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Rund um Hermeskeil
Ausgabe 9/2018
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Nahwärmenetz für Züsch?

RuH - Zahlreiche Bürger aus Züsch verfolgen die Informationen von Chr. Zeis

Bürgerversammlung und Informationen im Bürgerhaus

Bekommt Züsch als erste Gemeinde in der VG ein Nahwärmenetz? Lohnt sich eine solche Investition und finden sich genügend Hausbesitzer, die sich anschließen lassen? Noch ist alles Zukunftsmusik, aber die ersten Schritte in diese Richtung wurden am Mittwoch vergangener Woche bei einer Bürgerversammlung und Info-Veranstaltung im Bürgerhaus gemacht. Bürgermeister Hermann Bernardy hatte Fachleute und die Züscher Bürger eingeladen und rund 80 Bürger/innen waren gekommen.

Die notwendigen Informationen erfuhren die Anwesenden aus dem Munde von Christoph Zeis, Geschäftsführer der Firma EDG – Energie-Dienstleistungsgesellschaft Rheinhessen-Nahe mbH - aus Nieder-Olm. Die Installation einen Nahwärmenetzes, so Chr. Zeis, ist recht kostspielig, da dafür der vorhandene Straßenkörper bzw. Bürgersteig aufgebrochen werden muss, um die Leitungen zu verlegen. Ist eine Straße, so Zeis, erst einmal neu angelegt bzw. saniert, ist die nachträgliche Installation eines Nahwärmenetzes nicht möglich, da zu kostspielig. In Züsch soll die L 166, die als Muhlerstraße, Brunnenstraße und Saarstraße quer durch den Ort führt, komplett erneuert werden. Bei dieser Baumaßnahme, so der Fachmann von der EDG, würde es sich anbieten, die Nahwärmeleitungen mit zu verlegen, da dabei nur geringe zusätzlichen Kosten in Sachen Erdarbeiten entstehen würden. Lediglich das Herstellen der Hausanschlüsse würde zusätzliches Geld kosten. Bei der Installation in einen vorhandenen Straßenkörper entstehen Kosten von 500 Euro je lfd. m. Für den Bau der Heizzentrale müsse die Gemeinde das Grundstück zur Verfügung stellen, das verkehrstechnisch erschlossen sei muss.

Die EDG, so Zeis, betreibt als kommunale GmbH mit 20 Mitarbeitern im Raum Mainz-Bingen bereits 250 Projekte, darunter WKA, Nahwärmenetze, PV-Anlagen, Blockheizkraftwerke und Holzheizkraftwerke. Jährlich werden rd. 15 Millionen Liter Heizöl eingespart und somit auch unzählige Tonnen von Feinstaub und CO². An der EDG sind Landkreise, Verbandsgemeinden und Städte beteiligt, versorgt werden öffentliche Gebäude, Schwimmbäder und Industrieanlagen, aber auch private Wohnhäuser, die neueste Anlage ist vor zwei Jahren in Birkenfeld/Nahe in Betrieb gegangen, bei 3 Mio. Euro Investitionen gab es 1,3 Mio. Euro Fördergelder. In der Heizzentrale werden primär Holz und Biomasse verheizt, in Spitzenzeiten und bei Ausfall der Holzanlage stehen Gas und Öl zur Verfügung, die Grundlast wird durch ein Blockheizkraftwerk erzeugt.

Wie läuft das ganze technisch und kaufmännisch ab?

Zunächst muss eine Gesellschaft in Form einer GmbH oder Genossenschaft gegründet werden, an der die Gemeinde und andere Gesellschafter beteiligt sind. Diese Gesellschaft errichtet mit Unterstützung der EDG die Heizzentrale, verlegt das Nahwärmenetz und schließt die Gebäude an. Im Haus wird ein Wärmetauscher installiert, hier wird die gelieferte Wärme ins Hausnetz eingespeist. Schornstein, Schornsteinfegergebühren, Heizölkauf, Heizungswartung und der Platz für Tanks und Brenneranlage entfallen, der Hausbesitzer muss nur noch die gelieferte Wärme bezahlen. Wer sich allerdings an das NW-Netz anschließt, tut das für viele Jahre, bei Störungen ist man von Dritten abhängig. An das Netz kann in der Ortslage theoretisch jedes Haus angeschlossen werden, bei langen Zuleitungen macht das allerdings keinen Sinn, da zu kostenintensiv. Der Hauseigentümer, der sich anschließen lässt, muss einen Baukostenzuschuss von 5.000 bis 10.000 Euro leisten, die genaue Höhe richtet sich nach der Förderung durch die öffentliche Hand. Ohne Förderung, so Zeis, ist der Bau eines NW-Netzes unmöglich, da es sich dann kaufmännisch nicht rechnet. Bei einem Anschluss an das NWN kann ein vorhandener Kachelofen weiter betrieben werden, die Nahwärme hat darauf keinen Einfluss. Der spätere Anschluss an das NW-Netz ist nur bedingt möglich.

Was sind die ersten Schritte in Züsch?

Zunächst sind die Grundlagen zu ermitteln, die in Frage kommenden Hauseigentümer erhalten einen Fragebogen. Anschließend werden die weiteren Schritte beraten und ggfls. auf den Weg gebracht. In der anschließenden Fragerunde konnten die Anwesenden Fragen an Christoph Zeis stellen. So ist es z. B. notwendig, dass sich mindestens 50 % der Gebäude entlang der L 166 anschließen lassen müssen, da sich das NW-Netz sich ansonsten nicht rechnet.

RuH wird die Sache weiter verfolgen und entsprechend berichten.

Bb

Info:

Was genau ist ein Nahwärmenetz?

Ein Nahwärmenetz (NWN) kann man gut mit einer Fernwärme vergleichen, die meistens in Großstädten angeboten wird. Die NWN sind in der Regel kleiner und die Anzahl der angeschlossenen Haushalte und anderer Gebäude ist geringer. Das Prinzip Nahwärme ist einfach, aber wirkungsvoll: Von einer Heizzentrale aus werden die verschiedenen Gebäude oder ganze Dörfer mit Wärme versorgt. Im Kessel der Heizzentrale wird Wasser erwärmt und gelangt über gut isolierte Leitungen zu den einzelnen Gebäuden. Dort sorgt ein Wärmetauscher dafür, dass die benötigte Wärme in das Heizungs- und Warmwassersystem gelangt. Die bisherige Heizung ist nicht mehr nötigt und kann abgebaut oder stillgelegt werden. Die Heizzentrale kann mit allen Brennstoffen und Systemen zur Energiegewinnung betrieben werden. Die Anlagen erzeugen die notwendige Temperatur mit Öl, Kohle, Gas, Holz, Solarthermie, Erdwärme, Tiefenbohrungen oder was sonst immer zur Wärmegewinnung geeignet ist. Aufgrund eines speziellen Elektrofilters ist die CO2-Belastung sehr gering, ebenso die Geruchsbelästigung durch den Schornstein.

Die Bundes- und Landesregierungen haben die sogenannte Energiewende beschlossen. Diese Energiewende soll den Umstieg weg von fossilen Brennstoffen, wie Gas, Kohle und Öl hin zu nachwachsenden Rohstoffen, z. B. Holz, schaffen. Anlagen, die mit lokal nachwachsenden Rohstoffen arbeiten, werden besonders gefördert. In Züsch, so Ortsbürgermeister Bernardy, soll eine solche Anlage gebaut werden, die weitestgehend mit lokalem Holz bzw. Hackschnitzel betrieben wird. Ziel ist es u. a., die Feinstaub- und CO²-Belatung in Züsch spürbar zu senken. bb