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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 8/2026
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Der Rothirsch ist Deutschlands Tier des Jahres 2026

Ein beeindruckendes Tier in schwierigen Zeiten

Das größte Landsäugetier, das in Deutschland lebt, hat sich bei der jährlichen Abstimmung der Deutschen Wildtierstiftung gegen seine Konkurrenten Goldschakal und Hermelin durchgesetzt. Der Rothirsch hat mit Inzuchtproblemen zu kämpfen und ist in einem Lebensraumkonflikt, da ihn der Mensch mit seiner intensiven Landwirtschaft von der offenen Landschaft in den Wald drängt.

Mit dieser Wahl rückt eine Tierart in den Fokus, die vor existenziellen Herausforderungen steht. Viele Jäger dürften begrüßen, dass der Rothirsch zusätzliche Aufmerksamkeit bekommt. Das größte Landsäugetier, das in Deutschland dauerhaft lebt, bewohnt traditionell offene Wiesen und Felder mit einzelnen Baumgruppen und Gehölzen. Allerdings gibt es diese idealen Rotwild-Habitate in Deutschland nicht mehr in ausreichender Menge. Zudem sind es gerade diese Habitate, in denen die Tiere stark unter Druck geraten, da sie von der Landwirtschaft beansprucht werden. Deswegen weicht das Rotwild auf Waldgebiete aus. Das wiederum führt zu Problemen mit der Forstwirtschaft, denn Rothirsche fressen bevorzugt Baumknospen. Die Rotwild-Population in Deutschland wird auf etwa 220.000 Individuen geschätzt. In etwa einem Viertel der gesamten Landesfläche sind die beeindruckenden Tiere zu finden. Die Fragmentierung der Rotwild-Gebiete in Deutschland führt auch dazu, dass kein ausreichender genetischer Austausch zwischen den einzelnen Populationen stattfindet. Die genetische Vielfalt wird dadurch reduziert. Ohne geeignete Gegenmaßnahmen könnte die aktuelle Situation den Ausgangspunkt für das Aussterben des Rothirsches in Deutschland darstellen.

In Hessen diagnostizierten Genetiker schon im Jahr 2019, dass in keiner einzigen Rothirsch-Population des Bundeslandes die genetische Vielfalt ausreicht, um sich anstehenden Umweltveränderungen anzupassen. Auch in Baden-Württemberg befürchten Forscher eine unvorteilhafte Entwicklung, denn es gibt nur noch fünf legale Rotwild-Bezirke, insgesamt etwa 4 % der Landesfläche. Außerhalb dieser Rotwild-Flächen wird das prächtige Wildtier konsequent bejagt. Die Jäger setzen nur die Gesetze um, sind aber nicht die Ursache dafür, dass die genetische Basis für die Rothirsch-Populationen langfristig gefährdet ist. Biodiversität und Tierschutz funktionieren in vielen Teilen Deutschlands nicht, wenn es um den Rothirsch geht. Eine künstlich hergestellte Fragmentierung sorgt dafür, dass kein gesunder genetischer Austausch stattfindet.

Die Lösung des Rothirsch-Problems ist eigentlich recht einfach, jedenfalls in der Theorie. Um eine bessere genetische Vielfalt zu gewährleisten, müssen die Lebensräume der Rothirsche besser miteinander vernetzt werden. Nach Einschätzung der Deutschen Wildtierstiftung könnten die Schaffung von mehr Wanderungskorridoren, wie Grünbrücken über Autobahnen und andere Infrastruktureinrichtungen, Beschränkung oder Aussetzung der Jagd auf wandernde Tiere und das Überdenken der Beschränkung auf Rothirschbezirke dabei helfen. Nur mit mehr Lebensraum könne die Rothirsch-Population in Deutschland langfristig überleben. Als Deutschlands Tier des Jahres 2026 sei der Rothirsch für ein Jahr in einer prominenten Position, die hoffentlich zu interessanten Diskussionen in der Politik, aber auch in Jagdverbänden und Naturschutzverbänden führt. Fernab aller ideologischen Unterschiede sollten alle Naturfreunde daran interessiert sein, den Lebensraum für den Rothirsch in Deutschland so zu verbessern, dass die Zukunft dieser Wildtierart in Deutschland gesichert ist. (BäR)

Quelle: Internet/Deutsche Wildtierstiftung/Schonzeiten