangenheit zu keinem Ergebnis geführt. Sie waren schnell weg oder zerstört und die Trümmer verunreinigten die Grasflächen zusätzlich. Rücksicht auf Tiere beginnt mit Verantwortung auf dem Spaziergang.

Obwohl jeder Hundehalter für die Entsorgung des Kots selbst verantwortlich ist, will die Stadt, so Bürgermeister Christoph König, die Anschaffung einiger Hundekotbehälter prüfen und ggf. an einigen Hotspots testen. (BäR)

Quelle: Internet, Karim Belbachir